Luzern (luzerndeutsch Lozärn [loˈtsæːrn], französisch , italienisch Lucerna, rätoromanisch ) ist eine Schweizer Stadt, Einwohnergemeinde sowie Hauptort des gleichnamigen Kantons. Die Stadt hat 86'234 Einwohner (Dezember 2024), mit Agglomeration (inklusive Küssnacht) rund 265'000 (Stand 2026).
Luzern ist das gesellschaftliche und kulturelle Zentrum der Zentralschweiz. Im Bildungsbereich ist es unter anderem Sitz der Universität Luzern, der Pädagogischen Hochschule Luzern und der Hochschule Luzern. Anlässe mit überregionaler Ausstrahlung sind beispielsweise die Luzerner Fasnacht und das Lucerne Festival. Luzern ist ein bedeutendes Tourismusziel in der Schweiz, einerseits wegen seiner Lage am Vierwaldstättersee und der Nähe zu den Alpen und anderseits dank Sehenswürdigkeiten wie der Kapellbrücke und dem Verkehrshaus der Schweiz.
Die Stadt Luzern liegt am nordwestlichen Ufer des Vierwaldstättersees beim Ausfluss der Reuss. Die Reuss teilt die Stadt in die Altstadt und Neustadt. Die Seebrücke, die Kapellbrücke mit dem Wasserturm, der Rathaussteg, die Reussbrücke und die Spreuerbrücke verbinden die Alt- und Neustadt. Zu Luzern gehört auch die Exklave Bürgenstock. Die Lage zwischen See und den Bergen Pilatus und Rigi ist besonders malerisch und begünstigte die Entwicklung Luzerns als Fremdenstadt und frühe Hochburg des Tourismus ab 1840.
Der höchste Punkt der Gemeinde ist der Gipfel des Bürgenstocks in der Exklave Bürgenstock mit einer Höhe von 1127,8 m ü. M. Der höchste auf dem Kerngebiet der Stadt Luzern liegende Punkt ist mit 800 m ü. M. der Gipfel des Sonnenbergs. Der tiefste Punkt ist am Rotsee auf 419 m ü. M. Das Zentrum Luzerns liegt zwischen den Hügeln und Naherholungsgebieten Dietschiberg (nordöstlich) und Gütsch (westlich). 2010 fusionierte das westlich gelegene Dorf Littau mit Luzern und gehört seither ebenfalls zur Stadt.
Die Fläche des Stadtgebiets beträgt 29,1 km², davon sind 48,8 % Siedlungsfläche, 27,0 % Landwirtschaftszonen und 22,0 % Wald. 2,2 % sind unproduktive Fläche.
Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 10,1 °C, wobei im Januar mit 1,1 °C die kältesten und im Juli mit 19,5 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 78 Frosttage und 15 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 50, während normalerweise 9 Hitzetage zu verzeichnen sind. Die Messstation von MeteoSchweiz liegt auf einer Höhe von 454 m ü. M.
Der Höchstwert der Sonnenscheindauer des Monats Januar wurde 2020 mit 98,5 Std. erreicht. Damit wurde der bisherige Rekord von 1999 (86,7 Std.) gebrochen.
Mit 38 % hat Luzern, über das gesamte Jahr betrachtet, von 48 Schweizer Ortschaften die niedrigste relative Sonnenscheindauer.
Die Stadt Luzern ist seit 2023 in 2 Stadtteile (Luzern und Littau), 6 Stadtkreise (A–F), 27 Quartiere und 191 Kleinquartiere eingeteilt. Die Quartiere 01 bis 10 liegen am rechten Ufer, die Quartiere 11 bis 19 am linken Ufer der Luzerner Bucht (nordwestlicher Arm des Kreuztrichters), vom See aus gesehen. Der Stadtkreis Littau umfasst gleichzeitig den gleichnamigen Stadtteil, während die übrigen fünf Stadtkreise im Stadtteil Luzern liegen.
1) Das Schweizer Bundesamt für Statistik weist dem Stadtkreis Littau die Nummer 21 zu. Littau war bis 31. Dezember 2009 selbständige Gemeinde mit der Gemeindenummer 1060.
2) Die Exklave Bürgenstock gilt nicht als Stadtkreis, sondern als Pseudo-Quartier Bürgenberg Wald mit der Nummer 99.
Die frühesten bekannten Nennungen des Ortes sind ad monasterium Lucernense beziehungsweise ad Lucernense monasterium (9. Jahrhundert; Abschrift um 1200), monasterium Luciaria (840) und in quodam loco, qui Lucerna ex antiquitate est dictus (853; Abschrift des 11. Jahrhunderts). Die Bedeutung ist unklar.
Vorgeschlagene Herleitungen von lateinisch lucerna «Leuchte» (vergleiche bis heute «Leuchtenstadt Luzern»), vom keltischen Gott Lugus und vom männlichen Personennamen Luz oder Luzius sind nicht haltbar. Die Herleitung von Lucerna als Leuchte steht auch auf Bild 3 der Kapellbrücke: «Alss mann bracht ein Statt zusammen, Gab ihr dieses Licht den Namen».
Eine mögliche Grundlage bleibt jedoch lateinisch lūcǐus «Hecht», verbunden mit dem eine Verbreitung ausdrückenden Suffix -ārǐa. Die Bedeutung des Namens Luzern wäre damit «Ort, wo sich Hechte in grossen Mengen aufhalten».
Späte Bronzezeit (um 1000 v. Chr.)
Lange wurde vermutet, dass Luzern älter ist als bisher bekannt. Erst im Jahr 2020 wurden im Luzerner Seebecken definitive Spuren von Pfahlbauten entdeckt. Beim Bau einer Seewasserleitung grub ein Schwimmbagger einen Graben. Unterstützt von der Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich kamen darin Holzpfähle und Keramikscherben zum Vorschein. Die C14-Datierung des Holzes und die Analyse der Scherben ergaben dabei eine Siedlungszeit in der späten Bronzezeit (ca. 1000 vor Christus).
Frühzeit und Stadtgründung (um 750–1386)
Nach dem Zerfall des Römischen Reiches nahmen germanische Alemannen ab dem 7. Jahrhundert immer grösseren Besitz von dieser Gegend. Die alemannische Sprache ersetzte allmählich die lateinische. Um 710 entstand durch eine karolingische Gründung das Benediktinerkloster St. Leodegar (dort heute St. Leodegar im Hof), das Mitte des 9. Jahrhunderts unter die Herrschaft der elsässischen Abtei Murbach gelangte. Zu dieser Zeit bzw. um 750 nannte man das Gebiet Luciaria. Die Vogtei über das Kloster Murbach und damit auch über Luzern hatte seit 1135 das Adelsgeschlecht der Habsburger inne. Die Gründung der Stadt erfolgte wahrscheinlich durch die Brüder von Eschenbach, die Ende des 12. Jahrhunderts die Abtwürde von Murbach und Luzern gleichzeitig besassen. Das genaue Jahr der Stadtgründung ist unbekannt, es muss aber zwischen 1180 und 1200 liegen. Die Stadt gewann immer mehr an Bedeutung als Schlüsselstelle im wachsenden Gotthardverkehr und als Verwaltungszentrum. 1250 erreichte Luzern bereits die Grösse, die es bis ins 19. Jahrhundert beibehielt. Luzern war im 13. Jahrhundert durch Parteikämpfe zwischen Anhängern des Kaisers und des Papstes geprägt und schien bereits eine städtische Selbstverwaltung mit Rat und Bürgerversammlung besessen zu haben. 1291 erwarb der deutsche König Rudolf I. von Habsburg die Herrschaftsrechte des Klosters Murbach über Luzern, nachdem er schon die umliegenden Gebiete systematisch aufgekauft hatte.