An diesem Tag

Mähren

Eines der drei historischen Länder Tschechiens

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Mähren (selten auch Morawien; von tschechisch, slowakisch Morava [] bzw. lat. Moravia) ist neben Böhmen und Schlesien eines der drei historischen Länder Tschechiens, gelegen in dessen Osten und Südosten. Im 9. Jahrhundert bestand auf dem Gebiet Mährens (sowie den angrenzenden westlichen Teilen der Slowakei) das Kerngebiet des Mährerreichs. Anfang des 11. Jahrhunderts wurde Mähren ein Land der böhmischen Krone. Als Markgrafschaft Mähren wurde das Gebiet jahrhundertelang als Teil der Habsburgermonarchie verwaltet.

In der heutigen Tschechischen Republik ist Mähren eine historische Landschaft und stellt seit dem Jahr 1949 keine eigene Verwaltungseinheit mehr dar.

Der einheimische Name Mährens, Morava, stammt von dem des Hauptflusses des Gebiets, dem Donau-Nebenfluss March (tsch./slowk. Morava). An seiner Westflanke wird Mähren von Böhmen, dem größten historischen Land Tschechiens, begrenzt und an seiner Nordflanke von Schlesien, dem kleinsten historischen böhmischen Land. Im Osten grenzt Mähren an die Slowakei und im Süden an Österreich.

Mähren bildet das östliche Drittel Tschechiens. Nicht zum eigentlichen Mähren zählen die Quellgebiete der Oder von Krnov und Opava gegen Ostrava, die historisch zum tschechischen Teil Schlesiens gehören.

Das Statistische Jahrbuch der Österreichischen Monarchie für das Jahr 1864 gibt für das Land Mähren eine Fläche von 403,77 Geographischen Quadratmeilen an, was 22.233 km² entspricht.

Mähren grenzt im Norden an Polen und an den in Tschchien verbleibenen Teil Schlesiens, im Osten an die Slowakei, im Süden an Niederösterreich und im Westen an Böhmen. Die Nordgrenze bildet der Kamm der Ostsudeten mit Altvatergebirge und Glatzer Schneegebirge. Das historische Dreiländereck mit Böhmen und Österreich befindet sich an der Spitze der Böhmischen Saß am Hohen Stein bei Staré Město pod Landštejnem (Dreiländerstein). An der Grenze zu Österreich fließt die stark mäandrierende Thaya; im Umkreis von Hardegg befindet sich der bilaterale Národní park Podyjí / Nationalpark Thayatal.

Den Kern des Landes (Höhenlage 180–250 m) bildet das Sedimentbecken der March und teilweise der Thaya. Im Westen (Böhmisch-Mährische Höhe) steigt das Land bis über 800 m, der höchste Berg ist jedoch der im Nordwesten liegende Altvater (1490 m) im Altvatergebirge an der historischen Grenze zu Schlesien. Südlich davon liegt das Hochland Niederes Gesenke (600–400 m), das bis zum Oberlauf der Oder (Mährische Pforte bei Hranice na Moravě) auf 310 m absinkt und weiter zu den Beskiden auf 1322 m (Kahlberg) ansteigt. Diese drei Gebirgsketten, mit der Pforte zwischen den letzten beiden, sind ein Teil der europäischen Wasserscheide. Die Ostgrenze bilden die Weißen Karpaten mit maximal 970 m n.m. (Velká Javořina).

Ein Teil der Mährer betrachtet sich als eigenständige Volksgruppe mit tschechischer Staatsangehörigkeit. Nach der letzten Erhebung im Jahre 2011 bekennen sich 630.897 Personen zum mährischen Volk (davon 108.423 Personen in einer sprachlichen Kombination, mehrheitlich als „mährisch-tschechisch“). Hinzu kommen Roma, Slowaken und die alteingesessenen Polen. Fast alle Angehörigen dieser ethnischen Minderheiten besitzen die tschechische Staatsbürgerschaft.

Bis 1945 bestand die Bevölkerung Mährens zu etwas mehr als einem Viertel aus Deutschmährern. Nach den Ergebnissen der österreichisch-ungarischen Volkszählung 1910 betrug der tschechische Bevölkerungsanteil an der damaligen Gesamtbevölkerung Mährens (2.622.000 Einwohner) 71,8 % und der deutsche Bevölkerungsanteil 27,6 %. Die Deutschmährer wurden 1945/46 infolge der sogenannten Beneš-Dekrete mehrheitlich enteignet und vertrieben.

In der Umgangssprache Mährens unterscheidet man verschiedene Dialekte, die sich charakteristisch von den böhmischen Dialekten bzw. von der tschechischen Schriftsprache unterscheiden.

Mährisches Horakenland (Horácko)

Mährische Slowakei (Moravské Slovácko)

Einen wesentlichen Aspekt, der die Wechsel in den Lebensverhältnissen Mitteleuropas weitgehend dominierte, stellten die großen Expansionsphasen der Gletscher dar, die als Eis- oder Kaltzeiten bezeichnet werden. In den langen Kältephasen lag Mähren am Rande eines von Menschen noch mit Mühe zu bewohnenden Korridors zwischen Asien und Westeuropa, eines nach heutigen Maßstäben tundrenhaften Gebietes, in dem die Jagd auf Großwild dominierte. Zugleich stellte Mähren eine Verbindung zwischen dem heutigen Polen, insbesondere Schlesien, und Niederösterreich in den weniger kalten Phasen dar. Archäologische Forschungen setzten dabei 1867 ein.

Der älteste altpaläolithische Fundort in Mähren ist Stránská skála bei Brünn, der der Cromer-Warmzeit zugeordnet wird, die auf 850.000 bis 475.000 Jahre datiert wird. Die Steinwerkzeuge sind jedoch in ihrem Status als Artefakte teils umstritten, so dass die Anwesenheit von Menschen in dieser Zeit lediglich vermutet werden kann.

Als gesichert gilt hingegen die Besiedlung im Mittelpaläolithikum, nämlich in der Saale-Kaltzeit, genauer im Intra-Saale-Interglazial (vor etwa 200 000 Jahren). Die Lagerplätze befanden sich zunächst überwiegend im Freien, erst zu Beginn der Würm-Kaltzeit, also vor etwa 115.000 Jahren, zogen sich die Menschen in Höhlen zurück. Über lange Zeiträume bewohnt waren die Kúlna-Höhle und die Höhle von Moravský Krumlov. Die dort entdeckten Werkzeuge gehören den Industrien des Taubachien, des Moustérien und des Micoquien an. Aus dem Mittelpaläolithikum gibt es erste Hinweise auf Rohstoffe, die aus größerer Entfernung kamen und die auf nicht-utilitäre Handlungen hinweisen (Farbreste, symmetrische Gravuren oder ein Faustkeilblatt aus Bergkristall). Am Übergang vom Mittel- zum Jungpaläolithikum stehen zwei Industrien, die sich besonders in Mähren fanden: das Szeletien, das in Vedrovice auf 40.000–35.000 BP datiert wurde, und das Bohunicien aus Stránská skála (43.000–35.000 v. Chr.).

Schicht 3 und 4 in der Šipka-Höhle werden gleichfalls dem Mittelpaläolithikum zugeordnet. Der in dieser Höhle 1880 entdeckte Šipka-Unterkiefer, Überrest eines etwa zehnjährigen Kindes, wird dem späten Neandertaler zugeordnet. Er wurde auf älter als 40.000 BP datiert. In der Kúlna-Höhle wurden ebenfalls Spuren des Neandertalers entdeckt. Auch der 1905 entdeckte Unterkiefer von Ochoz wurde in diese Epoche eingeordnet, wenn auch Šipka und Ochoz Anzeichen aufweisen, die möglicherweise auf den anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) hinweisen.

Die erste archäologische Kultur der aus Afrika zugewanderten Jäger und Sammler, die als Homo sapiens bezeichnet werden, lässt gleichfalls eine weiträumige Einbindung in Tauschbeziehungen erkennen. Zugleich bildeten sich regionale Eigenheiten, die den Geräten der Zeit die Bezeichnung Morava River type (Klima, 1978) bzw. Miškovice type (Oliva, 1990) eintrug. Die Konzentration von Fundstätten in Mähren ist dabei ungewöhnlich hoch, allerdings erfolgte sie vergleichsweise spät und wahrscheinlich anfangs in Interaktion mit der Neandertalerkultur des Szeletien. Realitätsnahe Darstellungen von Tieren entstanden erstmals im Aurignacien.

Aus dem Gravettien, das in Mähren Padovien genannt wird, sind zahlreiche Kunstwerke erhalten, die zugleich Werke der symbolischen Sphäre darstellen. So wurden dem Kind von Dolní Věstonice zwei gekreuzte Fuchszähne auf den Kopf gelegt. Zudem fand man Garnituren verzierter Zylinder und Plättchen in Dolní Věstonice I, doppelte Perlen in Předmostí und Pavlov, ebenso wie fein geschnitzte Ringe, vielleicht Fingerringe, in Pavlov I. Darüber hinaus wurde einigen Artefakten der Rang von Kunstwerken zugesprochen, wie etwa den zoomorphen Scheiben mit Öffnungen, mondförmigen Anhängern, Fibeln und so genannten „Stirnbändern“ aus Pavlov, oder verzierten Anhängern aus Předmostí. Insgesamt fanden sich derartige Kunstwerke nur in Předmostí, Dolní Věstonice I, Pavlov I und Petřkovice I. Dabei ließen sich weiträumige Tauschbeziehungen nachweisen. In Dolní Věstonice ließen sich Cherts nachweisen, die aus einer Abbaustätte in Südpolen stammten, die 180 km entfernt liegt, auch fand man in Mähren Obsidian aus einer 500 km entfernten, ungarischen Stätte.

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