Ein Luftkampf ist der Kampf gegnerischer Luftfahrzeuge mit Abschussabsicht, in der Regel im Krieg. Er wird für gewöhnlich mit eigens dazu konstruierten Kampfflugzeugen geführt, kann aber auch seit einigen Jahrzehnten nur zwischen Kampfhubschraubern stattfinden.
Entwicklung im Ersten Weltkrieg
Bereits im Ersten Weltkrieg erwies sich im Luftkampf die Position am Heck des Gegners als beste Ausgangsposition für einen Abschuss mit geringer Selbstgefährdung. Während bei zweisitzigen Maschinen ein Bekämpfen des am „Heck klebenden“ Gegners mit Bordwaffen möglich war, wenn auch weniger erfolgversprechend als ein Angriff mit den meist stärkeren, nach vorn gerichteten Angriffswaffen, so war der Pilot eines Einsitzers praktisch schutzlos gegen einen Angriff von hinten. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, selbst in diese überlegene Position zu kommen.
Mit der Forderung der militärischen Führung nach stärker motorisierten und wendigeren Maschinen wollte man den eigenen Piloten einen generellen Vorteil im Kurvenkampf verschaffen. Diese hätten eine stärker steigende Spirale als der Gegner fliegen können, d. h., sie wären kaum ins Visier des Feindes geraten. Auch hätte mehr Leistung die Gefahr, ins Trudeln zu kommen, oder die eines plötzlichen Absackens verringert. Wendigere Flugzeuge waren in der Lage, die Kurven enger zu ziehen, und konnten sich somit besser in eine gute Schussposition bringen. Motorisierung, Schwerpunkt und Steuerung wurden auf diese Punkte hin überprüft und optimiert. Zum Ende des Krieges wurden neue Maschinen entwickelt, die für den Kurvenkampf optimiert waren, etwa Fokker D.VII und Sopwith F-1.
Ein Vorteil im Kurvenkampf entstand auch durch das Fliegen in einem Verband oder mit einem Flügelmann. Man konnte so den Feind, der die erste Maschine angriff, mit der unbedrohten Maschine bekämpfen. Die Luftkampftaktik erwies sich als wirksam. Allerdings standen nicht immer genug Maschinen für diese Taktik zur Verfügung.
Der erste mit einem Abschuss endende Luftkampf datiert vom 5. Oktober 1914. Zwei französischen Flugzeugen gelang es, eine deutsche Maschine mit zwei Fliegern abzuschießen, die den Absturz nicht überlebten. Der Abschuss erfolgte mit einem vor dem Cockpit einer Voisin montierten Maschinengewehr durch den Piloten Joseph Frantz. Der deutsche Aviatik-Doppeldecker stürzte bei Reims ab.
Mit der Entwicklung von starken Triebwerken bis hin zum Düsenantrieb verlor der Vorteil eines engeren Kurvenradius an Bedeutung. Hohe Geschwindigkeit und starke Bewaffnung zusammen mit der Entwicklung des Radars zur Aufspürung feindlicher Flugzeuge waren die Schlüsselfaktoren des Luftkampfes im Zweiten Weltkrieg.
Die Form des Luftkampfes wurde von der in der Zwischenkriegszeit weit verbreiteten Vorstellung geprägt, einen Krieg allein aus der Luft führen und gewinnen zu können. Rohstoffreiche Länder wie die USA setzten dies um, indem sie große Flotten von stark bewaffneten Langstreckenbombern bauen ließen. Rohstoffarme Länder wie Deutschland hofften auf die kriegsentscheidende Wirksamkeit von taktischen Luftflotten.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges bildeten die Alliierten auch taktische Luftflotten zur Unterstützung der Bodentruppen in Nordafrika und während der Invasion aus, während die deutsche Luftwaffe etwa in der Luftschlacht um England versuchte, einen strategischen Luftkrieg zu führen.
Luftkämpfe fanden in erster Linie statt, um:
Luftherrschaft zu erringen, was für den Einsatz von Luftnahunterstützung als erforderlich angesehen wurde, und
Bomber abzufangen, die strategische oder taktische Aufgaben durchführen sollten.
Der Kampf um die Luftherrschaft fand zwischen den Jagdverbänden der gegnerischen Luftstreitkräfte statt. Dabei trafen typischerweise Verbände zwischen vier und 60 Flugzeugen aufeinander, wobei eine Gruppe zunächst versuchte, in eine günstige Ausgangsposition für einen Überraschungsangriff zu kommen. Das bedeutete, gegenüber dem Gegner an Höhe zu gewinnen und sich möglichst mit der Sonne im Rücken mit Fahrtüberschuss dem Ziel zu nähern und im Abstand zwischen 500 und 30 Metern so viele Geschosse wie möglich auf das gegnerische Flugzeug abzufeuern. Der Angriff verlief desto wirksamer, je besser der Überraschungseffekt gelungen war. In vielen Fällen hatten die angegriffenen Piloten keine Möglichkeit mehr zu defensiven Manövern.
Kurvenkampf wurde von allen Parteien soweit möglich vermieden, in seltenen Fällen, beispielsweise in Bodennähe oder in einer ausweglosen Situation, kam es dennoch zu Kurvenkämpfen, wobei die im engen Kurvenflug befindlichen Flugzeuge sehr verwundbar für andere, schnellere Angreifer waren. Die klassischen Protagonisten dieser Kämpfe waren die Piloten der Spitfire, Messerschmitt Bf 109, Hurricane, Mustang, Jakowlew, Lawotschkin und Zero Jagdflugzeuge.
Der Kampf gegen die Bomber des Zweiten Weltkrieges brachte neue Techniken und Sonderformen des Luftkampfes hervor, wie zum Beispiel die Nachtjagd. Die Erwartung der Flugzeughersteller, einen Bomber bauen zu können, der gegen Jägerangriffe unverwundbar war, wurde enttäuscht. Zwar wurde die Abwehrbewaffnung der schweren viermotorigen Bomber immer stärker, doch auch die Bewaffnung und Panzerung der Abfangjäger wurde effektiver. Trotzdem stellte sich heraus, dass eine klassische Annäherung an das Heck des gegnerischen Bombers zu riskant wurde, besonders wenn übereinander gestaffelte Pulks ihr Abwehrfeuer zusammenfassten und auf wenige Angreifer konzentrierten. So wurde im weiteren Verlauf des Krieges mit schwer gepanzerten Jägern, die selbst Jagdschutz benötigten, ein Frontalangriff gegen die Flugrichtung des Bomberpulks durchgeführt. Das minimierte die Zeit, in der sich die Angreifer in Reichweite der Abwehrwaffen der Bomber befanden, und ermöglichte Treffer im verwundbaren Bug, wo die Piloten saßen.
Eine auf die eigenen Bordwaffen angewiesene Bomberflotte musste dadurch relativ hohe Verluste erleiden, so wurden Begleitjäger in großer Anzahl benötigt, um die Abfangjäger schon vor dem Abfangeinsatz abzudrängen oder nach dem Einsatz zu ihren Stützpunkten zu verfolgen und dort bei der Landung abzuschießen. Die Hauptbeteiligten dieser Szenarien waren die Piloten und Bordschützen der B-17- und B-24-Bomber und der Fw 190-, Bf 110-, Thunderbolt-, Lightning- und Mustang-Jäger.
Im Koreakrieg kämpfte man schon mit strahlgetriebenen Flugzeugen, unter anderem die US-amerikanischen Piloten in der F-86 gegen die chinesischen Gegner in MiG-15 zunächst nur mit Bordkanonen und ungelenkten Raketen. Erst mit der Entwicklung wärmegelenkter Luft-Luft-Raketen wie der AIM-9 und AIM-7 im Zusammenspiel mit einem Bordradar konnte der Gegner auf größere Reichweite zielsicher bekämpft werden, was die Amerikaner zu Kampfflugzeugentwürfen ohne Kanonenbewaffnung verleitete. Ein fataler Fehler, der im Vietnamkrieg zu unnötigen Verlusten führte.
So gingen anfangs beispielsweise zahlreiche McDonnell F-4 in Luftgefechten mit vietnamesischen Jägern wie der MiG-19 oder der MiG-21 verloren, weil ihre wärmegelenkten Luft-Luft-Raketen aufgrund der tropischen Sonneneinstrahlung ihr Ziel verfehlten.