An diesem Tag

Madame de Pompadour

Mätresse Ludwigs XV.

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Jeanne-Antoinette Poisson, dame Le Normant d’Étiolles, marquise (Markgräfin) de Pompadour, duchesse (Herzogin) de Menars (* 29. Dezember 1721 in Paris; † 15. April 1764 in Versailles), kurz Madame de Pompadour, war von 1745 bis 1751 die maîtresse en titre am Hof des französischen Königs Ludwig XV.

Jeanne-Antoinette Poisson wurde in Paris als Tochter der Louise-Madeleine de La Motte und des François Poisson (1684–1754) geboren, eines wohlhabenden bürgerlichen Heereslieferanten und Verwalters bei den Brüdern Pâris. Ihr leiblicher Vater war jedoch wahrscheinlich der reiche Bankier und Hauptsteuerpächter Charles François Paul Le Normant de Tournehem (1684–1751). Dieser übernahm, nachdem Poisson infolge eines Skandals im Jahre 1725 ins Exil verbannt worden war, die Position ihres Vormundes und nahm sie zusammen mit ihrer Mutter, Louise-Madeleine de La Motte (1700–1745), und ihrem Bruder, Abel François Poisson de Vandières (1727–1781), bei sich auf.

Der Vater François Poisson wurde als jüngstes von neun Kindern des Webers Claude Poisson (1631–1694) in Provenchère unweit von Langres geboren, ihre Mutter entstammte demselben Dorf. Er trat in den Dienst der Pariser Finanziers Jean Pâris de Montmartel (1690–1766) und Joseph Pâris-Duverney (1684–1770). Zu Wohlstand gekommen, ehelichte er am 29. Juli 1715 Anne-Geneviève-Gabrielle de Carlier de Roquaincourt (1695–1718). Diese Verbindung blieb kinderlos und seine Gattin starb im Jahre 1718. Noch im selben Jahre, am 6. Oktober 1718 heiratete Poisson erneut, seine zweite Frau war eben Louise Madeleine de la Motte. Im vierten Ehejahr gebar seine zweite Frau am 30. Dezember 1721 eine Tochter. Da ihr Ehemann neun Monate zuvor für längere Zeit in der Provence weilte, wurden über den leiblichen Vater von Jeanne-Antoinette Poisson zwei Namen genannt, Jean Pâris de Montmartel und Charles François Paul Le Normant de Tournehem. Sie wurde in der Pfarrkirche Saint-Eustache getauft.

François Poisson kam in den Strudel der Spekulationsblase von John Law of Lauriston und wurde am 23. April 1727 zur Rückzahlung von 232.430 Livres und einer Bestrafung verurteilt, doch er zog die Flucht in das Ausland vor. Seine Tochter wurde in das Ursulinenkloster von Poissy, couvent des Ursulines de Poissy, gesandt.

Jeanne-Antoinette Poisson war eine regelmäßige Besucherin des samstäglichen Gesprächskreises im Club de l’Entresol, welcher von Pierre-Joseph Alary (1689–1770) und Charles Irénée Castel de Saint-Pierre gegründet worden war und von 1720 (bzw. 1724) bis 1731 in der Hochparterrewohnung am Place Vendôme in Paris von Charles-Jean-François Hénault (1685–1770) stattfand.

Am 9. März 1741 wurde Jeanne-Antoinette mit dem reichen Untersteuerpächter Charles-Guillaume Le Normant, seigneur d’Étiolles (1717–1799), dem Neffen ihres Vormundes, in der Kirche St. Eustache getraut. Von ihm bekam sie einen Sohn, der jedoch schon ein Jahr nach seiner Geburt starb, sowie die Tochter Alexandrine-Jeanne, genannt Fanfan, die am 10. August 1744 zur Welt kam, jedoch ebenfalls früh, mit knapp 10 Jahren, starb.

Es ist historisch belegt, dass ihr im Alter von neun Jahren prophezeit worden war, dass sie eines Tages die Mätresse von Ludwig XV. sein werde. Der betreffenden Wahrsagerin, einer Madame Lebon, setzte sie später eine Rente von 600 Livres aus.

Seitdem versuchten zuerst ihre Mutter und dann sie selber, die Aufmerksamkeit Ludwigs XV. zu erregen. So wurde sie, wenn sie sich in Étiolles aufhielt, in einer Kalesche in den nahegelegenen Wald von Sénart gefahren, wo sich die königliche Jagdgesellschaft zu treffen pflegte. Dies nützte jedoch wenig, da die damalige Mätresse Marie-Anne de Mailly-Nesle, Marquise de La Tournelle und Duchesse de Châteauroux (1717–1744), ihr verbot, weiterhin bei den Jagden des Königs zu erscheinen. Es blieb ihr nun nichts anderes übrig, als den Tod der königlichen Mätresse abzuwarten, der schließlich am 8. Dezember 1744 eintrat.

Der Kardinal de Bernis schlug Ludwig XV. Madame d’Étiolles vor, die ihm während der Jagden aufgefallen war, und lud sie zu einem Maskenball, am 28. Februar 1745, anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Ludwig Ferdinand ein, wo sie und der König sich trafen. Er machte sie nicht nur zu seiner offiziellen Mätresse (frz. maîtresse en titre), der ersten gebürtigen Bürgerlichen mit diesem Status am französischen Hof überhaupt, sondern erhob sie im Juli desselben Jahres auch zur Marquise de Pompadour mit Landsitz und eigenem Wappen. Am 14. September 1745 fand ihre offizielle Vorstellung am Hof von Versailles statt.

Obwohl ihr vertrauter Verkehr mit dem König nur bis 1751 dauerte, behielt sie die Stellung als offizielle Mätresse bis zu ihrem Tod 1764. Dies ist vor allem auf ihr diplomatisches Geschick zurückzuführen. Sie machte nicht wie andere königliche Geliebte den Fehler, sich die Königin zur Feindin zu machen, sondern tat alles, sie nicht zu brüskieren und ihr gefällig zu sein. Sie brachte sie sogar dazu, sie zu ihrer Hofdame und zur Herzogin von Menars zu ernennen (1756).

Zum anderen knüpfte sie am Hof ein Netz von Verbündeten, die ihre Stellung absicherten. Zudem verstand sie den König nicht nur in intimer Hinsicht an sich zu binden, sondern auch sein Unterhaltungsbedürfnis zu befriedigen und sich damit unentbehrlich zu machen. So sang sie für ihn mit prominenten Künstlern aus Paris geistliche Konzerte und Motetten, um seine Neugier für das Theater zu wecken. Schließlich erfüllte der König ihr den Wunsch nach einem kleinen Theater, welches „Theater des kleinen Appartements“ genannt wurde. Die Einweihung fand am 17. Januar 1747 mit dem Stück Tartuffe von Molière statt. Als Direktor wählte die Mätresse den Herzog de La Vallière aus, der der beste Sachwalter der französischen Komödie war. Die Aufführungen waren begehrt, doch das Publikum war klein und wurde sorgfältig von der Mätresse ausgewählt.

Sie brachte den König auch dazu, den Staatssekretär Jean-Frédéric Phélypeaux, Graf de Maurepas, 1749 nach 15 Jahren zu entlassen, obwohl dieser sich für unersetzlich hielt; allerdings hatte Maurepas – nach Voltaires Aussage – „die Manie, sich mit allen Geliebten seines Herrn zu überwerfen, und das ist ihm schlecht bekommen“. Die Entlassung und Verbannung Maurepas' erreichte sie, indem sie dem König berichtete, dass Maurepas sie vergiften wolle; tatsächlich hatte er nur ein Epigramm gegen sie geschrieben.

Madame de Pompadour nutzte ihre Position als offizielle Mätresse zur Förderung zahlreicher – aus Sicht des Ancien Régime „progressiver“ – Intellektueller und Künstler, unter anderem der Autoren der Encyclopédie Denis Diderot und Jean-Baptiste le Rond d’Alembert, des Schriftstellers Jean-Jacques Rousseau und der Maler François Boucher, Jean-Marc Nattier und François-Hubert Drouais. Voltaire gehörte zu ihren Favoriten; der Dichter und Philosoph, der bei der verstorbenen Duchesse de Châteauroux in Ungnade gefallen war, suchte alsbald ihre Nähe und verbrachte 1746 einige Monate mit ihr in Étiolles, während der König einen Feldzug unternahm. Er sang daher auch noch Jahre später ihr Loblied: Sie „war gebildet, klug, liebenswürdig, voller Anmut, künstlerisch begabt und hatte von Geburt einen gesunden Menschenverstand und ein gutes Herz“. Durch ihren Einfluss wurde er 1745 zum Historiografen Frankreichs ernannt und ein Jahr später in die Académie française aufgenommen, was Maurepas zuvor verhindert hatte. Schließlich wurde er dank der Marquise zum ordentlichen Kammerherrn erhoben. Ihrem ehemaligen Lehrer Prosper Jolyot de Crébillon setzte sie eine Pension über 100 Louisdors aus, als sie erfuhr, dass er sich in Not befand. Nach seinem Tod 1762 überredete sie Ludwig XV. von Frankreich, in der Kirche Saint-Gervais ein Mausoleum für Crébillon in Auftrag zu geben.

In den letzten Jahren ihres Lebens musste die Marquise ihren Platz immer wieder verteidigen. So war Anne Couppier de Romans, eine neue Verbindung des Königs, eine große Gefahr für sie, da sie einen Sohn namens Louis-Aimé de Bourbon (1762–1787) von ihm hatte, den Ludwig XV. als einziges seiner vielen illegitimen Kinder anerkannte. Die Marschallin de Mirepoix beruhigte sie jedoch, dass der König keine Frau mehr liebe als die Marquise. Nach ihrem Tod gab Ludwig XV. bekannt, dass er sich nur aus Barmherzigkeit nicht von ihr getrennt habe, da er ihren Selbstmord befürchtete.

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