Karen Louise Erdrich (* 7. Juni 1954 in Little Falls, Minnesota) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin. Sie lebt in Minneapolis.
Louise Erdrich stammt väterlicherseits von einem deutschen Einwanderer ab, ihr Großvater mütterlicherseits, Patrick Gourneau, war von 1953 bis 1959 „tribal chairman“ der „Turtle Mountain Band of Ojibwe“ (Chippewa) in North Dakota. Ihr Vater Ralph Erdrich arbeitete im Wahpeton-Reservat im Büro für Indianerfragen und unterrichtete Deutsch und Englisch. Durch ihn wurde Louise Erdrich auch auf Karl Mays Indianerbücher aufmerksam. Ihre Mutter Rita Erdrich betreute als Sozialarbeiterin alkoholgeschädigte Kinder.
Erdrich wuchs als das älteste von sieben Geschwistern im Reservat auf. Später besuchte sie ein College an der Ostküste (Dartmouth). 1976 bis 1979 studierte sie Anthropologie an der Johns-Hopkins-Universität. Nach Jobs als Kellnerin, Literaturlehrerin in einem Gefängnis und Sekretärin einer Baufirma wurde Erdrich Redakteurin der Zeitschrift Circle.
Von 1981 bis 1996 war Louise Erdrich mit dem Anthropologen und Schriftsteller Michael Dorris verheiratet. Das Paar hat drei adoptierte und drei eigene Kinder. 1997 starb Dorris durch Suizid.
Erdrich führt neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit eine unabhängige Buchhandlung. 2001 brachte sie ihre jüngste Tochter zur Welt.
Erdrichs Romane sind zumeist in einem fiktiven Indianerreservat im US-Staat North Dakota angesiedelt, von 1912 bis zur Gegenwart und verarbeiten die Familiengeschichte der Autorin. Sie beschreiben die Beziehungen der Indianer untereinander, die Schicksale weißer Familien teilweise deutscher Herkunft und die Beziehungen zwischen „Rot“ und „Weiß“. Erdrich legt ein besonderes Gewicht auf Menschen, die sowohl indianischer als auch europäischer Herkunft sind.
Der Roman The Antelope Wife (1998, dt. Die Antilopenfrau), weicht als erster vom bekannten Setting ab. In ihm geht Erdrich besonders der Frage nach, wie Menschen, die sowohl indianisches als auch europäisches Erbe haben, mit dem Trauma der Vergangenheit umgehen und in der multikulturellen Gesellschaft der USA leben können, ohne ihr indianisches Erbe zu verleugnen.
Die Figuren aller Romane Erdrichs sind komplex gezeichnet. Erdrich stellt deren Licht- und Schattenseiten dar und schafft dabei ein hohes Identifikationspotenzial. Ihr Stil ist plastisch und humorvoll und erinnert oft an die indianischen Trickster und die europäischen Schelmenromane. Wegen des Neben- und Miteinanders von Realität und magischen Elementen sind ihre Werke auch dem Magischen Realismus zugeordnet worden.
Preis der Academy of American Poets, 1975
National Book Critics Circle Award, 1984 für Love Medicine
World Fantasy Award, für The Antelope Wife
Mitglied der American Academy of Arts and Letters, 1998
American Academy of Arts and Sciences, Wahl 1999
National Book Award, Sparte Fiction, 2012 für The Round House
Holbrooke Award for Lifetime Achievement des Dayton Literary Peace Prize, 2014
Library of Congress Prize for American Fiction, 2015
National Book Critics Circle Award, 2016 für LaRose
Phoenix Award, 2019 für The Birchbark House