Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt (* 23. Oktober 1813 in Sabrodt, Mark Brandenburg, Preußen; † vermutlich 1848 in Zentralaustralien) war ein deutscher Entdecker, Zoologe, Botaniker und Geologe.
Leichhardt kam im Jahr 1842 nach Australien, wo er sich der Erforschung der Fauna, Flora und Geologie des damals noch weitestgehend unbekannten Kontinents widmete. Bis in die 1840er Jahre war das Innere Australiens noch nicht erkundet worden. Erschlossen waren der größte Teil von New South Wales mit dem heutigen Victoria, die Küstengebiete von Queensland bis nach Brisbane und schmale Randgebiete an den Küsten von South Australia und Western Australia, in nördlicher Richtung bis etwa zur Pilbara-Region. Tasmanien war bereits kolonisiert. An der Nordküste des australischen Kontinents gab es nur wenige Niederlassungen, darunter die Militärstation Port Essington.
Leichhardt unternahm drei Expeditionen. Auf seiner ersten Expedition von 1844 bis 1845 gelang ihm die erste Durchquerung von Queensland bis nach Port Essington im Northern Territory. Da er in seinen Tagebüchern das neu entdeckte Gebiet, Klima und Wetter, die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Aborigines umfänglich beschrieb, ermöglichte er nachfolgende Erkundungen und Besiedlungen. Seine zweite Expedition von 1846 bis 1847 sollte vom Osten Australiens bis an den Swan River in Western Australia führen; sie scheiterte nach fünf Monaten. Als er dieses Vorhaben 1848 wiederholen wollte, blieben er und seine Expeditionsmannschaft im Outback verschollen.
In Australien ist Leichhardt sehr bekannt, da er im Geschichtsunterricht behandelt wird. Während in der DDR sein Expeditionstagebuch 1951 und eine Biographie ab 1972 in sechs Auflagen erschienen, tauchten in der Bundesrepublik erst in den 1980er-Jahren Publikationen über ihn auf.
Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Leichh.“
Ludwig Leichhardt kam am 23. Oktober 1813 als sechstes von neun Kindern des Torfinspektors Christian Hieronymus Matthias Leichhardt (1778–1840) zur Welt.
Früher wurde die Familie, die aus dem Harzvorland stammt, Leuckhard geschrieben. Ludwigs Vater wurde am 12. August 1778 in Schadeleben im Fürstentum Halberstadt (Preußen) geboren. Seine Mutter war Charlotte Leichhardt, geborene Strählow (1776–1854). Leichhardt war der Großonkel der Malerin Elisabeth Wolf. Für die damaligen Verhältnisse lebte seine Familie relativ gut. Ludwig selbst war in seinen frühen Jahren körperlich schwächlich und unterzog sich gern anstrengenden Leibesübungen. In der Schule zählte er zu den besten Schülern.
Sein Taufpate, Pastor Rödelius aus Zaue, förderte ihn und brachte ihn auf eigene Kosten an das Gymnasium Friedrich Wilhelm III. in Cottbus, dem ehemaligen Lyzeum an der Oberkirche, wo er 1831 das Abitur erwarb. In seiner Gymnasialzeit soll er ein eifriger Turner gewesen sein. Nach dem Abitur kehrte er nach Hause zurück und sollte die Laufbahn eines Beamten einschlagen. Er entschloss sich jedoch zu einem Studium der Philosophie in Berlin. 1833 wechselte er zur Universität Göttingen und studierte dort praktische Philosophie, Religionsgeschichte und Sprachwissenschaften, später Naturgeschichte, Botanik, Metaphysik und Physik. Dort lernte er William Nicholson und dessen Bruder John kennen, die ihn 1837 nach England mitnahmen. Sie studierten in London und in Paris am Muséum d’histoire naturelle. Sein Studium schloss Leichhardt nicht ab. Im Mai 1838 beantragte er beim preußischen Konsul in London einen Reisepass, der ihm jedoch verweigert wurde, weil er inzwischen zum Militär einberufen worden war. Seine sofortige Heimkehr wurde angeordnet. Er widersetzte sich und erhielt mit Hilfe der Familie Nicholson einen britischen Pass. Damit galt er in Preußen als fahnenflüchtig. Im Jahre 1840 bereisten William Nicholson und Leichhardt mehrere Monate lang Frankreich, Italien und die Schweiz. Am 1. Oktober 1841 fuhr er von Cardiff auf dem Segelschiff Sir Edward Paget nach Australien, um die noch unbekannten Gebiete zu erforschen. Die Überfahrt bezahlte Nicholson, der ihn auch mit Geld zur Schaffung einer ersten Lebensgrundlage in Australien ausstattete. Im Februar 1842 kam Leichhardt in Sydney an.
Auf seiner Schiffsreise lernte Leichhardt den Harfenspieler Stephen Marsh, der später in Sydney eine Karriere als Musiker einschlug, und seine Familie kennen, bei denen er anschließend wohnte. Später wohnte er in Sydney im Haus des britischen Offiziers (barrack master) Robert Lynd, eines 24-jährigen Junggesellen. In Sydney bewarb er sich auf die vakante Stelle des Direktors des Botanischen Gartens von Sydney und als Landvermesser. Beide Bewerbungen wurden abgelehnt. Auf Einladung des Schafzüchters Walter Scott reiste Leichhardt im September 1843 mit einem Dampfschiff nach Newcastle am Hunter River. Von dort unternahm er alleine erste Erkundungen zu Fuß und zu Pferd in mehreren Etappen über insgesamt etwa 4000 Kilometer und sammelte erste Erfahrungen in der Wildnis. Er kam bis in die Liverpool Range und später auch zu Fuß bis zum Mount Royal. Er reiste auch in das Gebiet der etwa 100 Kilometer nördlich liegenden Moreton Bay. Seine letzten Ausritte führten in die Darling Downs und an den Condamine River. Anfang 1844 kehrte er wieder nach Sydney zurück, wo er seine erste Expedition vorbereitete.
Nach Sydney zurückgekehrt, stellte Leichhardt fest, dass die Bereitschaft gestiegen war, eine Forschungsreise in den Norden Australiens zu finanzieren, obwohl die öffentliche Meinung dazu gespalten war. Leichhardt besaß keine eigenen Mittel zur Durchführung einer Expedition und war auf Spenden angewiesen. Deshalb musste er auf aufwendige und teure Gerätschaften wie Kochapparat und Barometer zur Bestimmung der Geländehöhen verzichten und hatte lediglich einen Sextanten, Chronometer, tragbaren Kompass und ein kleines Thermometer sowie eine australische Landkarte von Aaron Arrowsmith dabei.
In Sydney wählte Leichhardt fünf Expeditionsteilnehmer aus und nach ihrer Ankunft mit einem Dampfer in Brisbane weitere vier. Unter den zehn Teilnehmern waren der Naturforscher John Gilbert, John Roper, der Botaniker James Snowden Calvert, der Sträfling William Phillips, der fünfzehnjährige John Murphy, der Entdeckungsreisende Christopher Pemberton Hodgson, der afroaustralische Koch Caleb sowie die eingeborenen Fährtensucher Charley Fisher und Harry Brown. Gilbert galt aufgrund seiner Expeditionserfahrungen im Outback als zweiter Expeditionsleiter, war allerdings nicht mit allen Entscheidungen von Leichhardt einverstanden.
Mit 17 Pferden, 16 Mast- und Zugochsen und Hunden begann die Forschungsreise in den Outback in dem kleinen Ort Jimbour, einem Außenposten der Zivilisation im damaligen Queensland. Schon kurz danach erkannte Leichhardt, dass er seine Mannschaft wegen zu geringer Verpflegung reduzieren musste, und schickte zwei Teilnehmer zurück. Diese Maßnahme reichte nicht aus, sodass er später die Verpflegungsrationen kürzen musste.
Aufgrund fehlender Erfahrungen in der Führung einer Expedition geriet Leichhardt bereits zu Beginn in Auseinandersetzungen, die darin gipfelten, dass die beiden Aborigines eigene Wege gingen. Als er Charley zur Rede stellte, erhielt er Faustschläge ins Gesicht. Daraufhin verwies er beide des Lagers. Anschließend waren sie reuig. Er nahm sie wieder auf, vor allem auch, weil sie für die Fährtensuche nicht zu ersetzen waren.
Leichhardt interessierte sich für die Geologie Australiens, entdeckte ein Kohlevorkommen in Queensland und entnahm Gesteinsproben. In einer seiner Proben wurden Korallen entdeckt, die nach ihm benannt wurden. Er und Gilbert untersuchten unbekannte Fische, Frösche, Schlangen und Eidechsen. Nicht nur diese, sondern auch Klima- und Wetterbeobachtungen hielt er in seinem Reisetagebuch fest, das er an den Abenden niederschrieb. Gilbert und Leichhardt sammelten Pflanzen, präparierten Vögel und Eidechsen. Wegen des Verlusts von Transporttieren und des Platzbedarfs zum Transport von Wildbret mussten jedoch gegen Ende der Expedition große Teile der Sammlungen aufgegeben werden. Die Expedition traf auf zahlreiche Stämme der Aborigines und Leichhardt notierte Angaben über ihre Lebensweise, Ernährung und Werkzeuge. Die Kontaktaufnahme war allerdings erschwert, da Leichhardt keine Gastgeschenke mitgenommen hatte und nur Gebrauchsgegenstände übergab. Für diese interessierten sich die Aborigines aber nicht. Bei einem Überfall kam Gilbert zu Tode und zwei Expeditionsteilnehmer wurden erheblich verletzt, wobei Roper ein Auge verlor.