An diesem Tag

Luis Posada Carriles

Exilkubanischer Terrorist (1928-2018)

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Luis Clemente Faustino Posada Carriles (* 15. Februar 1928 in Cienfuegos, Kuba; † 23. Mai 2018 in Miami, USA) war einer der bekanntesten militanten Gegner und Organisator terroristischer Anschläge gegen das unter Führung von Fidel Castro ab 1959 in Kuba eingeführte sozialistische Gesellschaftssystem. Insbesondere die Regierungen Kubas und Venezuelas beschuldigten ihn der maßgeblichen Beteiligung an mehreren terroristischen Anschlägen. In konservativen exilkubanischen Kreisen in Florida wurde er dagegen lange als Held und Freiheitskämpfer angesehen.

Posada Carriles wuchs in einer Familie der gehobenen Mittelschicht der südkubanischen Hafenstadt Cienfuegos auf. Seine Eltern, Luis Nicolás Posada González und Dolores Carriles Vega, besaßen eine Druckerei. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Ausbildung zum Chemiker und arbeitete von 1946 bis 1948 zunächst bei zwei Zuckerfabriken. Anschließend begann er ein Medizinstudium an der Universität Havanna, das er jedoch nicht abschloss. Zwischen 1956 und 1958 arbeitete er als selbstständiger Schädlingsbekämpfer in seiner Heimatstadt, bevor er von März 1958 bis März 1959 bei der Firestone-Reifenfabrik in Havanna als Abteilungsleiter angestellt war.

Nach dem Sieg der kubanischen Revolution 1959 und der Errichtung einer von Fidel Castro diktatorisch geführten Regierung schloss er sich Mitte 1960 in Havanna dem organisierten Widerstand an und betätigte sich nach eigenen Aussagen im Untergrund mit Sabotageaktionen, für die ihn der US-Auslandsnachrichtendienst Central Intelligence Agency (CIA) mit den benötigten Materialien versorgte, die er sich zum Teil in Miami abholte. Nach einer Festnahme im Januar 1961 konnte er der kubanischen Polizei entkommen und erhielt in der diplomatischen Vertretung Argentiniens Botschaftsasyl. Im folgenden Monat wurde ihm freies Geleit zur Ausreise nach Mexiko gewährt, von wo aus er direkt in die USA weiterreiste.

Unmittelbar nach seiner Ankunft in Florida Ende Februar 1961 meldete er sich als Freiwilliger für die exilkubanische Brigade 2506, die für eine Invasion Kubas zusammengestellt wurde. Nach kurzem Training in Guatemala sollte er im April 1961 in der kubanischen Schweinebucht landen, sein Einsatz wurde jedoch aufgrund des Scheiterns der Invasion vorzeitig abgebrochen. Von Oktober 1961 bis März 1963 arbeitete er in der Firmenzentrale seines früheren Arbeitgebers Firestone in Akron (Ohio).

Als einer von 212 von der CIA unter den Mitgliedern der Brigade 2506 ausgesuchten Exilkubanern absolvierte er von März bis August 1963 eine Offiziersausbildung der US Army in Fort Benning (Georgia), wo er anschließend noch bis März 1964 diente. Dabei freundete er sich mit zwei Kubanern an, die gleichzeitig mit ihm ausgebildet wurden und ihn noch drei Jahrzehnte später unterstützten: Erstens Félix Rodríguez, der im Dienst der US-Behörden blieb und im Kampf gegen die von Kuba weltweit unterstützten Terror- und Guerillagruppen zum Einsatz kam – wobei vor allem seine Begegnung mit Ernesto „Che“ Guevara in Bolivien bekannt wurde. Zweitens Jorge Mas Canosa, der nach seinem Ausscheiden aus der US Army zunächst als Geschäftsmann reich wurde und ab den 1980er Jahren als Gründungspräsident der Cuban American National Foundation erheblichen Lobby-Einfluss auf die US-amerikanische Kuba-Politik ausübte.

Posada schloss sich der politisch links stehenden, vom ehemaligen Minister des ersten nachrevolutionären Kabinetts Manuel Ray angeführten Anti-Castro-Gruppe „Junta Revolucionaria Cubana“ (JURE) an, die im Kern aus ehemaligen Kämpfern der Bewegung des 26. Juli bestand und sich für einen demokratischen Sozialismus einsetzte. Zwischen 1965 und 1974 wurde Posada Carriles von der CIA für erbrachte Leistungen bezahlt, darunter bis 1967 als Ausbilder an der für Spionagetätigkeit auf Kuba zuständigen Station in Miami (JMWAVE), die Anfang 1968 aufgelöst wurde.

1969 übernahm er eine Leitungsfunktion im venezolanischen Geheimdienst Dirección de los Servicios de Inteligencia y Prevención (DISIP), der eng mit der CIA kooperierte. Er erhielt die venezolanische Staatsangehörigkeit, die Bedingung für die Arbeit beim Geheimdienst war. 1971 war er bei DISIP zum Leiter der Spionageabwehr aufgestiegen. Kurz nach der Amtsübernahme des 1974 gewählten neuen Präsidenten Carlos Andrés Pérez verlor Posada seinen Posten. Laut (heute deklassifizierten) Quellen der CIA bestanden gleichzeitig beim US-Auslandsgeheimdienst Bedenken angesichts sich mehrender Berichte über eine Zusammenarbeit Posadas mit Drogenschmugglern und anderen Kriminellen, so dass Posadas Arbeit für die CIA 1974 vorerst zum Erliegen kam. Nach seiner Entlassung bei DISIP eröffnete Posada in Caracas die Privatdetektei und Sicherheitsagentur ICICA, die mit großem geschäftlichen Erfolg für Großkunden wie Chrysler und viele der angesehensten Banken Mitarbeiter Sicherheitsprüfungen unterzog, Diebstähle untersuchte und Überwachungsanlagen installierte.

Anschlag auf kubanisches Verkehrsflugzeug 1976

Im Juni 1976 konstituierte sich in der Dominikanischen Republik unter Führung von Orlando Bosch ein neuer Zusammenschluss militanter Castro-Gegner namens Coordination of United Revolutionary Organizations (CORU), an dessen geheimer Gründungssitzung Posada als einer von zwanzig Exilkubanern teilnahm. Als öffentlichkeitswirksame Maßnahme im bewaffneten Kampf gegen die kubanische Führung wurde im Rahmen von CORU der Abschuss eines kubanischen Flugzeugs erörtert. Laut Angaben von Informanten, die vom FBI dokumentiert wurden, war Posada zusammen mit Orlando Bosch der Urheber des Bombenattentates auf den Flug 455 der kubanischen Luftfahrtgesellschaft Cubana am 6. Oktober 1976 auf dem Weg von Barbados über Kingston (Jamaika) nach Havanna, bei dem 73 Passagiere, viele von ihnen kubanische Sportler, getötet wurden. Bosch und Posada wurden deswegen in Venezuela zunächst vor ein Militärgericht gestellt, das sie freisprach. Auch eine Neuverhandlung vor einem Zivilgericht endete zunächst mit Freispruch, ging jedoch in Revision. Posada verbrachte insgesamt neun Jahre in Untersuchungshaft, vor Beginn des angesetzten Revisionsverfahrens gelang ihm schließlich 1985 die Flucht aus Venezuela.

In El Salvador wurde Posada auf Vermittlung seines bereits in die Operationen eingebundenen Freundes Félix Rodríguez als Verbindungsmann für die CIA zu einheimischen Militäroffizieren und den nicaraguanischen Contras tätig, was in der 1986 aufgedeckten Iran-Contra-Affäre öffentlich wurde. Als er 1990 als Sicherheitsberater der Regierung von Guatemala arbeitete, überlebte er in der Hauptstadt Guatemala-Stadt einen Fidel Castro zugeschriebenen Mordanschlag, bei dem er von drei Attentätern angegriffen und von 12 Schüssen getroffen wurde, bevor er anschließend monatelang im Krankenhaus lag. Seitdem war sein Sprechvermögen eingeschränkt. Gemäß später veröffentlichter Unterlagen warnte ihn die CIA 1993 in Honduras telefonisch vor einem weiteren Mordanschlag, über dessen Planung sie Informationen erhalten hatte.

Zwischen April und September 1997 kam es auf Kuba zu einer Serie von elf versuchten oder tatsächlichen Bombenanschlägen auf touristische Einrichtungen, bei der ein italienischer Tourist getötet wurde. Es handelte sich dabei um die größten politisch motivierten Gewaltaktionen seit Anfang der 1960er Jahre, als sich die neue Revolutionsregierung unter Castro gegen bürgerkriegsartige Gegenwehr durchsetzte. Im November 1997 erschien in der Tageszeitung Miami Herald eine über zwei Monate recherchierte Reportage, die zu dem Ergebnis kam, dass Posada das Bindeglied zwischen den ausführenden salvadorianischen Berufsverbrechern und den Finanziers der Anschläge in Südflorida gewesen sei. Posada Carriles brüstete sich 1998 in einem vielbeachteten Interview mit der New York Times damit, die Anschläge organisiert zu haben. Der Tod des Italieners sei nicht geplant gewesen. Dieser habe „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gesessen. Ziel sei es gewesen, die kubanische Tourismusindustrie durch die möglichst öffentlichkeitswirksame Abschreckung ausländischer Gäste und Investoren zu schädigen. Posada distanzierte sich nach der Veröffentlichung des Interviews von seinen selbstbezichtigenden Äußerungen und behauptete, von den beteiligten Journalisten mit vertraulichen Geheimdienstunterlagen erpresst worden zu sein. Er habe sie daraufhin mit bewusst falschen Angaben täuschen wollen, um andere Personen zu schützen, dies sei jedoch ein „taktischer Fehler“ gewesen.

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