Madagaskar [madaˈgaskaɐ̯] (amtlich Republik Madagaskar, Malagasy Repoblikan’i Madagasikara, französisch République de Madagascar) ist ein Inselstaat in Ostafrika mit mehr als 32 Millionen Einwohnern. Die Insel liegt etwa 420 Kilometer vor der Ostküste Mosambiks im Indischen Ozean. Madagaskar ist mit einer Fläche von 587.295 Quadratkilometern nach Indonesien der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat der Welt sowie die viertgrößte Insel.
Madagaskar war von 1896 bis 1960 eine französische Kolonie. Seit der Unabhängigkeit hat das politische System des Staates mehrfach gewechselt. Die Demokratie im Land heute gilt als angeschlagen, es wird daher als Hybridregime eingestuft. Demonstrationen junger Menschen im September 2025 wurden von der Regierung gewaltsam niedergeschlagen, 22 Demonstranten wurden dabei getötet. Immer wieder kommt es zur Inhaftierung politischer Gegner und anderen Menschenrechtsverstößen.
Madagaskar weist die typischen Wirtschaftscharakteristiken eines Entwicklungslandes auf.
Die bei weitem größte Landfläche des Staates Madagaskar wird durch die gleichnamige viertgrößte Insel der Welt eingenommen, die bisweilen der achte Kontinent genannt wird, weil durch eine lange isolierte Entwicklung eine sehr eigenständige Natur entstanden ist: Madagaskar wurde vor 150 Millionen Jahren von Afrika und vor 90 Millionen Jahren vom indischen Subkontinent getrennt.
Das zentrale Madagaskar ist ein Hochland mit durchschnittlichen Höhen von 1100 Metern. Es fällt nach Osten schroff und steil ab, während der Anstieg im Westen sanfter ausfällt. Aus dem Hochland erheben sich drei große Massive: Das mit Abstand größte ist das zentrale Ankaratra-Massiv; zudem im Süden das Andringitra-Gebirge und im Norden das Tsaratanana-Massiv, aus dem sich im Maromokotro mit 2876 Meter der höchste Berg der Insel erhebt.
Zwei Drittel der Insel werden von präkambrischen Gesteinen aufgebaut, die mehrfach, zuletzt während der Entstehung Gondwanas vor 540 Millionen Jahren, deformiert und metamorph geprägt wurden.
Im äußersten Osten um die Bucht von Antongil und bei Mananjary sind archaische Gneise mit Altern um 3,2 Milliarden Jahren aufgeschlossen, die mit identischen Gesteinen im Dharwar-Kraton in West-Indien korreliert werden. Daran schließt sich nach Westen eine schmale Zone mit hochmetamorphen Sedimentgesteinen und Basalten an, die Überreste eines ehemaligen Ozeanbeckens dokumentieren, das am Ende des Präkambriums subduziert wurde. Das zentrale Hochland wird von spätarchaischen Graniten und Gneisen aufgebaut, in die drei große, rohstoffreiche Grünsteingürtel eingefaltet sind.
Im Süden der Insel treten Gesteine mittelproterozoischen Alters auf, die besonders hohen Metamorphose-Temperaturen von mehr als 1000 °C ausgesetzt waren. Der nördliche Teil der Insel enthält jungproterozoische Vulkanite, Granite und Sedimentgesteine eines Inselbogens, der erst im Kambrium angegliedert wurde.
Das westliche Drittel der Insel wird durch flach liegende Sedimentgesteine aufgebaut, deren Alter vom obersten Karbon bis in die Kreide reichen. Die lokal kohleführenden Gesteine wurden vom Oberkarbon bis in die Trias in intramontanen Becken abgelagert; erst im Jura öffnete sich der Mosambik-Kanal, wodurch ein Zugang zum offenen Ozean entstand.
Bei der Trennung Indiens von der Ostküste Madagaskars in der Oberkreide wurden große Mengen Basalt gefördert, die entlang eines schmalen Küstenstreifens gut aufgeschlossen sind. Vulkanische Aktivitäten lassen sich vom Neogen bis ins Pleistozän für das zentrale Hochland (mit dem Vulkanfeld Ankaratra), den Norden der Insel (Vulkanfeld Ankaizina und Schichtvulkan Ambre-Bobaomby) und die nordwestlich vorgelagerten Inseln Nosy Be und Nosy Mitsio nachweisen.
Madagaskar liegt im tropischen Klima des Südäquatorialstromes. Die Niederschläge nehmen von Ost nach Südwest kontinuierlich ab. So fallen an der Westküste teilweise nur 500 Millimeter pro Jahr, während es an der Ostküste regional bis zu 4000 Millimeter sein können. Diese Unterschiede zeigen auch hier abgebildete sieben Klimadiagramme. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 25 °C, wobei die Temperaturen an den Küsten höher liegen und im Landesinneren im Hochland bis unter den Gefrierpunkt sinken können. Sommer und Winter entsprechen der tropischen Regen- und Trockenzeit. Fast jährlich suchen Zyklone die Insel heim.
Der größte See des Landes ist der Lac Alaotra. Er liegt im nördlichen Osten des Landes und entwässert über den Maningory.
Hydrologisch lässt sich Madagaskar je nach Messmethode in 12 bis 13 Einzugsgebiete mit über 10.000 km² unterteilen. Das Größte ist dabei das des Mangoky mit etwa 56.000 km², gefolgt von Tsiribihina und Betsiboka. Zusammen haben etwa 40 Flüsse ein Einzugsgebiet von über 2000 km². Hinzu kommen zahlreiche Küstenflüsse. Die Wasserscheide der Insel verläuft in etwa entlang ihrer Längsachse von Nord nach Süd.
Madagaskar zählt geoökologisch zu den „älteren Inseln“ der Erdgeschichte. So werden Inseln bezeichnet, die seit einem langen geologischen Zeitraum vom Festland getrennt sind. Hier kommen ausgesprochen viele endemische Arten, Gattungen und Familien von Pflanzen und Tieren vor, die nirgendwo sonst auf der Erde zu finden sind. Diese Tatsache sowie die große Artenvielfalt und Biodiversität auf der Insel (die sich insbesondere an der gesamten regenfeuchten Ostküste konzentriert) sowie das Vorhandensein von vielfältigen Ökosystemen machen Madagaskar zu einem der Megadiversitätsländer dieser Erde.
Von den etwa 12.000 Arten von Blütenpflanzen und den 109 Säugetierarten sind jeweils 80 Prozent, von den 250 Vogelarten rund die Hälfte, von den 260 Reptilienarten 95 Prozent und von den 150 Froscharten alle endemisch. Diese einzigartige Pflanzen- und Tierwelt ist in Madagaskar besonders bedroht. Das Verschwinden vieler Tierarten resultiert seit der Besiedlung der Insel aus dem Wachstum der Bevölkerung, aus der Jagd, zunehmender Rinderhaltung, Abbau von Tropenhölzern sowie insbesondere der Lebensraumzerstörung durch Brandrodung. Drei Fünftel der tropischen Regenwälder wurden auf diese Weise bereits in Savannen bzw. Sekundärwälder verwandelt. Ursprünglich war Madagaskar zu rund 90 Prozent bewaldet. Von den 53 Millionen Hektar Wald sind heute nur noch etwa zehn Prozent erhalten. Trotz der Gefährdung aller Landschaften und des umliegenden Meeres wird Madagaskar als Biodiversitäts-Hotspot geführt.
In der madagassischen Verfassung ist Umweltschutz als Staatsziel festgeschrieben. Die Fläche der Naturschutzgebiete soll nach einem Regierungsplan verdreifacht werden. Es bestehen 47 offizielle Naturschutzgebiete in Madagaskar. Allerdings erweist sich die Durchsetzung des Schutzstatus als sehr schwierig. So stand der Nationalpark Masoala lange Zeit nur auf dem Papier und wurde von den Menschen vor Ort abgelehnt. Medienberichte und NGO-Recherchen legen nahe, dass in Madagaskar weiter in großem Stil Edelhölzer – vor allem Rosenholz genannte Dalbergienarten – illegal geschlagen werden und auf dem internationalen Markt landen.
Im Juni 2021 warnte die Welthungerhilfe, dass aufgrund der langanhaltenden Dürre 14.000 Menschen im Süden Madagaskars akut in Lebensgefahr seien. Die zuständige Regionaldirektorin Lola Castro vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen warnte vor dem Hungertod von 500.000 bedrohten Menschen in den nächsten Monaten.
Die Insel war vor dem Eintreffen der ersten Siedler vermutlich fast komplett bewaldet. Die küstennahen Zonen sind dabei in den niederschlagsreichsten Regionen von tropischem Tiefland- und Bergregenwald bedeckt. Von den ursprünglichen Regenwäldern sind nur noch vier Prozent erhalten. Die größten zusammenhängenden Regenwaldflächen, die noch existieren, liegen auf der Masoala-Halbinsel. Von Osten nach Westen geht der Regenwald allmählich über die Feuchtsavanne in die Trocken- und im Süden auch Dornstrauchsavanne über.