An diesem Tag

Lydia Möcklinghoff

Deutsche Zoologin (1981-2026)

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Lydia Theresia Möcklinghoff (* 3. Februar 1981 in Wilhelmshaven; † 3. Juli 2026 bei Campo Grande, Brasilien) war eine deutsche Zoologin, Tropenökologin, Autorin und Ameisenbärenforscherin. Sie war die erste Wissenschaftlerin, die das Leben der laut IUCN gefährdeten Großen Ameisenbären länger als ein Jahr beobachtete und über ihr Sozialverhalten, Anforderungen an ihren Lebensraum, ihre Gefährdung und überlebensnotwendigen Bedingungen forschte.

Lydia Möcklinghoff wuchs zusammen mit ihrer Schwester in Köln und Walldorf bei Heidelberg auf. Ab 2003 studierte sie an der Universität Gießen Biologie und wechselte nach dem Grundstudium 2005 an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, um Tropenökologie und Verhaltensbiologie zu studieren. Bis 2008 absolvierte sie dort das Diplomstudium Biologie mit dem Schwerpunkt Tierökologie und Tropenbiologie. Sie studierte unter anderem bei Karl Eduard Linsenmair, Frauke Fischer und Jürgen Tautz und verbrachte von 2005 bis 2008 mehrere Forschungsaufenthalte mit Direktbeobachtungen zu Ökologie und Verhalten Großer Ameisenbären in Boa Vista im nordbrasilianischen Bundesstaat Roraima. Ihre Dissertation schrieb sie über ihre Studien zur Akzeptanz von Großen Ameisenbären (Myrmecophaga tridactyla) gegenüber dem künstlichen Plantagen-Habitat in Nordbrasilien.

Gefördert mit einem Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes bis Juni 2013, forschte sie ab 2008/2009 als Doktorandin am Zoologischen Forschungsmuseum Koenig (ZFMK) in der Arbeitsgruppe Tropenökologie mit dem Thema Conservation relevant research on mammals in the Pantanal wetland in Brazil – implications for a wildlife compatible land use praxis. Sie kooperierte in Brasilien mit der Staatlichen Universität Mato Grosso. 2009 nahm sie unter Projektleiter Karl-Ludwig Schuchmann an einer Exkursion im brasilianischen Pantanal teil, die mit Kamerafallen und Direktbeobachtungen die terrestrische Säugetierfauna erkundete.

Möcklinghoff verantwortete das erste mehrjährige Forschungsprojekt zu Ökologie und Verhalten des Großen Ameisenbären des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ). Die deutsch-brasilianische Kooperation mit Veterinärmedizinern und Biologen wird durch den Zoo Dortmund und den Kölner Zoo unterstützt. Sie lebte in Köln und verbrachte ab 2009 mehrere Monate pro Jahr mit Feldstudien, Säugetier-Kamerafallenstudien und Verhaltensforschung am Großen Ameisenbären im Bundesstaat Mato Grosso do Sul auf einer Fazenda im südlichen Pantanal. Die 110 km² große „Fazenda Barranco Alto“ wird vom Diplom-Biologen Lucas Leuzinger und seiner Frau Marina Schweizer, einer Agrar-Ingenieurin, betrieben, die ein Wohnhaus für bis zu acht Wissenschaftler verschiedener Forschungszweige zur Verfügung stellen.

Möcklinghoff arbeitete als Wissenschaftsjournalistin für Hörfunk- und Naturfilmredaktionen, wie etwa beim Podcast der Zeitschrift Geo (GEO. Der Podcast.), bei Audible und ab 2019 als freie Autorin beim WDR. Mit den Produktionsgesellschaften Doclights und Coraxfilm wurden zwei Naturfilmproduktionen über das Pantanal umgesetzt. In ihren Büchern, Lesungen, Vorträgen, Science-Slams, Radio- und Fernsehbeiträgen informierte sie über Artenschutz, ihre Forschungen und das Leben des Großen Ameisenbären. Ab 2023 betrieb sie zusammen mit Frauke Fischer den Podcast tierisch!, für den sie 2024 den Wettbewerb Fast Forward Science in der Kategorie Bestes Debüt Audio gewann.

Lydia Möcklinghoff starb am Morgen des 3. Juli 2026 gemeinsam mit ihrem Piloten, als das zweimotorige Flugzeug der Amapil Táxi Aéreo, eine von Neiva in Lizenz der Piper PA-34 Seneca hergestellte Embraer EMB-810D, nahe Campo Grande, der Hauptstadt von Mato Grosso do Sul, bei dichtem Nebel ins Gelände geflogen wurde. Dieser CFIT (Controlled flight into terrain) kam zustande, als sie außerdem nicht genügend Höhe gewonnen hatte. Die Unfallstelle liegt in der Nähe des Flugplatzes Santa Maria (SSKG), der sich wenige Kilometer südöstlich der Stadt befindet.

Über das Verhalten der Großen Ameisenbären in freier Wildbahn ist bislang vieles unbekannt, da keine Langzeitbeobachtungen existieren und die wenigen größeren Studien über ihr Verhalten teils veraltet sind. Möcklinghoff versuchte, offene Fragen zu klären, wie etwa zur Partnerwahl und zum Paarungsverhalten der Tiere, das nur im Zoo, aber noch nie in freier Wildbahn beobachtet werden konnte, sowie zum Markierverhalten der Tiere.

Sie untersuchte das Verhalten der Tiere in einem künstlichen Plantagen-Habitat in Nordbrasilien. Dort wurden große Teile der nativen Savanne mit Wertholzplantagen aufgeforstet. Sie wies in ihrer Dissertation nach, dass die mit der Akazienart Acacia mangium nachhaltig bewirtschafteten Wertholzplantagen von den Großen Ameisenbären nicht nur als Alternativ-Habitat angenommen, sondern vor dem natürlichen Umfeld der nordbrasilianischen Savanne bevorzugt wurden. Die dort in außergewöhnlicher Dichte auftretenden Tiere hatten entgegen den Werten aus der Literatur sehr kleine, überlappende Streifgebiete, in denen sie Begegnungen mithilfe einer zeitlich organisierten Raumnutzung vermeiden, die eventuell durch Duftmarken an Bäumen koordiniert wird. Zusammen mit einem Kollegen beobachtete sie erstmals, dass Ameisenbären die Rinde an Bäumen aufkratzen, diese erklettern und sich in etwa einem Meter Höhe am Stamm reiben, vermutlich um Duftmarken anzubringen, die der sozialen Kommunikation der Tiere untereinander dienen könnten. Dieses Markierverhalten war bislang von Ameisenbären nicht bekannt.

Ihre Forschung im Pantanal diente dem Schutz der Großen Ameisenbären, die in einigen Gegenden bereits ausgestorben sind. Ziel war die Entwicklung von Schutzkonzepten für die Art und ihren Lebensraum. Dazu wurden durch eine Kamerafallenstudie Daten zu Aktivitäts- und Bewegungsmustern gesammelt und ein Fotoregister der Tiere angelegt. Dabei zeigte sich, dass Ameisenbären in freier Wildbahn jährlich Nachwuchs haben. Die Beobachtungen aus dem Norden Brasiliens hinsichtlich stabiler, sich gegenseitig überlappender Streifgebiete konnten auch im Pantanal bestätigt werden, ebenso der Austausch von Informationen durch Duftmarken. Durch die Entwicklung von an den Körperbau der Ameisenbären angepassten Sendehalsbändern können die Bewegungsmuster der Ameisenbären über ein Jahr verfolgt werden.

In ihrem 2015 erschienenen Buch Ich glaub, mein Puma pfeift! Als Forscherin im reichsten Tierparadies der Welt beschreibt sie ihre Forschungstätigkeit in Brasilien. 2016 veröffentlichte sie mit dem Buch Die Supernasen. Wie Artenschützer Ameisenbär & Co. vor dem Aussterben bewahren einen Überblick über die heutigen Arbeitsfelder von Zoologen und Ökologen und „ein authentisches Bild heutiger Feldforschung […] gespickt mit Informationen zur Kultur des jeweiligen Landes und kleinen Exkursen in die Ökologie und Evolution“. Dabei flossen Erfahrungen aus ihren Forschungsaufenthalten ein, wie 2014 die Initiierung einer Kamerafallenstudie im Bergregenwald beim Volk der Naso am Rio Teribe in Panama.

Social Organization and Habitat Use of the Giant Anteater (Myrmecophaga tridactyla) in Timber Plantations in Northern Brazil. Diplomarbeit, 2008.

The Giant Anteater (Myrmecophaga tridactyla) – Influence of natural and anthropogenic changes in habitat on the ecology of giant anteaters in the southern Pantanal, Mato Grosso do Sul, Brazil. Dissertation, 2011.

mit Karl-Ludwig Schuchmann, Kathrin Burs, Ricarda Wistuba, Marinêz I. Marques, Olaf Jahn, Todor Ganchev, Josiel M. de Figueiredo, Filipe Ferreira de Deus: Descobrindo a vida secreta dos mamíferos do Pantanal. In: Sociedade Brasileira de Zoologia, Nr. 108, April 2014, S. 7–8 (online PDF)

Ich glaub mein Puma pfeift! Als Forscherin im reichsten Tierparadies der Welt. Bastei Lübbe, Köln 2015, ISBN 978-3-404-60861-4 (online, eingeschränkte Vorschau)

Die Supernasen. Wie Artenschützer Ameisenbär & Co. vor dem Aussterben bewahren. Carl Hanser, München 2016, ISBN 978-3-446-44874-2 (mit Illustrationen von Lydia Möcklinghoff).

Erbsenhirnparalleluniversumsforschung am Beispiel des Großen Ameisenbären. In: André Lampe (Hrsg.): Ein Science-Slam-Buch. Lektora, Paderborn 2017, ISBN 978-3-95461-095-2, S. 90–101.

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