Lucy O’Reilly Schell (* 26. Oktober 1896 in Paris; † 8. Juni 1952 in Monaco) war eine US-amerikanische Automobilrenn- und Rallyefahrerin. Sie galt als treibende Kraft des französischen Motorsportteams Écurie Bleue, das von 1936 bis 1940 erfolgreich an Grand-Prix- und Sportwagenrennen teilnahm. Es gewann 1937 den „Millionen-Franc-Preis“ für Delahaye und 1938 den Grand Prix de Pau.
Lucy O’Reilly war das einzige Kind des irisch-amerikanischen Millionärs Francis Patrick O’Reilly (1848–1937) und der Französin Henriette Celestine geborene Roudet. In Frankreich lernte sie den Rennfahrer Lawrence „Laury“ Schell (1895–1939) kennen. Die beiden prägten die französische Gesellschaft und die Rennsportszene. Sie lebten in Paris und wurden Eltern der Söhne Henry „Harry“ und Philip. Laury Schell kam im Team Écurie Bleue in Spa-Francorchamps sowie bei der Mille Miglia 1937 auf dritte Plätze und hatte weitere kleinere Erfolge. Er kam im Oktober 1939 bei einem PKW-Unfall ums Leben, seine Frau wurde schwer verletzt.
Harry Schell (* 1921) war mit seiner Teilnahme am Großen Preis von Monaco 1950 der erste US-amerikanische Formel-1-Fahrer. In den 1950er Jahren ein bekannter Fahrer, kam er 1960 bei einem Unfall seines privaten Cooper T51 ums Leben. Philip Schell (1923–1991) fuhr 1951 einige Formel-3-Rennen und siegte in Pau und Orléans. Die vier Familienmitglieder Schell wurden im Grab der O’Reillys in Brunoy bei Paris beigesetzt.
Lucy O’Reilly Schell gehörte zu den ersten Frauen im Rennsport und fuhr seit den späten 1920er Jahren Rennen sowie Rallyes mit verschiedenen Fahrzeugen. Beim Grand Prix de La Baule 1927 belegte sie in einem Bugatti Type 37 den zwölften Platz und im folgenden Jahr den zweiten Platz. Zwei Jahre später gewann sie 1929 den Damenpokal (Coupe des Dames) der Rallye Monte Carlo und erreichte in einem 2-Liter-Talbot M67 den achten Platz in der Gesamtwertung. In den folgenden Jahren kehrte sie immer zu dieser bekannten Veranstaltung zurück und wurde 1931 sowie 1935 jeweils Dritte und 1936 mit ihrem Ehemann als Beifahrer Zweite. Sie nahm auch an mehreren Ausgaben der Rallye Féminin Paris–Saint-Raphaël teil und gewann einzelne Prüfungen.
Mit einem, von Henri Chapron entworfenen, Delahaye Cabriolet gewann sie im April und Mai 1938 jeweils den Concours d’Elegance von Cannes bzw. von Juan-les-Pins.
1927 Grand Prix de La Baule: 12. Platz
1928 Grand Prix de La Baule (Bugatti T37A): 8. Platz
1928 Coupe Bourgogne (4 Stunden; Bugatti T37A): 4. Platz & Klassensieg
1928 Grand Prix in Montlhéry (Letzter GP der Cyclecars; Bugatti T37A): 2. Platz
1932 Grand Prix de La Baule (Alfa Romeo 6C): 10. Platz
1935 Grand Prix de la Marne (?): 6. Platz
1929 (Talbot 2,0 l): Damenpokal & 8. Platz
1932 (Bugatti): 7. Platz; mit Laury Schell
1935 (Delahaye 135): 3. Platz; mit Laury Schell
1936 (Delahaye 135): 2. Platz; mit Laury Schell
1934 Critérium Paris–Nice: Damenpokal
1935 Critérium Paris–Nice (Delahaye 1,6 l): Damenpokal & 4. Platz
1936 Rallye Paris–Saint-Raphaël Féminin