Wittenberg, seit 1938 amtlich Lutherstadt Wittenberg, ist eine Stadt im östlichen Teil des Landes Sachsen-Anhalt und Sitz des Landkreises Wittenberg. Sie liegt an der Elbe zwischen Dessau-Roßlau im Westen, dem Fläming im Norden, der Dübener Heide im Süden und dem Elbe-Elster-Land im Osten, rund 90 Kilometer südwestlich von Berlin und etwa 60 Kilometer nordnordöstlich von Leipzig. Wittenberg ist Teil der Metropolregion Mitteldeutschland und grenzt an die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg.
Die Stadt stieg infolge ihrer zentralen Lage in Mitteleuropa an der Nord-Süd-Handelsroute Via Imperii zu einem bedeutenden Standort unter anderem für Industrie, Handwerk, Handel und Tourismus auf. Herausragende Bedeutung erlangte Wittenberg als eines der wichtigsten deutschen Zentren politischer, kulturgeschichtlicher und künstlerischer Bestrebungen im 16. Jahrhundert: Die Stadtkirche St. Marien, die Schlosskirche, das Lutherhaus und das Melanchthonhaus gehören seit 1996 zum UNESCO-Welterbe.
Wittenberg liegt im norddeutschen Tiefland im Osten Sachsen-Anhalts. Das Stadtzentrum und der größte Teil des Stadtgebietes befinden sich am Nordufer der Elbe. Ihr heutiges Oberflächenbild ist das Ergebnis der älteren Glazialzeit sowie der Saalevereisung, und daher trägt das Wittenberger Stadtgebiet die Merkmale einer Altmoränenlandschaft. Wittenberg gehört zum Bereich des Breslau-Magdeburger Urstromtals, das hier im Norden vom Fläming und im Süden von den Sandflächen der Dübener Heide begrenzt wird. Die durchschnittliche Höhe liegt bei 75 m ü. NHN.
Die Stadt wird landschaftlich zum Südfläming und mit den südlich der Elbe gelegenen Eingemeindungen (Pratau, Seegrehna) zur Elbaue gezählt. Nördlich der Stadt befinden sich ausgedehnte Kiefernwälder, während die Elbauen südlich der Stadt flach und unbewaldet sind. Westlich der Stadt erstreckt sich elbabwärts bis nach Schönebeck das Biosphärenreservat Mittelelbe. 16 Stromkilometer östlich vom Pegel Wittenberg mündet die Schwarze Elster sowie 46 Stromkilometer westlich die Mulde in die Elbe.
Wittenberg grenzt an folgende Städte und Gemeinden:
Maßgeblichen Einfluss auf das Klima der Stadt haben der Regenschatten des Harzes als Einflussgebiet und die sandige Umgebung der Stadt im Fläming sowie der Dübener Heide. Ebenfalls bildet die Elbe als klimatischer Faktor eine Wetterschneise.
Die Speicherung von Wärme in den sandigen Sedimentschichten kann zu klimatischen Phänomenen führen. Diese zeigten sich unter anderen an den Auswirkungen des Orkan Kyrill, als 2007 binnen weniger Minuten ein Tornado ein Wohngebiet in Wittenberg-West so stark beschädigte, dass viele Wohnungen unbewohnbar wurden. Ursprung des Orkans war ein plötzlich auftretender, von Gewitter begleiteter heftiger Niederschlag, der auf Warmluft im sandigen Sediment der Stadt im Bereich des Ortsteils Piesteritz stieß. Auch Windhosen sind in der Wittenberger Umgebung häufig zu beobachten. Bereits 2002 hatte ein Tornado (auf fast identischer Linie) im Ortsteil Teuchel ein Einkaufszentrum beschädigt und ein Gewerbegebiet verwüstet. Dabei hielten sich die Personenschäden bisher noch stets in engen Grenzen.
Die Stadt in ist 12 Ortschaften mit Ortsteilen gegliedert.
Zu den 28 Ortsteilen gehören kleine Ansiedlungen:
Ausgrabungsfunde aus verschiedenen prähistorischen Epochen auf dem Territorium Wittenbergs lassen bereits eine frühzeitliche Besiedlung des Stadtgebietes vor zirka 10.000 Jahren erkennen. In einer Urkunde vom 12. April 965 (vermutlich eine Fälschung aus dem Jahre 1000) ist überliefert, dass die Gegend, in der sich das heutige Wittenberg befindet, als der slawische Gau Nizizi bezeichnet wurde. Dieser erstreckte sich entlang der Elbe von der Mündung der Schwarzen Elster (im Osten) bis zur Mündung der Mulde (im Westen).
Die ersten verlässlichen Erwähnungen, die direkt auf das heutige Territorium der Stadt zutreffen, stammen aus den Jahren 973/1004. Dort werden die heutigen Ortsteile Pratau (Broth, 973) und Seegrehna (Grodisti, 1004) erwähnt. Die erste Erwähnung des Namens Wittenberg findet sich möglicherweise bereits im Jahre 1174, als ein Graf Thiedrich von Wittburc genannt wird, der offensichtlich der Burgmann des in einer Urkunde des Bischofs Balderam von Brandenburg für das Kloster Leitzkau um 1187 erwähnten burchwardum […] Wittenburg war, in dem ebenfalls eine Kirche erwähnt wird, die als Vorläuferin der heutigen Stadtkirche anzusehen ist.
Die Entwicklung der Stadt ist eng verbunden mit der Politik der Askanier. Nachdem Bernhard von Sachsen 1180 die Herzogswürde von Sachsen erhalten hatte, erbte sein Sohn Albrecht I. das Gebiet um Wittenberg und die Herzogswürde Sachsens. Nach einer Urkunde vom 11. September 1227 errichtete seine Gemahlin Helena von Sachsen ein Franziskanerkloster, was auf eine bevorzugte Stellung der Gemarkung bei den Askaniern hinweist; das Kloster gehörte zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia). Ihr Sohn Albrecht II., der gemeinsam mit seinem Bruder Johann I. von Sachsen-Lauenburg regierte, hatte durch dessen Abdankung von seinem Schwiegervater Rudolf von Habsburg die Kurwürde erhalten. Johann I. trat nach rund 20 Jahren unglücklicher Regierung 1282 das Regierungsamt an seine Söhne ab und setzte während der Zeit ihrer Minderjährigkeit Albrecht II. als Vormund ein; er selber trat in das Franziskanerkloster Wittenberg ein und wurde dessen Vorsteher (Guardian). Dort starb er am 30. Juli 1285.
Da Albrecht II. sich ständig in Wittenberg aufhielt, wurde der Ort zu seiner Residenz von Sachsen-Wittenberg, und es entbrannte eine Auseinandersetzung mit der sachsen-lauenburgischen Linie. Wittenberg selbst hatte sich von einer Gemarkung mit Bauern, Handwerkern und Kaufmannsleuten, begünstigt durch die verkehrsgünstige Lage, zu einem Ort mit einem bestehenden Gemeinwesen entwickelt. Um sich die Treue seiner Untertanen zu sichern, verlieh Albrecht II. am 27. Juni 1293 Wittenberg das Stadtrecht. Damit entstanden die Voraussetzungen, dass sich in Wittenberg ein Bürgertum entwickeln konnte.
Durch den weiteren Erwerb von Gerechtsamen stieg der Einfluss der Bürger Wittenbergs, so dass eine Selbstverwaltung entstand, die 1317 erstmals als Rat nachgewiesen ist. 1332 erlangte die Stadt die niedere Gerichtsbarkeit und konnte so den sich entwickelnden Gewerken der Bäcker, Fleischer, Schuh- und Tuchmacher einen regulierten entwickelten Rahmen geben. Dazu zählen auch das 1354 verliehene Marktrecht, die 1380 erhaltene Fährordnung, aber auch die mit dem Stadtrecht verliehene Erlaubnis zur Errichtung von Stadtmauern. So konnten die Hussiten 1429 die Stadt zwar belagern, jedoch nicht einnehmen.
Im 15. Jahrhundert wurden die Juden aus Wittenberg vertrieben, nach 1522 ist in der Stadt kein jüdisches Leben mehr nachweisbar.
Obwohl mit dem Erwerb von Gerechtsamen der Einfluss der Askanier in der Stadt sank, spielten diese in der Reichspolitik eine immer größere Rolle. Vor allem Rudolf I. führte Sachsen-Wittenberg mit einer geschickten Territorialpolitik 1356 vom Herzogtum zum bestätigten Kurfürstentum. Damit erlangte Wittenberg den Status einer kursächsischen Hauptstadt. Lange sollte diese Phase jedoch nicht anhalten. Mit dem Tod Albrechts III. im Jahre 1422 verloren die Askanier die sächsische Kurwürde an die Wettiner. Damit schwand ebenfalls der Status einer kurfürstlichen Residenz. Von Friedrich dem Streitbaren wurden Wittenberg zwar alle bis dahin erworbenen Rechte bestätigt und 1444 um die höhere Gerichtsbarkeit erweitert, dennoch entwickelte sich Wittenberg zunächst als Stadt ohne besondere Bedeutung weiter. Sein Nachfolger Friedrich der Sanftmütige genehmigte ab 1451 der Stadt in ihrer Münzstätte Wittenberg die Herstellung eigener Heller.
Durch die 1485 herbeigeführte Leipziger Teilung spalteten sich die Wettiner in eine ernestinische und eine albertinische Linie. Obwohl Ernst von Sachsen als älterer Bruder die Kurwürde erbte, fielen die Universitätsstadt Leipzig und der Hauptregierungssitz Meißen an Albrecht den Beherzten. Somit war Kurfürst Ernst dazu gezwungen, neue Residenzstädte zu wählen. Vor allem Torgau, Weimar und Wittenberg, zu diesem Zeitpunkt die einwohnerreichste der drei genannten Städte, entwickelten sich zu Zentren seiner Herrschaft. Beim Tod des Kurfürsten war der Residenzausbau Wittenbergs allerdings kaum vorangeschritten: Das alte Schloss der Askanier war verfallen, im Vorgängerbau des heutigen Rathauses waren Fleischerläden untergebracht und die vorhandenen Sakralbauten fielen wenig repräsentativ aus.