Françoise Louise de La Baume Le Blanc, Herzogin von La Vallière und Vaujours, genannt Louise de La Vallière (* 6. August 1644 in Tours; † 6. Juni 1710 in Paris), war ab 1661 Mätresse des französischen Königs Ludwig XIV. Sie gebar mehrere Kinder und wurde 1667 durch Madame de Montespan in seiner Gunst verdrängt, danach musste sie noch bis 1674 am Hof verweilen. Als 30-Jährige trat sie in ein Karmelitinnenkloster ein und lebte dort bis zu ihrem Tod 36 Jahre später.
Françoise Louise de La Baume Le Blanc, die bald mit ihrem zweiten Vornamen gerufen wurde, entstammte altem, aber verarmtem Adel, der eigentlich in Bourbonnais ansässig war. Sie war die Tochter eines Kavallerieoffiziers, Laurent de la Baume le Blanc, Seigneur von La Vallière, Gouverneur des Königsschlosses zu Amboise, und der Françoise Le Prévost. Ihre Kindheit verlebte sie auf zwei Familienbesitzungen, und zwar im Hôtel de la Crouzille in Tours sowie im lieblich gelegenen Schloss La Vallière in Reugny. Sie wuchs in tiefkatholischem Provinzadel auf; so wurde ihr Onkel Gilles 1668 Bischof von Nantes und sie selbst erhielt eine erste primär literarisch geprägte Ausbildung durch zwei Tanten, die Ursulinen-Nonnen Élisabeth und Charlotte.
Louises Vater starb 1651 oder 1654, und ihre Mutter heiratete am 2. März 1655 in dritter Ehe Jacques de Courtavel, Marquis de Saint Rémy, ersten Haushofmeister des Herzogs Gaston d’Orléans, der Louise ein guter Stiefvater wurde. Mit ihm kam Louise nach Blois an Gastons Hof. Der Herzog hatte mit seiner zweiten Gattin Margarete von Lothringen drei Töchter, Marguerite-Louise, Françoise-Madeleine und Élisabeth-Marguerite, die etwa gleich alt wie Louise waren. Louise wurde mit diesen drei Prinzessinnen erzogen und war deren Gespielin. Der vom Abbé de Rancé geleitete Unterricht umfasste neben Literatur u. a. auch Bildende Kunst und Musik. So lernte Louise die Hofetikette, ferner zu singen, tanzen, reiten und orthografisch korrekt zu schreiben.
Nach dem Tod Herzog Gastons von Orléans zog seine Witwe mit ihren Töchtern in den Palais du Luxembourg in Paris, und die inzwischen 16-jährige Louise und deren Eltern begleiteten sie. Louise blieb die Freundin von Gastons Töchtern, unter denen ihr Marguerite-Louise besonders zugetan war. Wenn sie auch seit einer Verletzung an der Ferse leicht hinkte und nach dem Urteil des Abbé de Choisy, eines Jugendfreunds, keine überragende Schönheit war und keinen großen Geist besaß, war Louise doch zu einem charmanten, besonnenen und zurückhaltenden Mädchen von gewinnender Bescheidenheit herangewachsen, das viel las, um sich zu bilden. Sie hatte blondes Haar, blaue Augen und eine melodische Stimme, avancierte zu einer gewandten Reiterin und verstand es, treffsicher mit einer Pistole umzugehen.
Durch den Einfluss einer entfernten Verwandten, Madame de Choisy, wurde Louise de La Vallière Ehrendame von Henrietta Anne Stuart, genannt Madame, die Schwester des englischen Königs Karl II. war, etwa im gleichen Alter wie Louise stand und gerade am 31. März 1661 den Herzog Philipp von Orléans, Bruder des Königs Ludwig XIV., geheiratet hatte. Henrietta war sehr attraktiv, stand am Hof in Fontainebleau bald in freundschaftlichstem Verhältnis zu ihrem königlichen Schwager und verbrachte jeden Tag viel Zeit mit ihm bei allerlei Zerstreuungen, so dass Gerüchte über eine Liebesromanze aufkamen. Die Königinmutter Anna von Österreich sah sich wegen der Eifersucht von Ludwigs Gemahlin, der Königin Marie Therese, und des Ärgers von Henriettas Gatten zum Einschreiten veranlasst.
Zur Vermeidung eines Skandals und weiterer Irritationen mit ihren Eltern vereinbarte Henrietta im Juli 1661 mit Ludwig XIV., dass er zum Schein drei von ihr ausgewählten Hofdamen seine Aufmerksamkeit schenken sollte. Neben zwei Hofdamen aus dem Gefolge der Königin, Mademoiselle de Pons und Mademoiselle de Chimerault, war auch Henriettas Ehrendame Louise für diese Ablenkung vom Techtelmechtel zwischen Ludwig und seiner Schwägerin vorgesehen. Die ahnungslose Louise war in das Ränkespiel nicht eingeweiht und glaubte an die Aufrichtigkeit der Gunstbezeugung des sechs Jahre älteren Monarchen. In der Folge verliebte sich der König aber genauso in Louise wie diese in ihn. Während Henrietta das Nachsehen hatte, war Louise erst zwei Monate in Fontainebleau, als sie Mätresse des Königs wurde. Es war Louises erste ernsthafte Beziehung, und sie war ein unschuldiges, frommes Mädchen, das nicht mit Eigennutz auf ihre Beziehung sah. Sie war nicht an Geld oder Titeln interessiert, die ihr die Situation verschaffen konnte, sondern wollte ausschließlich – wie etwa Madame de Caylus und Madame de La Fayette sie einschätzten – die Liebe des Königs.
Louise und der König versuchten zwar, ihre Liaison geheimzuhalten, die aber dennoch bald ein offenes Geheimnis am Hof wurde. Als etwa Ludwig bei einer von seiner Mutter arrangierten Lotterie ein diamantenbesetztes Armband gewann, überreichte er es Louise, die es zwar zurückgab, aber vom König das Kompliment erhielt, ihre Hände seien zu schön, um es nicht zu behalten. Louise ihrerseits schenkte dem König einen von ihrem geringen Lohn als Hofdame erworbenen Pelzmantel. Gegenüber der französischen Königin und Gott empfand sie wegen ihrer außerehelichen Beziehung tiefe Schuld und litt daher unter Gewissensqualen. Bewerbungen verschiedener Hofherren wie Loménie de Brienne wies sie zurück. Nicolas Fouquets Neugierde an der Mätresse war einer der Gründe, warum er in Ungnade fiel. Er suchte Louise nämlich zu bestechen, den König für ihn auszuspionieren, doch Louise lehnte indigniert ab und berichtete Ludwig klagend davon.
Mit seiner Mätresse unternahm der König öfters Reitausflüge zum damals noch nicht ausgebauten Schloss Versailles, das als Liebesversteck des Paars diente. Im Februar 1662 kam es aber zwischen Ludwig und seiner Geliebten zu einem ernsten Konflikt, weil Louise es ablehnte, ihm über ihr Treffen mit ihrer intriganten Freundin Anne-Constance de Montalais zu berichten. Von dieser hatte Louise nämlich vom Verhältnis von Henrietta Anne Stuart mit dem Grafen Armand de Guiche erfahren, der angeblich auch homosexuelle Beziehungen zu Henriettas Ehemann pflegte; und Louise, die sich zur Geheimhaltung der Liaison von Madame verpflichtet hatte, aber auch nicht lügen wollte, schwieg nun gegenüber dem König hartnäckig. Ludwig war darüber sehr erbost. Louise zog sich traurig in das Salesianerinnen-Kloster Sainte-Périne in Chaillot zurück, wohin der König ihr schnell folgte, sich mit ihr versöhnte und sie zur Rückkehr in den Palais des Tuileries überredete. Zu dieser Zeit hielt aber der Kleriker Jacques Bénigne Bossuet etliche Fastenpredigten, in denen er die unmoralischen Aktivitäten des Königs am Beispiel des Ehebruchs des jüdischen Königs David geißelte. Wegen dieser Vorhaltungen durchlebte die fromme Louise innere Konflikte.
1662 richtete Ludwig zu Ehren seiner Mätresse vor dem Palais des Tuileries ein Reiterfest für seine Höflinge, genannt Caroussel, aus. Louise, die an mancherlei vom König veranstalteten Festen teilnahm, wurde viel angefeindet und war Ziel gehässiger Intrigen. Olympia Mancini, Comtesse de Soissons und Nichte Kardinal Mazarins, war ihr etwa feindlich gesinnt und versuchte ihren Untergang zu erreichen, indem sie der Königin Marie Therese im November 1662 einen anonymen Brief schicken ließ, in dem von der Liaison des Königs mit Louise berichtet wurde. Das Schreiben gelangte jedoch zuerst in die Hände von Doña Molina, einer Hofdame der Königin, die es nicht ihrer Herrin übergab, der somit als einer von Wenigen weiter das außereheliche Verhältnis ihres Gatten verborgen blieb. Derweilen hatte Ludwig auch Affären mit anderen Frauen wie der Prinzessin von Monaco, einer Schwester des Grafen von Guiche. Schließlich klärte Olympia Mancini die Königin im direkten Gespräch über die Seitensprünge ihres Gemahls auf, worüber Marie Therese sehr wütend war. Diese Situation nutzte aber der König, ohne sein Liebesverhalten zu ändern, zu nunmehriger Offenheit gegenüber seiner Gattin, wodurch er etwa Louise mehr ins öffentliche Blickfeld rücken konnte.