An diesem Tag

Ludwig Armbruster

Deutscher Zoologe

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Ludwig A. Armbruster (* 7. September 1886 in Markdorf; † 4. Juni 1973 in Lindau (Bodensee)) war ein deutscher Zoologe. Er gilt als einer der herausragenden Bienenkundler des 20. Jahrhunderts, dessen Arbeit bis heute Anerkennung findet.

Als „Judenfreund“ wurde Ludwig Armbruster 1934 von der Berliner Universität entlassen und erst im Jahr 2007 rehabilitiert.

Ludwig Armbruster war der Sohn des Postbeamten Adolf Jacob Armbruster und der Lehrerin Luise, geborene Kaiser. Er besuchte das Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen sowie das spätere Berthold-Gymnasium in Freiburg bis zum Abitur, das er mit sehr guten Leistungen bestand. Von 1904 bis 1907 studierte er katholische Theologie an der Universität Freiburg, anschließend bis 1909 Naturwissenschaften an der Universität München. Nach der Priesterweihe 1909 war er Vikar in der Pfarrei Sankt Urban in Freiburg. Im Jahre 1910 wurde er Präfekt am Gymnasialkonvikt in Freiburg, 1911 zu weiteren Studien beurlaubt.

Er setzte das Studium der Naturwissenschaften in Freiburg fort und beendete dieses im Februar 1913 mit der Promotion am Zoologischen Institut zum Thema Die Chromosomenverhältnisse bei der Spermatogenese solitärer Apiden. Anschließend legte er das Staatsexamen für das Lehramt an den höheren Schulen Badens ab und wurde 1914 Lehrer am Gymnasium Achern.

Nach bienenkundlichen Forschungsvorhaben am Zoologischen Institut in Freiburg und 1917 bei Erwin Baur in Berlin kam er 1918 als wissenschaftlicher Assistent und „Wissenschaftliches Mitglied“ des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biologie nach Berlin. Zwischen 1919 und 1923 war er am Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie in Berlin-Dahlem Leiter der Forschungsstelle für Bienenkunde. Armbruster habilitierte sich 1919 auf dem Gebiet der Zoologie und übernahm 1923 als Professor und Direktor das Institut für Bienenkunde an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin-Dahlem.

Anfang der 1920er Jahre gelang es Ludwig Armbruster, ein Farbensehen bei Wespen nachzuweisen. Analog zu den Versuchen, die Karl von Frisch durchgeführt hatte, benutzte er hierzu farbige, schachbrettförmig angeordnete Quadrate. Mit diesen im Jahre 1921 begonnenen Versuchen konnte er nachweisen, dass Wespen nicht nur Blau und Gelb, sondern auch andere Farben unterscheiden können.

Ludwig Armbruster war auch als gerichtlicher Sachverständiger tätig, so etwa 1920 in einem Prozess gegen die Aluminium- und Karbidhütte in Lend wegen Schäden, die durch Rauch an Bienenvölkern entstanden waren.

1929 wurde Ludwig Armbruster zum ordentlichen Professor ernannt. Um 1930 nutzte er auch das neue Medium Rundfunk, um seine Forschungen an Bienen einem größeren Publikum zu vermitteln, z. B. in der Sendungen „Mit dem Mikrophon am Bienenstand“ (im Rahmen des Schulfunks) oder „Bienenpflege im Herbst und Winter“.

Anfang 1934 verfügte der neu eingesetzte und nationalsozialistisch eingestellte Rektor Friedrich Schucht die Entlassung von Armbruster, da dieser „vom nationalsozialistischen Standpunkt aus als Lehrer an einer Hochschule nicht tragbar“ und „ausgesprochen judenfreundlich“ sei, habe er doch „den jüdischen Appell an das Weltgewissen unterschrieben, ein Umstand, der allein schon die weitere Tätigkeit Armbrusters als Hochschullehrer unmöglich machen dürfte.“ Armbruster hatte auch 1933 gegen störende Auftritte von SA-Studenten im Braunhemd und mit Hakenkreuzfahne an der Berliner Universität protestiert und am 2. März 1933 mit Begründung die Unterschrift auf der Zustimmungserklärung für die Hitlerregierung verweigert.

Seine Kontakte zu jüdischen Bienenkundlern in Palästina, seine Kooperation mit jüdischen Bienenforschern bei der wissenschaftlichen Arbeit und insbesondere die Mitgliedschaft im „Deutschen Komitee pro Palästina“ kosteten ihn wohl letztlich seinen Lehrstuhl. Armbruster hatte zahlreiche jüdische Studenten, die er menschlich behandelte und unterstützte. So hatte er 100 Juden mit einem Facharbeiterbrief, der zur Ausreise nach Palästina nötig war, das Leben gerettet. Bereits vor 1933 geriet er dadurch ins Blickfeld der Nationalsozialisten. So erhielt er am 23. März 1934 Berufsverbot; als Nachfolger war Werner Ulrich bereits einen Monat zuvor vorgeschlagen worden, der nach eigenem Bekunden „das große Vergnügen“ hatte, ihn „in hohem Bogen rausfliegen zu sehen“. Ulrich denunzierte Armbruster wiederholt u. a. beim Reichserziehungsministerium wegen seiner jüdischen Kooperation und wegen eines Verhältnisses mit seiner Sekretärin vor Gericht, drohte, noch Weiteres zu berichten, und sprach von „unfassbaren Verbrechen“, mit denen er in dem ehemals von Armbruster geleiteten Institut in Berührung gekommen war. Ulrich behielt nach 1945 nicht nur seine Stelle, sondern wurde auch Gründungsdekan der naturwissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität in Westberlin, obwohl er in der 1935 gegründeten SS-Forschungseinrichtung Ahnenerbe tätig gewesen war. Armbruster wurde weder in Freiburg noch in Berlin wiedereingesetzt.

Armbrusters Funktionsstelle wurde 1934 gesetzeswidrig in ein Ordinariat für Ackerbau und Landbaupolitik umgewandelt und mit dem NSDAP- und SS-Mitglied Konrad Meyer besetzt. Obwohl dieser für seine Federführung beim Generalplan Ost in einem Kriegsverbrecher-Nachfolgeprozess zu 2 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt worden war, wurde Meyer 1956 wieder ordentlicher Professor in Hannover.

Am 19. September 1945 wurde Armbruster von der französischen Militärregierung als Gegner des Naziregimes (Adversaire du Regime Nazi) anerkannt und anschließend als Generalinspekteur für Landwirtschaft in der Französischen Besatzungszone eingesetzt.

Seine gesellschaftliche Rehabilitierung erfolgte am 28. August 1957, als auf Vorschlag des Bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner ihm das Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen wurde.

Anfang des 20. Jahrhunderts forschte Armbruster im Edelzuchtgebiet „Platte“ des Imkervereins Sankt Peter. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er in seinem bis heute anerkannten und weltweit ersten Standardwerk der Bienenzüchtungskunde.

Durch die nach England reisenden Schwarzwälder Uhrenhändler kam ein Exemplar seiner Schrift zu dem aus Schwaben stammenden Mönch Bruder Adam, eigentlich Karl Kehrle, in das englische Kloster Buckfast. Bruder Adam war an Armbrusters Arbeiten insbesondere deshalb interessiert, weil die damals in England grassierende Tracheenmilbe nach amtlichen Angaben bis zu 90 Prozent der Bienen weggerafft hatte. Nur nach Kreuzungen mit anderen Unterarten der Westlichen Honigbiene konnten die englischen Bienenstöcke überleben. Bruder Adam begann nach Armbrusters Bienenzüchtungskunde zu züchten.

Bruder Adams Buckfastbiene ist inzwischen weltweit verbreitet und bei Erwerbs- und Berufsimkern sehr beliebt. Bruder Adam widmete auch sein Hauptwerk Züchtung der Honigbiene seinem Inspirator Ludwig Armbruster. Bis heute werden nach Armbrusters Bienenzüchtungskunde und seinen späteren Ergänzungen im Archiv für Bienenkunde weltweit Bienenrassen widerstandsfähiger gemacht und weitergezüchtet.

Armbruster war zwischen 1919 und 1966 Herausgeber des Archiv[es] für Bienenkunde. Zeitschrift für Bienenwissen und Bienenwirtschaft in insgesamt 41 Bänden. Dort beschrieb und kommentierte er fast 50 Jahre lang die Weltliteratur der Bienenwissenschaft, so auch beispielhaft die Berufsimkerei von Bruder Adam im Kloster Buckfast als richtungsweisend für wirtschaftliches Imkern in Europa. Die Internationale Bee Research Association führt heute dieses Lebenswerk weiter.

Für die Hobbyimker im deutschsprachigen Raum hatte er seit 1918 leichte, warme und raumsparende Magazinkästen mit je 9 Waben 20 × 40 cm (Langstroth, Zander), Flugloch und Lüftung im Bodenbrett, sowie Futtereinrichtung als Patent entwickelt. Diese Magazinbetriebsweise wurde von Imker Karl Pfefferle aus Münstertal weiter verbessert und im gesamten deutschsprachigen Raum stark verbreitet.

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