An diesem Tag

Ludwig Zimmermann (Propst)

Propst und Märtyrer

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Ludwig Zimmermann (* 28. Maijul. / 9. Juni 1852greg. in Mitau, Gouvernement Kurland, Russisches Kaiserreich; † 31. Augustjul. / 13. September 1906greg. in Lennewarden, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich), mit vollem Namen Ludwig Gottfried Zimmermann, lettisch Ludvigs Gotfrīds Cimmermanis oder Ludvigs Gotfrīds Cimmermans, russisch Людвиг Циммерман, war Propst des Rigaer Landsprengels. Er gilt als evangelischer Märtyrer.

Die Datumsangaben in diesem Artikel richten sich, wenn nicht anders angegeben, für den Zeitraum bis 1918 nach dem julianischen Kalender.

Ludwig Zimmermanns Mutter hieß Helene Idola Polyx Tima Zimmermann (geborene Schreibvogel, 1819–1904). Sein Vater Alexander Joachim Gottfried Zimmermann (1806–1871) war Oberlehrer für Geschichte am Mitauer Gouvernementsgymnasium.

Diese Schule besuchte auch Ludwig Zimmermann, wo er durchgehend Klassenbester war. Nach seinem Schulabschluss immatrikulierte er sich 1871 an der Kaiserlichen Universität Dorpat für ein Theologiestudium und wurde Mitglied der Korporation „Curonia“ (siehe Deutsch-Baltische Studentenverbindungen). Die Fakultät für Theologie befand sich zu dieser Zeit auf einem Höhepunkt ihrer Geschichte. So konnte Zimmermann bei Moritz von Engelhardt, für den das Gewissen einen hohen Stellenwert einnahm, Alexander von Oettingen, einem Dogmatiker von Weltruf, und Wilhelm Volck, einem Schüler Hofmanns, studieren. Ludwig Zimmermann durchlitt keinerlei Zweifel, der kirchliche Glaube war für ihn eine Selbstverständlichkeit.

1876 schloss er sein Studium als Kandidat der Theologie ab. Danach war er zunächst von 1877 bis 1879 Hauslehrer in Mitau. 1879 bis 1880 war er Pastor-Adjunkt bei Pastor Pacht in Kokenhusen, der als Original galt. Im März 1881 wurde Zimmermann dann zum Pastor von Neuermühlen-Westerotten, einer kleinen, nur 3000 Mitglieder zählenden Gemeinde nahe Riga, gewählt. Die Gemeinde war frei von ehemals russisch-orthodoxen Konvertiten, so dass es zu keinerlei Konflikten mit der orthodoxen Staatskirche kam und sich Zimmermann keine Vorstrafen oder Verweise einhandelte.

Von 1884 bis 1890 war Zimmermann Substitut des geistlichen Schulrevidenten. 1890 bis 1892 war er selbst geistlicher Schulrevident des Rigaschen Kreises. Er war erst 39 Jahre alt, einer der jüngsten Pfarrer der Propstei, als er 1891 zum Propst der Propstei Riga-Land gewählt wurde. Die Wahl wurde im Mai 1892 vom Innenministerium bestätigt. Dies war möglich, weil Zimmermanns Dienstakte nicht durch irgendwelche Konflikte mit der russisch-orthodoxen Kirche beeinträchtigt worden war, was bei seinen älteren Amtsbrüdern anders war, die damit für eine Wahl nicht in Betracht kamen. So befand sich beispielsweise der betagte Pastor Kunzendorf gewissermaßen ständig wegen entsprechender „Verbrechen“ vor Gericht.

Die anderen Pastoren vertrauten Zimmermann trotz seiner Jugend bedingungslos. Er nahm erfreut zur Kenntnis, dass es bei Amtseinführungen von Pfarrern in seiner Propstei niemals zu Unruhen kam, trotz des damals ausgeprägten Nationalismus, der Letten und Deutsch-Balten wie Zimmermann in Gegnerschaft zueinander brachte. Wenn er Visitationen abhielt, nahmen auch Gemeindemitglieder interessiert teil. Er galt als freundlich und konnte bei solchen Anlässen auch erwachsene Gemeindemitglieder zu Antworten bewegen. Die geringe Größe seiner Gemeinde ermöglichte ihm die zusätzliche Tätigkeit als Propst. Diese erforderte nämlich häufige Fahrten in der Größenordnung von 100 km bei schlechten Straßenverhältnissen.

Am 17. Juni 1892 fand der erste Spatenstich für das Blindenheim in Riga statt. Zimmermann weihte zuvor ausgehend von Joh 1,5 und Joh 8,12 den Platz und bat um Gottes Segen.

Als Pastor von Neuermühlen war Zimmermann auch für die evangelisch-lutherischen Schüler des Korrektionsasyls und der Ackerbaukolonie für Minderjährige männlichen Geschlechts in Rodenpois zuständig, beispielsweise durch die Abnahme von Prüfungen und die Oberaufsicht über den Religionsunterricht.

1895 starb das letzte Mitglied der Familie Croon, die fast ein Jahrhundert lang das Predigtamt in Lennewarden innegehabt hatte.

Am 25. Mai 1895 hielt Zimmermann eine lettische Rede bei der Grundsteinlegung der lutherischen Kirche in Kemmern.

Propst und Pastor in Lennewarden

1896 übernahm dann Ludwig Zimmermann die große Gemeinde in Lennewarden und deren Tochtergemeinde in Groß-Jungfernhof, was die Arbeitslast für ihn deutlich erhöhte. In der Hauptgemeinde wurde er aufgrund seiner deutsch-baltischen Abkunft, und da er vom Patron eingesetzt worden war, recht kühl empfangen, was sich in seiner weiteren Amtszeit auch nicht änderte, während die Beziehung der Tochtergemeinde zu ihm auch unter den kritischsten Zeitumständen sehr herzlich war.

Im Zuge der Erweiterung der Kirche von Kirchholm wurde am 5. Mai 1896 eine Urkunde in den Grundstein eingelegt, auf der Ludwig Zimmermann erwähnt wurde.

Am Sonntag, dem 16. Junijul. / 28. Juni 1896greg., hielt Zimmermann um 16 Uhr einen lettischen Strandgottesdienst in Bilderlingshof ab.

Am Donnerstag, dem 14. Novemberjul. / 26. November 1896greg., dem Geburtstag der Kaiserin-Mutter Maria Fjodorowna, fand morgens die Einweihung der neuen Kirchholmer Kirche statt. Architekt Croon übergab den Kirchenschlüssel dem Kirchenvorsteher, der daraufhin eine kurze Ansprache hielt, und den Schlüssel an Zimmermann weitergab. Dieser schloss die Kirchentür auf und sprach den üblichen Segen. Unter Führung von zehn Pastoren zog die lettische Gemeinde mit dem Lied „Mir nach, spricht Christus, unser Held“ in die Kirche ein, wo Zimmermann vor dem Altar eine Ansprache hielt und Kirche, Kanzel, Altar und Altargeräte weihte. Nach einem Segenswunsch durch jeden der Pastoren und Chorgesang begann der Gottesdienst. Die Eingangsliturgie hielt Zimmermanns Freund, der Nitauer Pastor Karl Schilling (1865–1905). Auf den lettischen Gottesdienst folgte der reich besuchte deutsche, den Zimmermann mit einer Ansprache und der Eingangsliturgie einleitete.

Am 10. August 1897 wurde unter Zimmermanns Leitung das 150-jährige Bestehen der Lennewardener Kirche gefeiert. Zimmermann trug dabei kirchliche Nachrichten aus der Vergangenheit vor und hielt die Fürbitte ab.

Am 10. Oktober 1897 sprach er auf der Beerdigung des emeritierten Propstes Emil Loppenowes. Für das September/Oktober-Heft 1898 der Mitteilungen und Nachrichten für die evangelische Kirche in Rußland verfasste er einen Nekrolog über Loppenowe.

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