An diesem Tag

Luise Duttenhofer

Württembergische Scherenschnittkünstlerin

Anúncio

Christiane Luise (Louise) Duttenhofer geb. Hummel (* 5. April 1776 in Waiblingen; † 16. Mai 1829 in Stuttgart) war eine der bedeutendsten deutschen Scherenschnittkünstlerinnen. Ihr Werk weist biedermeierliche, klassizistische und romantische Züge auf. Ihre Scherenschnitte machten sie weit über Württembergs Grenzen hinaus bekannt. Nach ihrem Tod geriet sie schnell in Vergessenheit und wurde erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Ihr Mann Christian Duttenhofer und ihr Sohn Anton Duttenhofer waren Kupferstecher.

Die bedeutendste biographische Quelle ist der Nekrolog von Gustav Schwab, daneben sind die wenigen hinterlassenen Briefe der Duttenhofer eine wichtige Quelle über ihr privates Leben.

Luise Duttenhofer wurde am 5. April 1776 in Waiblingen im damaligen Pfarrhaus in der Kurzen Straße 40 geboren. Sie war die Tochter des evangelischen Diakons Georg Bernhard Hummel (1741–1779) und seiner Frau Louise Hedwig Hummel geb. Spittler (1747–1824).

Beide Eltern stammten aus württembergischen evangelischen Pfarrerfamilien. Die Großeltern mütterlicherseits gehörten dem gehobenen Bürgertum an. Der Großvater Jakob Friedrich Spittler (1714–1780) war Stiftsprediger in Stuttgart, Konsistorialrat, Prälat und Abt von Herrenalb und mit der Pfarrerstochter Johanna Christiana Spittler geb. Bilfinger (1724–1796) verheiratet. Sie hatten fünf Kinder, außer der Tochter noch vier Söhne, darunter der württembergische Staatsminister Ludwig Timotheus Spittler (1752–1810).

Drei Jahre nach Luises Geburt starb ihr Vater, und die Mutter zog mit ihrem einzigen Kind nach Stuttgart zu ihren Eltern. Ein Jahr darauf, im Jahr 1780 starb der Großvater, und Luise wuchs allein bei Mutter und Großmutter auf.

Schon im Kindesalter zeichnete Luise Porträts und Karikaturen und fertigte kleine Ausschnitte mit der Schere an, u. a. auch Schnitte mit gotischen Ornamenten, die sie sich bei ihren Gottesdienstbesuchen einprägte und die sich auch in späteren Jahren in ihren Schnitten wiederfinden. Im Jugendalter erhielt sie auf Anregung ihres Großonkels Heinrich Christoph Bilfinger (1722–1788), Professor der Moral am Gymnasium zu Stuttgart, Zeichenunterricht, der sie jedoch nicht lange befriedigte, weil die Schülerin schon bald den Lehrer übertraf. Der Unterricht sollte ihr auch keine professionellen Qualifikation vermitteln, da sich Frauen auf die „typisch weiblichen“ Fertigkeiten zu beschränken hatten. So durfte sie neben den üblichen „Hausfrauenfächern“ auch die französische Sprache erlernen.

Im 18. und 19. Jahrhundert war es für eine Frau fast unmöglich, den Beruf einer bildenden Künstlerin auszuüben. Gegenbeispiele wie Angelika Kauffmann, Anna Dorothea Therbusch und Ludovike Simanowiz bestätigen die Regel. Die beiden ersteren hatten das Glück, dass sie aus einer Malerfamilie stammten, und die Simanowiz wuchs in einem kulturell aufgeschlossenen Umfeld auf und erhielt privaten Malunterricht bei einem württembergischen Hofmaler. Beide Eltern von Luise Duttenhofer hingegen stammten aus pietistisch geprägten Pfarrerfamilien, die der Achtzehnjährigen ihr Einverständnis für eine akademische künstlerische Ausbildung verweigerten. Luise verlegte ihre künstlerischen Aktivitäten nun hauptsächlich auf das Scherenschneiden, eine Tätigkeit, die man Frauen als Freizeitbeschäftigung zugestand. Zudem las sie eifrig Bücher über Geschichte, Archäologie, Mythologie und die schönen Wissenschaften und schaffte sich so autodidaktisch ein umfangreiches Hintergrundwissen für die Ausübung ihrer Kunst. Zeitlebens jedoch sollte sie nicht vergessen, dass man ihr eine künstlerische Ausbildung verwehrt hatte. Immer wieder beklagte sie sich im persönlichen Gespräch, in Briefen und in satirischen Scherenschnitten über diese ungerechte Behandlung.

Am 27. Juli 1804 heiratete Luise Duttenhofer im Alter von 28 Jahren in Heilbronn ihren Cousin, den zwei Jahre jüngeren Kupferstecher Christian Duttenhofer. Christian wurde in Gronau geboren. Sein Vater Christian Friedrich Duttenhofer war dort Pfarrer und wurde ein Jahr nach Christians Geburt nach Heilbronn versetzt, wo Christian aufwuchs und bis zu seiner Heirat lebte. Obwohl auch aus einer Pfarrerfamilie stammend, wurde Christian Duttenhofer anders als seiner Frau die künstlerische Ausbildung nicht verwehrt, vielleicht weil er ein Mann war, und er durfte an den Kunstakademien in Dresden und Wien studieren. Danach hatte er von 1803 bis 1804 in Paris als Reproduktionsstecher für das Musée Napoléon (den heutigen Louvre) gearbeitet.

Das Paar unternahm nach der Hochzeit eine Studienreise nach Rom, wo sie sich bis September 1805 aufhielten. Später stieß noch Christians jüngerer Bruder, der Architekt Carl (Rudolph Heinrich) Duttenhofer (1784–1805) zu ihnen, der mit ihnen in der Via delle Quattro Fontane 140 die Wohnung teilte. Zu ihrem römischen Bekanntenkreis gehörten die deutschen Maler Eberhard von Wächter, Gottlieb Schick, Joseph Anton Koch, Johann Christian Reinhart und Angelika Kauffmann. In Rom empfing Luise viele Anregungen, die sich später thematisch und formal in ihrem Werk niederschlugen. „Unglückliche Familienereignisse“ und „der französische Krieg des Jahres 1806 veranlaßten die beyden Eheleute, schon nach einem Aufenthalt von wenig mehr als einem Jahr das Land der Künste wieder zu verlassen.“ Die von Gustav Schwab im Nekrolog erwähnten unglücklichen Familienereignisse waren zwei Todesfälle: Das erste, in Rom geborene Kind der Eheleute, Carl Aurel, starb bald nach der Geburt. Und Christians Bruder Carl, der zusammen mit dem Ehepaar nach Rom gereist war, starb im Alter von nur 21 Jahren am 23. August 1805 ebenfalls in Rom.

Nach der Rückkehr aus Rom lebten Luise und Christian Duttenhofer in Stuttgart, wie die Leute sagten „als ein gefährliches Paar; er stach und sie schnitt“. Aus der Ehe gingen zwischen 1805 und 1818 sieben Kinder hervor, fünf Söhne und zwei Töchter. Vier Kinder starben bereits im Säuglingsalter: Carl Aurel (*† 1805), Peter Alexis (1814–1815), Kornelie Georgine (*† 1816) und Emil Georg Albert (1818–1819). Eine Tochter und zwei Söhne erreichten das Erwachsenenalter: Marie (Luise) (1807–1839), Fritz (Friedrich Martin) (1810–1859) und Anton (Raphael) (1812–1843).

Anton Duttenhofer wurde Kupferstecher wie sein Vater, Friedrich Martin wurde Regierungs-Pferdearzt und Professor, und Marie heiratete den Öhringer Rechtsanwalt Christian Friedrich August Tafel (1798–1856).

Gertrud Fiege hat das Verhältnis der beiden Ehepartner treffend charakterisiert: „Er war tüchtig in seinem Fach, doch nicht überragend, kein Künstler mit eigener Erfindungsgabe, sondern er reproduzierte im Kupferstich Werke anderer – vor der Erfindung von Photographie und moderner Drucktechniken eine wichtige und notwendige Aufgabe. Seiner Frau dagegen strömten die Einfälle zu, sie war phantasievoll, originell, schöpferisch. Offenbar war sie wechselnd in ihren Stimmungen. Sie konnte gelegentlich durch bissigen Humor verletzen, zog sich zu anderen Zeiten in sich selbst zurück, von Niedergeschlagenheit und Komplexen bedrückt, dabei liebebedürftig und mitteilsam. Ihren Mann nannte sie in Briefen den »Hausfreund« und schrieb in vielleicht etwas resigniert-spöttischem, letztlich aber doch wohl positivem Ton von ihm.“

Christian scheint ein behäbiger Mann gewesen zu sein, den nichts so leicht aus der Ruhe bringen konnte. In dem Scherenschnitt Schneckenkarawane karikiert Luise ihren Ehemann bezeichnenderweise als Schneckenritter, in einem anderen „beflügelt“ sie ihren Mann, der sie „niederdrückt“, indem sie ihm Hermesflügel an die Fersen heftet.

Luise hingegen war quirlig und umtriebig, und sie war es, die sich um die praktischen Belange des gemeinsamen Lebens kümmerte. Ihre überlegene Kreativität und die überwiegend reproduktive Tätigkeit ihres Mannes führten wohl bisweilen zu Misshelligkeiten. In ihrem Mann hatte Luise ständig ein Beispiel für die Bedrückung der Frauen vor Augen: er als Mann hatte die Laufbahn eines Künstlers einschlagen dürfen, während sie als Frau darauf verzichten musste. Auf der anderen Seite musste Christian sich durch die partielle Überlegenheit seiner Frau in seiner „männlichen Ehre“ gekränkt fühlen. Er reagierte darauf mit „Sarkasm“ („des lezten habe ich nur zu viel in meinem Hauße“) und machte so seiner Frau das Leben sauer.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Luise Duttenhofer | World in Stories