Lucien François Louis Dior (geboren am 4. Juli 1867 in Granville; gestorben am 20. Mai 1932 in Neuilly-sur-Seine) war ein französischer Industrieller und Politiker der Dritten Republik.
Lucien Dior stammte aus einer Industriellenfamilie aus dem Département Manche und war der Sohn von Lucien Léon Dior. Dieser war Direktor der familieneigenen Fabrik für chemische Düngemittel, Präsident der Handelskammer von Granville und von 1890 bis 1892 Bürgermeister von Granville.
Nach dem Besuch des Collège de Granville und anschließend des Collège Stanislas in Paris begann er ein Studium an der École polytechnique. Nach seinem Abschluss vervollständigte er seine landwirtschaftliche Ausbildung, indem er zunächst als Chemielaborant am Institut national agronomique tätig war und anschließend als Beauftragter des Landwirtschaftsministeriums nach England entsandt wurde, um die Herstellung chemischer Düngemittel zu untersuchen.
Am 10. Dezember 1889 heiratete er in Paris Charlotte Marie Jeanne Lhomer, Tochter von Jean Louis Lhomer, Börsenmakler und Bürgermeister von Rosny-sur-Seine, und von Marie Hélène Jean, mit der er folgende Kinder hatte: Jacques (1894–1978), Absolvent der École Polytechnique, Artillerieoffizier und Unternehmensverwalter, sowie Pierre (1901–1964), Doktor der Rechtswissenschaften, Referendar am Rechnungshof und Ritter der Ehrenlegion. Er übernahm gemeinsam mit seinem Cousin Maurice, dem Vater des späteren Modeschöpfers Christian Dior, die Leitung der familieneigenen Düngemittelfabrik und wurde 1897 zum Mitglied des Handelsgerichts von Granville gewählt, dessen Vorsitz er kurz darauf übernahm.
Nachdem er 1902 in den Stadtrat von Granville eingetreten war, kandidierte er für den Abgeordnetenposten von Avranches und wurde am 6. Mai 1906 unter dem Banner der Alliance démocratique gewählt. Dem Parlament gehörte er bis 1932 an. Um 1910 war er einer der Vizepräsidenten der Union du commerce et de l'industrie pour la défense sociale. 1911 verlegte er den Firmensitz der Dior-Werke nach Paris.
Aristide Briand berief ihn 1921 zum Handelsminister. Zu dieser Zeit war er Mitglied eines protektionistischen Arbeitgeberverbandes, der Association de l’industrie et de l’agriculture françaises, die diese Ernennung begrüßte. Raymond Poincaré bestätigte ihn in seinem Amt. Anlässlich der Weltausstellung in Mailand überreichte er am 12. April 1923 Benito Mussolini den Orden der die Ehrenlegion.
Von 1925 bis 1932 war er Generalrat der Manche.
Jean Jolly: Dictionnaire des parlementaires français de 1889 à 1940. Presses Universitaires de France, Paris 1960 (assemblee-nationale.fr).
Lucien Dior. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 19. Mai 2026 (französisch).
Angaben zu Lucien Dior in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.