Marie Louise von François (* 27. Juni 1817 in Herzberg (Elster); † 25. September 1893 in Weißenfels) war eine deutsche Schriftstellerin. Ihr Werk umfasst vor allem Romane und Novellen sowie eine Geschichte der preußischen Befreiungskriege.
Marie Louise von François war die Tochter des preußischen Majors Friedrich von François (1773–1818) und dessen Gemahlin, geborene Amalie Hohl. Sie stammte aus einer 1774 nobilitierten hugenottischen Offiziersfamilie und wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf. Nach dem frühen Tod ihres Vaters verlor sie durch die Fahrlässigkeit ihres Stiefvaters und Vormunds ihr Erbe. Dieser Stiefvater nahm sich das Leben, als sie zehn Jahre alt war. So erhielt sie einen nur mäßigen Privatunterricht, bildete sich aber autodidaktisch weiter. Erste literarische Anregungen erhielt sie durch Kontakte mit Fanny Tarnow und Adolf Müllner, dadurch lernte sie auch Graf Alfred von Goertz kennen, mit dem sie sich 1834 verlobte. Mangels finanzieller Mittel löste das Paar diese Verlobung nach Jahren, blieb aber freundschaftlich verbunden.
Ab 1848 lebte Louise von François im Haushalt ihres Onkels, des preußischen Generals Karl von François, der in dieser Zeit in Minden, Halberstadt und Potsdam eingesetzt war. Dessen Sohn, der Generalmajor Bruno von François (1818–1870), zählte ebenso zu ihren Cousins ersten Grades wie der Verwaltungsjurist Alexander von François (1813–1861) sowie der Generalmajor Gustav von François (1815–1877). Nach dem Tod von Karl von François im Jahr 1855 zog sie zu ihrer Mutter nach Weißenfels, um sie und den erblindeten zweiten Stiefvater zu pflegen, bis diese 1871 und 1874 starben. Materiell verarmt, intellektuell aber reich ausgestattet, konnte sie bereits von ihrem Schreiben leben. Ihr Hauptwerk, Die letzte Reckenburgerin, ein 1871 erschienener Familienroman, wurde von der Kritik mit größter Anerkennung aufgenommen. Insbesondere Gustav Freytag pries den hohen Wert dieses Werks. Von 1880 an unterhielt sie Briefkontakte mit Marie von Ebner-Eschenbach und Conrad Ferdinand Meyer, nahm aber sonst nur noch wenig am Gesellschaftsleben teil. Ihr zurückgezogenes Leben in den letzten Jahren wurde lediglich von kleineren Reisen im deutschsprachigen Raum unterbrochen.
Ihre Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof III (jetziger Friedhof) in Weißenfels. Ihr Wohnhaus ist heute in Privatbesitz. Ein Schauraum ist der Dichterin und ihrem Werk gewidmet.
Ihre schriftstellerische Laufbahn begann sie meist anonym mit kleineren Novellen im Cotta’schen Morgenblatt für gebildete Stände. Ihre Geschichten aus dem Gebiet der heutigen Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigen die genaue Beobachterin, wichtige Ereignisse ihrer Zeit spiegelt sie in ganz besonderer Weise wider. Geprägt war ihr Schreiben von konservativ-protestantischer Sittlichkeit. Hervorzuheben ist ihr Schreibstil:
Die letzte Reckenburgerin. Roman. S.n., Berlin 1871 (Vorabdruck in: Deutsche Roman-Zeitung. Berlin 1870, ZDB-ID 512944-8).
Band 1. Janke, Berlin 1871. (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv); Band 2. Janke, Berlin 1871 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv).
Vollständige Ausgabe, Schreiter, Berlin 1927 (archive.org).
Neuauflage 2015, ISBN 978-3-8430-9501-3.
Frau Erdmuthens Zwillingssöhne. Roman. Janke, Berlin 1873.
Band 1 (digitale-sammlungen.de)
Band 2 (digitale-sammlungen.de)
Neuauflage 1944. Gauverlag Bayreuth.
Neuauflage 1954. Mit einem 22-seitigen Vorwort von Emil Staiger. Manesse Verlag, Zürich.
Neuauflage 2018, ISBN 978-3-7437-2378-8 (Taschenbuch), ISBN 978-3-7437-2379-5 (gebundenes Buch).
Geschichte der preußischen Befreiungskriege in den Jahren 1813–15. (Berlin 1873).
Stufenjahre eines Glücklichen. Roman. Berlin 1877; Digitalisat. zeno.org
Band 1 (digitale-sammlungen.de)