An diesem Tag

Ludwig Biermann

Deutscher Physiker

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Ludwig Franz Benedikt Biermann (* 13. März 1907 in Hamm; † 12. Januar 1986 in München) war ein deutscher Physiker, insbesondere Astrophysiker.

Ludwig Biermann, Sohn von Thea Biermann, geborener Schulte, und des Juristen Franz Biermann. Sein Urgroßvater war väterlicherseits der Richter und Politiker F. L. Benedikt Waldeck (1802–1870). Er legte 1925 sein Abitur am humanistischen Gymnasium Hammonense in Hamm/Westfalen ab. Nachdem er an der Technischen Hochschule Hannover ein Semester Architektur und Mathematik studiert hatte, studierte er in München, Freiburg im Breisgau und Göttingen Mathematik, Physik und Astronomie. Er wurde 1932 in Göttingen mit einer Arbeit über Konvektionszonen im Innern der Sterne zum Dr. phil. promoviert. 1931 bis 1933 arbeitete er an der Universitätssternwarte Göttingen auf dem Gebiet der Theoretischen Astrophysik. 1933 wurde er Assistent an der Universität Göttingen und 1933/34 als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Universität Edinburgh. Am 1. Mai 1934 wurde er Mitglied der NSDAP. Von Dezember 1934 bis Februar 1937 war er als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universitätssternwarte Jena und erwarb im September 1935 an der Universität Jena den Grad eines Dr. habil. Seit Mai 1937 planmäßiger Assistent der Universität Berlin an der Universitätssternwarte in Babelsberg, wurde er im August 1938 Privatdozent für Astronomie an der Universität Berlin, deren Lehrkörper er letztlich als Dozent neuer Ordnung bis Kriegsende angehörte. Als Mitarbeiter war er an der Herausgabe der Vorträge über kosmische Strahlung von Werner Heisenberg mit einem eigenen Beitrag beteiligt. 1945 wurde er Diätendozent der Universität Hamburg.

Im Jahr 1947 wurde Biermann außerplanmäßiger Professor für Astronomie und Abteilungsleiter für Astrophysik am Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen, 1948 wurde er außerplanmäßiger Professor der Universität Göttingen. Von 1951 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1975 war er „Wissenschaftliches Mitglied“ der Max-Planck-Gesellschaft. 1955 war er Gastprofessor am California Institute pf Technology in Pasadena, am Haverford College und an der Princeton University. Am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in München war er 1958 Direktor des Instituts für Astrophysik. Sein Hauptgebiet waren die theoretische Astrophysik und hier speziell der Aufbau der Sterne. 1959 wurde er Honorarprofessor der Universität München, 1968 war er Special Visiting Professor an der University of Colorado in Boulder. Biermann war Mitherausgeber der Zeitschriften Planetary and Space Science und Astrophysical Letters beteiligt.

Ludwig Biermann war ab 1942 verheiratet mit Ilse Biermann, geborener Wandel, und hatte drei Kinder. Er starb 1986 in München.

Biermann sagte 1951 die Existenz des Sonnenwinds voraus, der erstmals 1959 nachgewiesen wurde. Er stützte diese Theorie auf die Ausrichtung der Gasschweife der Kometen, welche auf den Sonnenwind zurückzuführen sei. Weiterhin beschäftigte er sich mit Anwendungen der Plasmaphysik und Elektrodynamik auf astrophysikalische Probleme, der Theorie der kontrollierten Kernfusion und der kosmischen Strahlung.

Biermann wurde am 24. Mai 1943 (dem 400. Todestag von Nikolaus Kopernikus) mit dem Nikolaus-Kopernikus-Preis des Instituts für Deutsche Ostarbeit Krakau, 1967 mit der nach Wolfe Bruce benannten Bruce Medal in Gold der Astronomical Society of the Pacific, 1973 mit Emil-Wiechert-Medaille der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, 1974 mit der Goldmedaille der Royal Astronomical Society in London und 1980 mit der Karl-Schwarzschild-Medaille der Astronomischen Gesellschaft ausgezeichnet. Nach ihm wurde der Ludwig-Biermann-Förderpreis benannt.

Er war korrespondierendes Mitglied der Société Royale der Astronomical Society in London. Der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gehörte er ab 1961 als ordentliches Mitglied an. 1969 wurde er zum Ehrendoktor (Dr. sc. h. c.) der University of Colorado in Boulder ernannt. Ab 1972 war er gewähltes Mitglied der Gelehrtenakademie bzw. der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte Leopoldina und ab 1976 Mitglied der National Academy of Sciences. Er war auch Mitglied der Internationalen Astronomischen Union, der Astronomischen Gesellschaft und der International Academy of Astronautics sowie Foreign Associate der National Academy of Sciences in Washington.

Ludwig Biermann, Arnulf Schlüter: Über die Göttinger Arbeiten zur kontrollierten thermonuklearen Fusion. in: Mitteilungen aus der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Heft 3/1957, S. 146–163

Biermann, Ludwig. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 98.

Max-Planck-Gesellschaft (Hrsg.): Ludwig Biermann : 1907–1986, München : Generalverwaltung d. Max-Planck-Gesellschaft, Referat Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit (1988), Reihe: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften: Berichte und Mitteilungen ; H. 88,2.

Richard Wielebinski: Ludwig Franz Benedikt Biermann: The Doyen of German Post War Astrophysics, in: Journal of Astronomical History and Heritage, 18(3), 277–284(2015) online, PDF

Literatur von und über Ludwig Biermann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Biographische Informationen (engl.)

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