Luftkrieg ist eine Form der Kriegsführung, bei der militärische Operationen hauptsächlich durch Luftstreitkräfte und Luftkriegsmittel anderer Teilstreitkräfte ausgeführt werden.
Die Kriegsführung lässt sich grob unterscheiden in:
Krieg in der Luft: Bekämpfung feindlicher Luftfahrzeuge durch eigene Jagdflugzeuge und bodengestützte Flugabwehr.
Krieg aus der Luft: vor allem Aufklärung und Bekämpfung von Bodenzielen, einschließlich gegnerischer Luftstreitkräfte am Boden, durch Aufklärungsflugzeuge und Bomber. Dies bezeichnet man auch als taktischen Luftkrieg. Seine drei Aufgaben bzw. Ziele sind
der Angriff feindlicher Bodenziele in mittelbarer Nähe zu den eigenen Einheiten (Luftnahunterstützung)
die Abriegelung aus der Luft (taktische Ziele im Rückraum – wie Brücken, Straßen und Nachschub – hinter der gegnerischen Kriegsfront bekämpfen).
der strategische Luftkrieg mit der Zerstörung von gegnerischen militärischen und politischen Kommando- und Führungseinrichtungen inklusive deren Fernmeldemittel, von Produktionseinrichtungen für militärische Rüstungsgüter (Luftfahrzeuge und Panzer), Elektrizitätswerke und Überlandleitungen, Kraftstoffraffinerien und andere (Gas-)Energieeinrichtungen, Luft-, Land- und Wassertransportwege und -einrichtungen (Flughäfen, Seehäfen und Docks) sowie Produktionskapazitäten Nahrungsmittelindustrie.
Die Integration des Luftkrieges in die allgemeine Kriegsführung galt Daniel Moran zufolge als „zentrale militärische Herausforderung des 20. Jahrhunderts“. Während sich die ursprüngliche Hoffnung, dass der Luftkrieg abschreckend wirken könne oder militärisch allmächtig sei, sich nicht erfüllt habe, habe sich die Luftkriegsführung als entscheidendes Element des Gefechts der verbundenen Waffen etabliert.
Wichtige Theoretiker des Luftkrieges waren bzw. sind Giulio Douhet (1869–1930), Billy Mitchell (1879–1936), John Boyd (1927–1997) und John Warden (* 1943).
Die erste kriegerische Nutzung des Luftraums bestand im Einsatz von Ballons zu Aufklärungszwecken („Feldluftschiffer“) und zur Lenkung des Artilleriefeuers.
Das erste Mal wurden Heißluftballons durch das revolutionäre Frankreich im Jahre 1793 zur Beobachtung feindlicher Stellungen eingesetzt; in diesem Jahr wurde die Aéronautique Militaire gegründet. Ein mit Wasserstoff gefüllter Fesselballon, der „Intrépide“, wurde von der kaiserlichen Armee in der Schlacht um Würzburg am 3. September 1796 erbeutet. Er befindet sich im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien und gilt als das älteste heute noch erhaltene militärische Fluggerät.
Der erste Luftangriff auf eine Stadt fand in den Revolutionsjahren 1848 und 1849 statt: Bei der Belagerung von Venedig schlug der österreichische Feldmarschallleutnant, Artillerieexperte, Waffentechniker und Erfinder Franz von Uchatius vor, durch unbemannte Ballons Bomben auf die Stadt werfen zu lassen. Drei Wochen später erfolgte tatsächlich dieser erste Luftangriff der Weltgeschichte mit 110 von Uchatius hergestellten Ballonbomben. Auch um die Belagerung der Stadt Sewastopol 1855 im Krimkrieg aufzulösen, hatte der britische Admiral Thomas Cochrane, 10. Earl of Dundonald eine Idee für den Abwurf von mit Chemikalien gefüllten Fassbomben, die mittels eines Ballons über der Stadt abgeworfen werden sollten, was der französische Luftschiffer Gardonia in einem Vortrag in London erläuterte.
Im Amerikanischen Bürgerkrieg wurden vereinzelt Ballons zur Aufklärung verwendet.
Im Deutsch-Französischen Krieg wurde von den Franzosen die Verbindung mit dem belagerten Paris 1870 bis 1871 mit Freiballonen erreicht.
Der erste Einsatz eines Flugzeugs für die Kriegsführung fand während des italienisch-türkischen Krieges am 23. Oktober 1911 in Form eines Aufklärungsfluges durch Carlo Maria Piazza in einer Blériot XI in Tripolitanien statt. Am 1. November 1911 folgte der erste Bombenangriff, als Giulio Gavotti aus einer Etrich Taube drei 2-kg-Bomben per Hand auf ein türkisches Militärlager abwarf. Am 4. März 1912 erfolgte bei Vollmond der erste Nachtflug durch Piazza und Gavotti und am 17. August 1912 wurde der erste Pilot in der Luft durch Gewehrfeuer vom Boden aus verletzt. Mit Leutnant Piero Manzini, der am 25. August 1912 bei einem Aufklärungsflug über feindlichem Gebiet abstürzte und dabei den Tod fand, war in diesem Krieg auch der erste tote Flieger während eines kriegerischen Ereignisses zu verzeichnen.
Der italienische General Giulio Douhet begründete in der Folge seine Theorie des Bombenkrieges, nach der Flugzeuge speziell zur Bombardierung gebaut werden sollten. Somit gilt er als Begründer der Luftkriegstheorie. Seine Pläne, Italien komplett auf einen Luftkrieg vorzubereiten, stießen jedoch auf großen Widerstand. Als er unautorisiert den Bau von Bombenflugzeugen beauftragte, wurde er nach dem Disziplinarrecht zur Infanterie versetzt. Später wurde er sogar verhaftet; erst als Italien 1915 in den Ersten Weltkrieg eintrat (siehe Londoner Vertrag (1915)) und verheerende Niederlagen erlitt, wurde er in seine Stellung zurückberufen.
Während der Mexikanischen Revolution setzten die nördlichen Verbände neun Flugzeuge ein, die von amerikanischen Piloten geflogen wurden. Somit war dieser Konflikt nach dem italienisch-türkischen Krieg der zweite bewaffnete Konflikt, in dem Flugzeuge zur Anwendung kamen.
Alle Großmächte bauten sich Lufteinheiten auf, die aber noch Teil von Heer oder Marine waren. Siehe z. B. Royal Flying Corps (RFC), Französische Luftwaffe,