An diesem Tag

Maʿalot-Tarschiha

Stadt im Norden Israels

Anúncio

Maʿalot-Tarschiha (hebräisch מַעֲלוֹת-תַּרשִׁיחָא Maʿalot-Tarschicha, arabisch معالوت ترشیحا, DMG Maʿālūt Taršīḥā) ist eine Stadt in Israel, etwa 20 Kilometer östlich von Naharija. Die Stadt gehört zum westgaliläischen Unterbezirk Nefat Akko des Nordbezirks (Israel).

Ausgrabungen in einer Grabhöhle des vierten Jahrhunderts der Zeitrechnung brachten unter anderem ein christliches Kreuz und eine Glasscherbe mit eingravierter Menorah ans Tageslicht.

Quellen der Kreuzfahrer im 12. und 13. Jahrhundert bezeichnen den Ortsteil Tarschicha als Terschia, Torsia und Tersigha. Der König von Jerusalem hatte die Gründung des benachbarten, bis heute christlichen Dorfes Miʿilya (lateinisch Castellum Regis) durch katholische Levantiner lateinischen Ritus (so genannte Franken; الفرنجة, DMG al-Faranǧa) und Pullanen veranlasst, von wo sie sich nach Tarschicha ausbreiteten. Im Jahre 1160 übertrug König Balduin III. von Jerusalem Torsia und einige benachbarte Dörfer an Iohanni de Caypha (Johannes von Haifa).

Tarschicha kam an die Seigneurie de Joscelin, die König Balduin III. 1182 in Obergaliläa für seinen Onkel, den in Edessa entmachteten Grafen Joscelin III. schuf. Für 1217 werden die Einwohner als levantinische Franken beschrieben. Der Gatte von Joscelins Erbtochter Beatrix von Courtenay, der Minnesänger und Kreuzfahrer Otto von Botenlauben, verkaufte per iure uxoris Tarschicha (Tersyha) mit zehn Nachbarorten an den Deutschen Orden, der sich so um dessen nahe Ordensburg Montfort eine eigene Herrschaft (Territorium) arrondieren konnte, die Walther Hubatsch 1966 als Deutschordensstaat im Heiligen Lande charakterisiert. Jakob von Mandelée (Amigdala), Sohn der jüngsten Tochter Joscelins, Agnes, der einen Anteil an Joscelins Nachlass beanspruchte, focht den Kauf an und der Deutsche Orden zahlte ihn schließlich 1228 aus. Im Jahre 1266 plünderten vermutlich unbesoldet gebliebene Kreuzfahrertruppen Tarschicha.

In den Reichen von Mamluken und Osmanen

Die zerstörerische Eroberung in mehreren Feldzügen 1266, 1268 und 1271 durch die Mamluken unter Sultan Baibars I. setzte der Wirtschaft in den ehemaligen Kreuzfahrerstaaten ein Ende und die Subsistenzproduktion im Sultanat lieferte keine Impulse für eine wirtschaftliche Wiederbelebung der Levante. Im Osmanisch-Mamlukischen Krieg (1516–1517) eroberte das Osmanische Reich die Levante mitsamt Tarschihas. Tarschiha kam an den Sandschak Safed.

Der autonomistische Regionalpotentat Ẓāhir al-ʿUmar al-Zaidani weitete von Tiberias aus nach 1730 seine Herrschaft nach Westen aus, Tarschiha eingeschlossen, indem er in Galiläa verstreut Befestigungen einrichtete, wie 1738 in der knapp fünf Kilometer entfernten Ruine der Deutschordensburg Judin (arabisch خِرْبَة جِدِّين, DMG Ḫirbat Ǧiddīn, hebräisch מִבְצַר יְחִיעָם Mivzar Jəchīʿam) im heutigen Jechiʿam. In den 1750er Jahren führte Ẓāhir al-ʿUmar einen Bevölkerungsaustausch durch – er holte Christen aus dem Libanongebirge und von dem mittleren Lauf des Orontes im Nordwesten des heutigen Syriens nach Miʿilya und siedelte die bislang ortsansässigen Muslime nach Tarschiha um.

Nach gescheiterten Versuchen, den aus eigenem Willen und Können aufgestiegenen, unabhängigen Ẓāhir al-ʿUmar abzusetzen, fügte sich die Hohe Pforte 1768 schließlich ins Unvermeidliche und verlieh ihm den neu geschaffenen, seinen aus eigener Kraft errungenen Machtbereich spiegelnden Rang eines Scheich von Akko und ganz Galiläa, der spätere Sandschak Akkon zeichnete sich ab. Wachsende heimische Produktion und steigende globale Preise brachten den Beteiligten auf allen Ebenen mehr ein, bei gleichzeitigem Schutz vor Willkür und Raub, so dass Ẓāhir al-ʿUmars bislang dünn besiedeltes Herrschaftsgebiet eine Sogwirkung auf Migranten von außerhalb entwickelte. Ẓāhir al-ʿUmar, der einem beim osmanischen Sultan Abdülhamid I. in Ungnade gefallenen Freund (ʿAlī Bey al-Kabīr) beistand, war ab 1771 so selbst Ziel osmanischer Intervention geworden, die 1775 mit seiner Erschießung auf der Flucht endete. Die Intervention leitete der osmanische Militär Ahmad ‹al-Cezzâr› Pascha, dem Gewalttätigkeit den Beinamen ‹der Schlächter› (الجزّار al-Ǧazzār) eingetragen hatte.

Als neuen Scheich ernannte die Hohe Pforte Cezzâr Ahmed Pascha ab 1777 mit Titel eines Wālī von Sidon, als der er 1779 aber seinen Sitz in Akko nahm. Ihm fehlten wirtschaftlicher Sachverstand, freundschaftliche und als Bosniake familiäre Beziehungen in seinem Machtbereich und die Fähigkeit, seiner Macht widerstreitende lokale und regionale Potentaten durch Zugeständnisse und Abkommen für sich zu gewinnen. Stattdessen setzte er auf Gewalt. Daher unterhielt Cezzâr Pascha einen personalstarken Repressionsapparat aus teuren fremden Söldnern ohne Bindungen zu lokaler Bevölkerung. Steigende Ausgaben erforderten höhere Steuerforderungen und -einnahmen, die z. B. ein neues obrigkeitliches Monopol im Getreidehandel einbringen sollte.

Die Zahl der Bauern sank, teils durch Flucht vor Repressalien oder vor Steuerexekution und schließlich in Folge Todes durch die Beulenpest 1786. Akkoner und Galiläer wanderten ab und mehr und mehr Agrarflächen lagen brach. Entsprechend sanken die Ernten, die Agrarexporte und die Einnahmen aus darauf erhobenen Zöllen, während die Unzufriedenheit in der verbliebenen Bevölkerung stieg. Die lokalen Herren suchten sinkenden Exportzolleinnahmen in Folge fallender galiläischer Exporte zu wehren, indem sie Abgabenerhöhungen, willkürliche Enteignungen und Zwang durch Staatsmonopole bei bestimmten Exportartikeln und unerlässlichen Verbrauchsgütern einführten. Im Vergleich zu akkonischen Potentaten erwiesen sich osmanische Statthalter in Beirut als sachverständiger, und der Levantehandel verlagerte sich dorthin. Während Beirut zum Paris des Orients aufstieg, fiel Akkos Einwohnerzahl von 25'000 um 1770 auf 2'000 zwischen 1820 und 1840 ab. Im ländlichen Hinterland sah es nicht besser aus.

Tarschiha, wie die ganze Levante, geriet in den Jahren 1831 bis 1841 unter ägyptische Besatzung zwischen dem Ersten und Zweiten Ägyptisch-Osmanischer Krieg. Der Sandschak Akkon mitsamt Tarschihas gehörte zum Eyâlet Sidon mit Sitz im libanesischen Sidon, nach Intermezzo als Teil Syriens (1864–1888), war der Sandschak Akkon mit Tarschiha dann Teil des osmanischen Libanons.

Der osmanische Versuch im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte, den Suezkanal zu blockieren, um so die Verbindungen zwischen den Teilen des Britischen Imperiums auf weite Umwege zu zwingen und im Falle eines Sieges das bis 1882 osmanische Chedivat Ägypten dem britischen Einfluss wieder zu entreißen, endete schließlich mit der Niederlage und Auflösung des Osmanischen Reiches. Den osmanisch eröffneten Sinaifeldzug trieben siegreiche Gegenvorstöße der Egyptian Expeditionary Force der Triple Entente vom ägyptischen Sinai immer weiter nordostwärts über die osmanische Grenze ins Mutesarriflik Jerusalem, das westliche Pilger, Theologen, Historiker und Geographen als Teil Palästinas ansahen, weshalb Militärberichte von Palästinafront sprechen.

Bis September 1918 waren die Kampfhandlungen fern Tarschihas, das zum Safad Kaza (arabisch قضاء صفد, DMG Qaḍāʾ Ṣafad ‚Qadi-Bezirk Zfat‘) gehörte, einem Verwaltungsgebiet in der osmanisch-libanesischen Provinz Vilâyet Beirut, doch waren die Folgen des Krieges zu spüren. Männer wurden für den Kriegsdienst in der Osmanischen Armee gezogen, Lebensmittel und Zugtiere requiriert, teils entschädigt durch die per Notenpresse inflationierte osmanische Währung. Bis 1916 waren osmanische Banknoten auf ¼, später auf ⅙, ihrer Vorkriegsparität zur Mark (ℳ) gefallen, die ja ihrerseits gleichzeitig ebenfalls durch die Notenpresse dramatisch an Kaufkraft verloren hatte. Im Handel nahmen die Leute schon im März 1916 nur noch Kurantmünzen zum Nennwert an, andere osmanische Zahlungsmittel nur noch mit Abschlägen, schließlich verweigerten Verkäufer gänzlich osmanische Banknoten anzunehmen, so dass sie den Tarschihanern nichts mehr einbrachten. Die Menschen hatten mit Mangel und Hunger zu kämpfen, wenn auch nicht politisch extra verschärft wie die Hungersnot im nahen Libanongebirge, wo die Osmanen christliche Minderheiten durch Hunger vernichteten. Schließlich erreichte die sich ausbreitende Cholera auch Tarschiha.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Maʿalot-Tarschiha | World in Stories