An diesem Tag

Luftangriffe auf Leipzig

Angriffe während des Zweiten Weltkriegs

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Die Luftangriffe auf Leipzig fügten der Stadt Leipzig während des Zweiten Weltkriegs schwere Schäden zu. Die Angriffe wurden von Einheiten der britischen Royal Air Force (RAF) und den United States Army Air Forces (USAAF) ausgeführt. Insgesamt wurden 11.427 Tonnen Bombenlast auf Leipzig geworfen, von der RAF 6206 Tonnen und von den USAAF 5221 Tonnen.

Der schwerste Luftangriff wurde in den Morgenstunden des 4. Dezember 1943 von der RAF ausgeführt und forderte über 1800 Menschenleben. Das Stadtzentrum wurde zu großen Teilen zerstört, während die Industriebetriebe nur zeitweilige Produktionsausfälle zu verzeichnen hatten und später teilweise verlagert oder dezentralisiert wurden.

Im Luftkrieg des Zweiten Weltkriegs sind in Leipzig etwa 6000 Menschen ums Leben gekommen.

Im „Großdeutschen Reich“ des Jahres 1939 stand die „Reichsmessestadt“ Leipzig auf der Liste der größten deutschen Städte mit über 700.000 Einwohnern auf dem sechsten Platz, wobei Wien mit berücksichtigt ist.

Für die Kriegsführung besonders wichtig war das Erla-Maschinenwerk mit der Montage bzw. Teilefertigung von Bf-109-Jagdflugzeugen in seinen vier Leipziger Fabriken Heiterblick (Werk I; Wodanstraße), Flughafen Mockau (Werk II; Vierzehn-Bäume-Weg), Abtnaundorf (Werk III; Theklaer Str./Heiterblickstraße) sowie Pfaffendorf (Werk V in der Kammgarnspinnerei nördlich der Kongreßhalle). Als weiterer Großbetrieb der Luftrüstung stellte die in Großzschocher ansässige Allgemeine Transportanlagen-Gesellschaft an zusammen sieben Standorten in Leipzig Flugzeugteile und komplette Maschinen (Ju 52/3m und Ju 88/Ju 188) her. Die in Leipzig-Portitz ab 1935 neu errichteten Mitteldeutschen Motorenwerke, die 1939 ihren Sitz nach Taucha verlegten, fertigten Junkers-Flugmotoren (Jumo 205, Jumo 211 und Jumo 213) sowie Teile für das Strahltriebwerk Jumo 004.

Von großer militärischer Bedeutung war die Hugo Schneider AG (HASAG) mit Sitz in Sellerhausen. Auf dem heutigen Areal des Wissenschaftsparks Leipzig stellte der seinerzeit drittgrößte deutsche Rüstungskonzern neben Munition für Infanterie (Kaliber 7,92), Flak und leichte Bordwaffen auch die Faustpatrone und Panzerfaust zur Bekämpfung von Panzern her.

In Wahren baute das Werk von Büssing-NAG (bis 1926 Dux-Automobil-Werke) Motoren und Fahrgestelle für 8-Rad-Panzerspähwagen (Sd.Kfz. 231/Typ GS, ab 1943 Sd.Kfz. 234/Typ ARK). Auch viele kleinere Fabriken wie Opta-Radio (ehemals Körting) stellten Ausrüstung für die Wehrmacht her.

In erheblichen Umfang erfolgten Truppen- und Materialtransporte der Deutschen Reichsbahn über den Eisenbahnknoten Leipzig mit seinen zwei Rangierbahnhöfen Wahren und Engelsdorf.

Die britische Royal Air Force flog im Oktober und Dezember 1943 zwei Flächenbombardements auf Leipzig im Rahmen der Area Bombing Directive. Die USAAF griffen später bei Tagangriffen gezielt auch Standorte der Rüstungsindustrie im Norden von Leipzig an.

Sachsen galt wegen des langen Anflugweges von Großbritannien aus als relativ sicher vor Luftangriffen, was sich jedoch im Verlauf des Jahres 1943 mit der verstärkten Indienststellung schwerer viermotoriger Maschinen der Typen Stirling, Halifax und Lancaster bei der RAF änderte. Bereits im August 1940 befanden sich in den Akten des britischen RAF Bomber Command Pläne zur Bombardierung Leipzigs unter dem Codenamen „Haddock“ (Schellfisch). Der Stellvertreter von Arthur Harris, Oberbefehlshaber des Bomber Command, war Air Vice-Marshal Robert Saundby, der als begeisterter Angler alle in Auswahl kommenden deutschen Städte mit einem Fish code versah. Von einem Luftangriff zur Eröffnung der Leipziger Messe am 25. August 1940 oder unmittelbar danach versprach man sich eine Demonstration der britischen Luftmacht auf die aus ganz Europa angereisten Messegäste. Die in der Nacht vom 25. auf den 26. August 1940 gestarteten zweimotorigen Bomber fanden die Stadt Leipzig jedoch nicht.

Am 27. März 1943 wurde durch Notabwürfe eines britischen Flugzeuges in Gohlis ein Großfeuer ausgelöst. In der Nacht vom 31. August zum 1. September erfolgte ein schwacher britischer Angriff, der Eutritzsch und Schönefeld traf und bei dem es vier Todesopfer gab.

Zu diesem ersten geplanten Flächenbombardement auf Leipzig waren in Ostengland 350 viermotorige Langstreckenbomber vom Typ Lancaster der britischen Royal Air Force (RAF) gestartet, von denen 287 die Stadt erreichten. Geplantes Ziel dieses abendlichen Angriffs von 20:56 bis 21:34 Uhr war das Stadtzentrum. Wegen schlechter Sichtverhältnisse bei dichter Bewölkung wurden mit den 1085 Tonnen abgeworfenen Bomben jedoch besonders die südlichen und östlichen Stadtteile und Vororte wie Stötteritz, Engelsdorf, Paunsdorf und Sommerfeld getroffen. Doch wurden auch in anderen Stadtteilen, am Hauptbahnhof, im Grafischen Viertel und im Klinikviertel insgesamt 6250 Schadstellen registriert (45 zerstörte und 1872 beschädigte Häuser). 38 Todesopfer und 681 Verletzte waren zu beklagen. Die RAF verbuchte den zersplitterten Angriff als Misserfolg.

Wie schon während des gesamten Jahres 1943 hatte die Royal Air Force in der Nacht vom 2. zum 3. Dezember einen Luftangriff auf Berlin geflogen. Die deutsche Nachtjagd hatte sich inzwischen darauf eingestellt und 40 Bomber abgeschossen. In der folgenden Nacht war Leipzig das Ziel, wobei die Anflugroute so konzipiert war, dass die deutsche Luftabwehr möglichst lange im Unklaren über das Ziel der Bomberflotte blieb und der Angriff erst in den frühen Morgenstunden erfolgte. Mit einer solchen für die Bomberverbände gefährlicheren Taktik rechnete man auf deutscher Seite nicht, da dann die Bomber im ersten Tageslicht zurückfliegen müssten und von Jagdfliegern leichter zu bekämpfen wären.

Die Route des Bomberverbandes, 527 viermotorige Bomber der Typen Halifax und Lancaster, querte über der Zuidersee die Küste des Festlandes, führte dann in östlicher Richtung über Norddeutschland auf Berlin zu und bog etwa über der Stadt Brandenburg nach Süden ab. Zwischen 3:50 und 4:25 Uhr warfen 442 Bomber insgesamt fast 1.400 t Spreng- und Brandbomben ab. Im Einzelnen handelte es sich um 280.000 INC 4 lb-Stabbrandbomben, 12.500 Phosphorbrandbomben, 312 Phosphorkanister, 450 Sprengbomben und 310 Minenbomben. Fliegeralarm war um 3:39 Uhr gegeben worden, die Entwarnung erfolgte 5:32 Uhr.

In der eng bebauten Innenstadt entwickelte sich nach dem Angriff durch das Zusammenfließen von über 5000 Einzelbränden ein Feuersturm. Dessen Intensität überstieg nach der Einschätzung des zur Angriffszeit zufällig in Leipzig befindlichen Generalinspekteurs für das Feuerlöschwesen, Hans Rumpf, sogar die des Hamburger Feuersturmes während der „Operation Gomorrha“. Die Leipziger Feuerschutzpolizei hatte in der Nacht zuvor die Hälfte ihrer Kräfte zur Hilfe nach Berlin entsenden müssen. Die aus dem Umland herbeigerufenen Feuerwehren konnten Brände häufig nicht wirksam bekämpfen, da ihre Schläuche nicht an die speziellen Anschlüsse der Leipziger Hydranten passten, die nur zu etwa 30 % auf genormte Anschlüsse umgestellt worden waren. Die Wasserversorgung brach zudem durch die massiven Leitungszerstörungen zusammen.

Opfer und Schäden vom 4. Dezember

Beim britischen Luftangriff vom 4. Dezember 1943 kamen 1815 Menschen ums Leben, 60 blieben vermisst. Dazu kamen fast 4000 Verletzte. Diese Opferzahl ist für solch einen schweren Angriff niedriger als zu erwarten, da sich viele Einwohner nicht an die Anordnung hielten, bis zur Entwarnung in den Kellern zu bleiben, sondern rechtzeitig die Flucht ergriffen oder entstehende Brände bekämpften. Es wurden 806 schwer und 3.749 leicht Verletzte registriert. 114.000 Leipziger wurden obdachlos.

Besonders im Stadtzentrum fielen den Bomben viele historische Gebäude zum Opfer, so das Alte und Neue Theater, die Neue Börse, das Schiff der Johanniskirche, die Alte Waage, die Matthäikirche, das Museum der bildenden Künste, die Hauptpost, der Krystallpalast und das Augusteum, das Hauptgebäude der Universität. Der Dachstuhl des Alten Rathauses brannte aus; eine bei einer Sanierung Anfang des 20. Jahrhunderts eingezogene Betondecke verhinderte ein Ausbrennen auch der darunter liegenden Geschosse. Weiterhin verzeichnete man unter anderem die Zerstörung von 1067 Geschäftshäusern, 472 Fabrikgebäuden, 56 Schulen, 29 Messehäusern und 9 Kirchen. Von den 92 Instituten der Universität Leipzig wurden 58 getroffen und teilweise oder ganz zerstört. Von den 32.500 Wohngebäuden waren 15.200 in Mitleidenschaft gezogen, davon über 5000 total zerstört oder schwer beschädigt und über 10.000 mittelschwer beschädigt. Die Rüstungsindustrie hatte wenige Schäden zu verzeichnen.

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