An diesem Tag

Louis van Gaal

Niederländischer Fußballspieler und -trainer

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Aloysius Paulus Maria „Louis“ van Gaal [luˈwi vɑŋˈɣaːl] (* 8. August 1951 in Amsterdam) ist ein ehemaliger niederländischer Fußballspieler und -trainer sowie Ritter im Orden von Oranien-Nassau. Er zählt zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Trainern seiner Generation und ist vor allem als Verfechter des systematisch strukturierten, taktisch geprägten „Systemfußballs“ bekannt. Internationale Anerkennung erlangte van Gaal in den 1990er Jahren mit Ajax Amsterdam, mit dem er 1995 die UEFA Champions League gewann. In der Folge führte er auch den FC Barcelona, AZ Alkmaar sowie den FC Bayern München jeweils zur nationalen Meisterschaft. Darüber hinaus betreute er dreimal die niederländische Nationalmannschaft und erreichte mit ihr bei der Weltmeisterschaft 2014 den dritten Platz.

„Louis“ van Gaal wurde am 8. August 1951 in Amsterdam geboren und wuchs im Stadtteil Watergraafsmeer auf. Er war das jüngste von neun Kindern und entstammte einem streng katholischen Elternhaus, das von Pflichtbewusstsein und Arbeitsethos geprägt war. Sein Vater Bernardus Franciscus van Gaal (1910–1963) war nach einem Herzinfarkt bettlägerig und verstarb, als Louis elf Jahre alt war. Als Schüler besuchte van Gaal zunächst ein katholisches Lyceum und anschließend die Hogereburgerschool.

In seiner Jugend spielte van Gaal für den lokalen Amateurverein RKSV De Meer, bevor er 1967 in die Nachwuchsabteilung von Ajax Amsterdam aufgenommen wurde. Ab 1971 gehörte er zum Profikader, kam jedoch ausschließlich für die Reservemannschaft zum Einsatz. Zur damaligen Zeit zählte der AFC Ajax unter Trainer Rinus Michels und Johan Cruyff zu den erfolgreichsten Vereinsmannschaften Europas und prägte den sogenannten „totaalvoetbal“ (totalen Fußball). Im April 1973 wurde van Gaal zum belgischen Erstligisten Royal Antwerpen ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Während seiner Zeit dort zog er sich eine Nasenbeinfraktur zu, die zu einer bleibenden Deformation führte. Nach vier Jahren in Belgien kehrte er 1977 in die Niederlande zurück und schloss sich dem Ehrendivisionär Telstar an. Mit dem Verein stieg er jedoch am Saisonende als Tabellenletzter ab. Gemeinsam mit Trainer Mircea Petescu wechselte van Gaal daraufhin zu Sparta Rotterdam, wo er sich als Stammspieler im Mittelfeld etablierte. In sechs Jahren absolvierte er 248 Pflichtspiele für Sparta. Ab der Saison 1982/83 war er Mannschaftskapitän und erreichte mit dem Klub erstmals die Qualifikation für den UEFA-Pokal.

Van Gaal schloss die Academie voor Lichamelijke Opvoeding ab und arbeitete anschließend neben seiner Spielerkarriere elf Jahre lang als Sportlehrer an einer Amsterdamer Berufsschule. Somit war er Halbprofi und pendelte regelmäßig zum Training nach Rotterdam („Von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags unterrichtete ich, und um 15.30 Uhr begann bei Sparta das Training“). In der Saison 1986/87 spielte er letztmals aktiv für den AZ Alkmaar und beendete anschließend seine Laufbahn.

Am 30. Dezember 1986 wurde Hans Eijkenbroek Trainer des abstiegsgefährdeten AZ Alkmaar und ernannte Louis van Gaal vom Spieler zum Co-Trainer. AZ schloss die Saison auf dem 15. Tabellenplatz ab und verhinderte damit knapp den Abstieg. 1988 kehrte van Gaal zu Ajax Amsterdam zurück und betreute in den folgenden zwei Spielzeiten sowohl die U-19-Junioren als auch die Reservemannschaft Jong Ajax. Während dieser Zeit galt er als besonders förderlich im Umgang mit Nachwuchsspielern. Zudem war er Assistent der Profimannschaft, zunächst unter Interimstrainer Antoine Kohn und ab dem 1. Juli 1989 unter Leo Beenhakker.

Nach Beenhakkers Wechsel zu Real Madrid am 29. September 1991 übernahm van Gaal die Position des Cheftrainers von Ajax Amsterdam. Seine Ernennung stieß bei Teilen der Anhängerschaft auf Kritik, da der 40-Jährige zum Zeitpunkt seiner Berufung nur über begrenzte Erfahrung verfügte. Medien interpretierten sein Auftreten teilweise als distanziert und selbstbewusst, was van Gaal mit der Priorisierung von Respekt seitens der Spieler, des Vereinsvorstandes, des Publikums und zuletzt der Medien begründete. In seiner ersten Saison (1991/92) gewann van Gaal mit Ajax den UEFA-Pokal – der erste Sieg des Vereins in diesem Wettbewerb – nach einem 0:0 und 2:2 gegen Torino Calcio. Zudem belegte die Mannschaft den zweiten Platz in der Eredivisie. Van Gaal führte bei Ajax organisatorische und trainingsmethodische Veränderungen ein, darunter die Einbindung von Elementen aus anderen Sportarten, wie spezifische Aerobic-Einheiten. Er implementierte systematische Trainingsabläufe, einschließlich der Simulation kompletter Spielzüge, und verfolgte einen auf „Systemfußball“ ausgerichteten Ansatz, bei dem die Mannschaft feste Bewegungs- und Positionsmuster einhielt. Die Aufgaben waren positionsgebunden und nicht an einzelne Spieler angepasst.

Van Gaal war bekannt für seine strukturierte Arbeitsweise und legte im Umgang mit den Spielern besonderen Wert auf Kommunikation.

1993 holte van Gaal mit Ajax durch einen 6:2-Sieg über den SC Heerenveen den KNVB-Pokal. Anschließend wechselten die Leistungsträger Dennis Bergkamp und Wim Jonk nach Italien und er begann mit dem akribischen Aufbau einer neuen Mannschaft. Dabei setzte er konsequent auf Spieler der eigenen Jugendakademie (Clarence Seedorf, Edgar Davids, Frank und Ronald de Boer, Edwin van der Sar, Patrick Kluivert, Michael Reiziger) sowie kostengünstige Transfers (Jari Litmanen, Marc Overmars, Finidi George), die er mit den Routiniers Frank Rijkaard und Danny Blind durchmischte. Taktisch setzte van Gaal nahezu immer auf ein 3-4-3-Spielsystem, das sich durch viele Positionswechsel und ein direktes Spiel in den Angriff auszeichnete. Großen Fokus legte er auf die zentralen Räume des Spielfeldes, um mit und gegen den Ball Kompaktheit herzustellen. Zwischen den beiden Dreierketten ließ er eine spielstarke Raute auflaufen, bei Ballverlust griff ein aggressives Gegenpressing, das von den geringen Abständen zwischen den Spielern profitierte. Nach Einführung der Rückpassregel (1992) revolutionierten van Gaal und sein Torwarttrainer Frans Hoek das Torwartspiel. Die zentrale These ihrer Theorie: Ein Torwart ist mehr als nur ein Torverhinderer, er ist Feldspieler Nummer elf, der aktiv am Spiel teilnimmt und es von hinten mit präzisen Pässen einleitet. Dies machte Edwin van der Sar zum Prototyp des modernen, mitspielenden Torhüters und zum defensiven Rückhalt. Die von ihm selbst geformten Spieler waren bereit, van Gaal bedingungslos zu folgen, lernbereit und agierten individuell auf Topniveau. Die junge Mannschaft trug deutlich van Gaals Handschrift. Sie spielte dominant, technisch schnell sowie flexibel und sollte in den Kreis der europäischen Spitzenklubs zurückkehren. Ajax wurde dreimal in Folge niederländischer Meister (1993/94, 1994/95, 1995/96) und holte ebenfalls dreimal den Supercup (1993, 1994, 1995). Den sportlichen Höhepunkt erreichte Ajax Amsterdam 1994/95: Ohne Niederlage gewannen sie die Meisterschaft (27 Siege, 7 Unentschieden; 106:28 Tore) und auch international begeisterte die junge Mannschaft mit der Idee ihres ballbesitzorientierten, offensiven Fußballs. Ajax besiegte im Halbfinale der UEFA-Champions League den FC Bayern München mit berauschendem Angriffsfußball deutlich (5:2) und zog ins Endspiel ein. Dort trafen sie am 24. Mai 1995 mit der AC Mailand auf die dominierende Mannschaft der vergangenen Jahre. Trotz eines Durchschnittsalters von nur 22 Jahren, schlug Ajax die favorisierten Rossoneri mit 1:0. Den Siegtreffer erzielte der 18-jährige Shootingstar Patrick Kluivert, den van Gaal zur 70. Spielminute eingewechselt hatte. Der Trainer kommentierte den Erfolg in der Königsklasse gewohnt selbstbewusst: „Ich war nicht verwundert. Ich hatte bereits vor der Saison gesagt, dass wir den Titel gewinnen können.“ Mittlerweile galt der strenge „Zuchtmeister“ als Macher des neuen Ajax und zählte zu den innovativsten und begehrtesten Trainern Europas. Bezeichnenderweise standen drei Ajax-Profis in den Top Ten bei der Wahl zum Ballon d’Or 1995.

Bis auf Clarence Seedorf konnte der Klub den Spielerkader zusammenhalten und van Gaals Mannschaft setzte ihren Siegeszug fort: Ajax gewann den UEFA-Supercup (1:1, 4:0 gegen Real Saragossa) sowie am 28. November 1995 den Weltpokal (4:3 i. E. gegen Grêmio Porto Alegre) – der erste Titel einer niederländischen Mannschaft seit 23 Jahren. Nach einer 0:1-Niederlage gegen Willem II Tilburg am 14. Januar 1996, riss die Serie von 52 ungeschlagenen Ligaspielen und auch in der Champions League sah es lange nach einem beeindruckenden Durchmarsch aus, bevor Ajax im Halbfinale gegen Panathinaikos Athen nach 19 Partien wieder eine Niederlage kassierte. Trotzdem erreichte die Mannschaft zum zweiten Mal in Folge das Finale und traf auf Juventus Turin. Die Partie im Stadio Olimpico endete nach 120 Minuten mit 1:1, woraufhin die Entscheidung im Elfmeterschießen fiel. Dieses verlor Amsterdam gegen die Alte Dame (2:4) und verpasste die Titelverteidigung. Im Sommer 1996 bezog der Klub mit der Amsterdam Arena eines der modernsten Fußballstadien Europas sowie den neuen Trainingskomplex De Toekomst. Doch aus sportlicher Sicht folgte der große Ausverkauf. Das wegweisende Bosman-Urteil erlaubte ablösefreie Spielertransfers nach Vertragsende und zahlreiche Leistungsträger zog es ins Ausland. Die fehlende Kadertiefe machte sich bemerkbar und der AFC Ajax belegte 1996/97 lediglich den vierten Platz der Eredivisie und scheiterte in der 2. Runde des Pokals – eine titellose Saison. Nach elf Titeln in sechs Jahren erklärte van Gaal zum Ende seines Vertrages am 30. Juni 1997 seinen Abschied.

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