Beim Luftangriff auf Damaskus und Homs am 14. April 2018 bombardierten die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, Frankreichs und des Vereinigten Königreichs syrische Einrichtungen bei Damaskus und Homs als Antwort auf einen mutmaßlichen Chemiewaffen-Angriff des syrischen Regimes auf ein Ziel in Duma.
Im Syrischen Bürgerkrieg waren die syrischen Streitkräfte unter dem Oberbefehl von Präsident Baschar al-Assad mehrfach verdächtigt worden, Giftgas als Waffe eingesetzt zu haben. Nach den Giftgasangriffen von Ghuta im August 2013 waren unter Vermittlung Russlands Militäreinsätze der USA gegen die syrische Regierung verhindert worden, weil Präsident al-Assad versprochen hatte, das Chemiewaffenprogramm zu beenden. 1300 Tonnen an Chemiewaffen wurden in der Folge übergeben und unter Aufsicht der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zerstört. Syrien wurde aber weiter unter Einschränkungen erlaubt, Chlorgas zu produzieren, das für Plastikherstellung benötigt wird, sich aber in hoher Konzentration auch als Waffe eignet.
Reaktion auf vermuteten Giftgasangriff vom April 2017
Nach dem Giftgasangriff von Chan Schaichun im April 2017 war eine gemeinsame Lösung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgrund des russischen Vetos gescheitert. Russland erklärte, dass es "keinen Bedarf für eine Untersuchung" gebe. US-Präsident Trump ordnete einen Vergeltungsschlag gegen den syrischen Militärflugplatz an, von dem die Angreifer offenbar gestartet waren. Beim Luftangriff auf den Militärflugplatz asch-Schaʿirat am 7. April 2017 starteten 59 Tomahawk-Marschflugkörper von US-Kriegsschiffen im Mittelmeer.
Die syrische Luftwaffe nutzte das Flugfeld bald nach dem US-Angriff wieder.
Mutmaßlicher Giftgasangriff vom April 2018
Syrische Truppen begannen zum Jahreswechsel 2017/18, die seit Jahren eingeschlossene Dschihadisten-Enklave von Ost-Ghuta mit Artillerie und Luftangriffen mit russischer Unterstützung sturmreif zu schießen. Die Masse der islamistischen Kämpfer gab im März 2018 auf und ließ sich, samt ihren Familien, nach einer Einigung mit der syrischen Regierung nach Idlib transportieren. Nur einige Kämpfer der Dschaisch al-Islam weigerten sich und igelten sich im Ortsteil Duma ein.
Bei den darauf folgenden Luftangriffen am 7. April 2018 soll nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation Syrischer Zivilschutz (Weißhelme) ein Kampfhubschrauber der syrischen Luftwaffe unter anderem einen Behälter mit Chemikalien über dem Ort abgeworfen haben. Nach ihren Angaben habe es mindestens 150 Tote und über 1000 Verletzte gegeben. Die Union des organisations de secours et soins médicaux (UOSSM) berichtete in diesem Zusammenhang von 25 Toten und mehr als 500 Verletzten. An zwei Orten wurden Symptome beschrieben; einmal um 16 Uhr, mit Hinweisen auf Chlorgas und einige hundert Meter entfernt Symptome, welche eher zu Sarin passen würden um 19:30 Uhr.
Das Verteidigungsministerium Russlands beschuldigte offiziell die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs der Inszenierung eines Giftgas-Angriffs. Die Angehörigen der Weißhelme hätten nach Einschätzung der Russen unter Druck der britischen Regierung die Bilder des Giftgasangriffs gestellt. Beweise wurden von russischer Seite nicht vorgelegt. Chemiewaffenexperten hielten einen illustrierten russischen Bericht für "unglaubwürdig". Die NZZ wies darauf hin, dass im Falle Chan Schaichun 2017, bei dem laut UNO-Bericht tatsächlich Sarin eingesetzt worden war, Russland ähnlich reagiert habe. Die NZZ kommentierte bei anderer Gelegenheit auch die Widersprüchlichkeit der russischen Aussagen, nach denen russische Einheiten auch deutsche Fässer mit Chlorgas und Container mit giftigen Substanzen aus England gefunden haben wollten, jedoch andererseits gar niemand zu Schaden gekommen sein solle.
Nach der Ankündigung einer militärischen Reaktion durch US-Präsident Trump war ein Angriff auf den syrischen Militärflugplatz T4 am 9. April, der offenbar von israelischen Kampfflugzeugen durchgeführt worden war, von syrischen Staatsmedien irrtümlich den USA zugeschrieben worden.
Bereits ab dem 14. April waren Chemiewaffenexperten der OPCW in Syrien bereit, um den mutmaßlichen Tatort zu untersuchen, wurde aber daran gehindert; noch am 16. April 2018 hätten gemäß OPCW syrische und russische Beamten die Inspektion verzögert, dies unter Verweis auf "ungeklärte Sicherheitsfragen". Eine organisierte Journalisten-Tour der syrischen Regierung war derweil gemäß NZZ auffallend "ohne Sicherheitsbedenken" möglich, auch andere Journalisten wiesen auf diese Ungereimtheit hin. Nach dieser Tour berichtete Pearson Sharp vom US-Kabel-Sender One America News Network (OAN), er habe mit Anwohnern gesprochen und niemand vor Ort habe von dem Vorfall gehört. Ähnlich äußerte sich der britische Journalist Robert Fisk, dem jedoch schon 2016 vorgeworfen worden war, syrische und russische Propaganda zu verbreiten. Ein AP-Journalist sprach mit zwei Augenzeugen, welche von Opfern in der Familie berichteten und von insgesamt 47 Umgekommenen, während ein schwedischer Journalist einen Keller gezeigt bekam, in welchem eine Familie umgekommen war.
Am 20. April hatte die OPCW Zutritt zu einem der zwei Orte erhalten, wobei nicht klar, war, um welchen es sich handelte. Nachdem die Regierung das Gebiet kontrollierte wurde befürchtet, dass bei den zu den Untersuchungen gehörenden Befragungen von Überlebenden nicht offen gesprochen werden könne.
Am 4. Mai beendete die OPCW ihre Proben-Entnahmen. Allenfalls würden zur weiteren Untersuchung Leichen exhumiert und untersucht werden.
Am 6. Juli 2018 wurde ein OPCW-Zwischenbericht veröffentlicht, für den endgültigen Bericht wurde kein Zeitraum bekannt gegeben. Nervengas konnte nicht nachgewiesen werden, jedoch Chlorrückstände, was für den Spiegel den Einsatz von Chlorgas nahelegte ("wurde offenbar Chlorgas eingesetzt"), während die BBC darauf hinwies, dass die Experten die Bedeutung dieser Rückstände noch prüfe, ebenso wie die Behälter. Die BBC wies jedoch auch darauf hin, dass die OPCW in anderen Fällen mit denselben Rückständen in Saraqib und Ltamenah auf den Einsatz von Chlorgas als Waffe geschlossen habe.
Diplomatische Auseinandersetzungen zwischen den USA und Russland
Nach dem Angriff kam es wieder zu Auseinandersetzungen der UNO-Vetomacht Russland mit den Vetomächten USA und Großbritannien im Sicherheitsrat. Die USA schlugen eine UN-Resolution für eine unabhängige Untersuchung vor Ort vor, die am Ende einen Bericht vorlegen sollte, in der ein Schuldiger benannt wird. Die Russische Föderation legte ihr Veto ein. Botschafter Wassili Nebensja beschuldigte die USA, mit ihrem Resolutionsentwurf nur eine Rechtfertigung für einen Militärschlag schaffen zu wollen. Russland schlug laut US-Botschafterin Nikki Haley eine Untersuchung mit Personal vor, das von UNO-Generalsekretär António Guterres bestimmt werden sollte, verlangte aber, dass deren Ergebnisse Russland vor einer möglichen Veröffentlichung zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt werden müssten und es sollte kein Schuldiger benannt werden dürfen. Der russische Vorschlag hatte zu wenige Unterstützer, um überhaupt zur Abstimmung im Rat zugelassen zu werden.
Der amerikanische Präsident kündigte wegen des vermuteten Giftgas-Angriffes einen erneuten Militärschlag gegen Syrien an. Während die Sprecherin des Weißen Hauses Sarah Huckabee Sanders bekanntgab, dass „alle Optionen auf dem Tisch lägen“, schrieb Präsident Donald Trump auf Twitter, dass die Raketen „kommen würden“ und dass sich Russland „bereit machen solle“. Der russische Botschafter im Libanon hatte zuvor öffentlich angegeben, man werde alle US-Raketen abfangen, die russische Streitkräfte in Syrien angreifen würden, und die Raketen-Abschussvorrichtungen angreifen.
Am 10. April 2018 gab die Luftfahrtbehörde Eurocontrol eine Warnung der EASA für das östliche Mittelmeer heraus, in der im Zusammenhang mit zu erwartenden Angriffen vor vorübergehenden Störungen von Funknavigationsystemen in der Region gewarnt wurde.