Louis Germain David de Funès de Galarza [fyˈnɛs] (* 31. Juli 1914 in Courbevoie, Département Seine; † 27. Januar 1983 in Nantes, Département Loire-Atlantique) war ein französischer Schauspieler, Komiker, Regisseur und Drehbuchautor. In seinen Filmen variierte er mit großem Erfolg die Rolle des Patriarchen und Cholerikers, der an der Eigendynamik der von ihm in Gang gesetzten Entwicklungen scheitert.
Louis de Funès war der Sohn spanischer Einwanderer. Seine Mutter war Léonor Soto Reguera (1879–1957); sein Vater Carlos Luis de Funès de Galarza (1871–1934) stammte aus einer spanischen Adelsfamilie. Seine Eltern wanderten 1904 von Sevilla nach Frankreich aus. Nach der Geburt Louis’ und seiner Geschwister versuchte der Vater, der den in Spanien erlernten Beruf des Rechtsanwalts in Frankreich nicht ausüben konnte, in Venezuela als Diamantenhändler Fuß zu fassen. Er ließ seine Familie in Frankreich zurück, hatte jedoch kein Glück in Südamerika. An Tuberkulose erkrankt, kehrte er 1934 nach Courbevoie bei Paris zurück; noch im selben Jahr starb er in Málaga. Louis de Funès verbrachte seine Kindheit überwiegend in Villiers-sur-Marne.
Vom fünften Lebensjahr an erhielt Louis de Funès Klavierunterricht von seiner Mutter. Mit neun Jahren wurde er von seinen Eltern in ein Internat in Coulommiers geschickt, da sie um die Disziplin ihres Sohnes besorgt waren, der sich hauptsächlich für Sport interessierte, andere Fächer jedoch vernachlässigte. 1932 meldeten ihn die Eltern an der École technique de photographie et de cinéma Louis-Lumière an, wo er den Fachbereich Kino wählte. Nach einem Streich mit Knallfröschen wurde er der Schule verwiesen.
Im Jahr 1933 kam de Funès mit der Welt des Films in Kontakt, als er als Statist in Maurice Tourneurs Les deux orphelines auftrat. Er begann eine Ausbildung zum Fotografen und wurde Schüler der Filmregisseurin Germaine Dulac. Es folgten Tätigkeiten als Zeichner, Dekorateur und Buchhalter.
Außerdem trat de Funès als Jazzpianist in Kabaretts im Pariser Rotlichtviertel Pigalle auf. Nachdem er 1936 Germaine Louise Elodie Carroyer geheiratet hatte, konnte er damit seine junge Familie ernähren. Mit Eddie Barclay spielte er vierhändig. Seine zweite Frau gab später an, sie habe sich in de Funès verliebt, weil er „Jazz spielte wie ein Gott“. Im Zweiten Weltkrieg wurde de Funès nicht zum Wehrdienst eingezogen, absolvierte aber Auftritte in Unterhaltungsabenden vor Soldaten. Ab 1941 nahm er Schauspielunterricht. 1942 schrieb er sich am Cours Simon, einer renommierten Pariser Schauspielschule, ein. Er erhielt kleinere Theaterrollen und nach dem Krieg 1945 auch Filmrollen.
De Funès arbeitete zwei Jahrzehnte als Schauspieler, ohne dass ihm der Durchbruch gelang. Dabei wirkte er in über 100 Filmen in Klein-, Neben- und Statistenrollen mit, so im Sacha-Guitry-Klassiker Das Scheusal (1951) sowie in den Fernandel-Filmen In gewissen Nächten (1951) und Der Hammel mit den 5 Beinen (1954). 1956 erhielt er an der Seite von Jean Gabin eine Nebenrolle in der Komödie Zwei Mann, ein Schwein und die Nacht von Paris, die zur Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg in Paris spielt. Sein Erfolg in diesem Film brachte ihm ab 1957 erste Hauptrollen ein, in Woll’n Sie nicht mein Mörder sein?, Fisch oder Fleisch und Wenn Louis eine Reise tut.
In den frühen 1960er Jahren gelang de Funès mit der Komödie Oscar der Durchbruch am Theater. In der Hauptrolle des Geschäftsmannes Barnier, der mit manischer Energie seine Familie tyrannisiert, perfektionierte er den Typus des lustigen Cholerikers. Er präsentierte ein aberwitzig überdrehtes Mienenspiel und schöpfte aus einem großen Repertoire grotesker Gesten. Seine Charakterisierung des Barnier war richtungsweisend für die spätere Filmfigur, die er immer wieder spielte. Im Kino war diese erstmals 1963 in Quietsch… quietsch… wer bohrt denn da nach Öl? zu sehen, einer theaterbasierten Ensemble-Komödie, in der de Funès im Mittelpunkt steht.
Im Sommer 1964 drehte Louis de Funès in vier Monaten drei Kinofilme, die zu Kassenknüllern wurden: Der Gendarm von St. Tropez (als Hauptdarsteller), Fantomas (als Co-Star neben Jean Marais) und Scharfe Sachen für Monsieur (Louis, das Schlitzohr) (zusammen mit Bourvil). Damit wurde er Frankreichs Komiker Nr. 1.
In Der Gendarm von St. Tropez spielte er die Hauptrolle des Polizisten Ludovic Cruchot, der sich mit einer pubertierenden Tochter und frechen Nudisten auseinandersetzen muss. Diesen beim Publikum beliebten aufbrausenden, manipulativen, machthungrigen Gesetzeshüter verkörperte de Funès in insgesamt sechs Filmen. Zu den weiteren Akteuren der Serie gehörten Michel Galabru als Cruchots Vorgesetzter Gerber, Claude Gensac als Cruchots Ehefrau Josépha, ein eher trauriges Quartett untergebener Gendarmen und eine Nonne im Geschwindigkeitsrausch (France Rumilly). Die Regie führte Jean Girault.
In der Kriminalkomödie Fantomas übernahm de Funès die Rolle des Kommissars Juve. Dieser Film war eigentlich für Hauptdarsteller Jean Marais angelegt, wurde aber von de Funès dominiert, der in seiner Rolle verbissen, doch erfolglos den titelgebenden Superverbrecher verfolgt. In der Fortsetzung Fantomas gegen Interpol (1965) war de Funès als gleichberechtigter Hauptdarsteller vorgesehen, während der dritte Teil, Fantomas bedroht die Welt (1966), ganz auf ihn zugeschnitten wurde. Die Regie führte bei allen drei Filmen André Hunebelle.
Mit der turbulenten Gaunerkomödie Scharfe Sachen für Monsieur (Louis, das Schlitzohr), die in Frankreich fast zwölf Millionen Zuschauer in die Lichtspielhäuser zog, wurde de Funès 1965 endgültig zu einem Star des französischen Kinos. Der Film entstand unter der Regie von Gérard Oury, der auch am Drehbuch beteiligt war, und enthält mehrere Aufeinandertreffen von de Funès und Bourvil. 1966 standen die beiden Komiker mit Terry-Thomas für Ourys aufwendig produzierte Farce Drei Bruchpiloten in Paris (Die große Sause) vor der Kamera: Als Orchesterdirigent hilft de Funès hier der Besatzung eines Flugzeugs, das im Zweiten Weltkrieg über Paris abgeschossen wird. Mit 17 Millionen Zuschauern war die Komödie lange Zeit der erfolgreichste französische Film. In den frühen 1970er Jahren folgten mit Die dummen Streiche der Reichen und Die Abenteuer des Rabbi Jacob weitere kassenträchtige Arbeiten mit Oury.
Von 1966 bis 1971 drehte de Funès zwei bis drei Filme pro Jahr, darunter Oscar (1967), die Adaption seines erfolgreichen Bühnenstücks. Später kehrte er ans Theater zurück, um dort die Rolle mit großem Erfolg erneut zu spielen. Auch Hasch mich, ich bin der Mörder (1971), ein Remake des Films The Gazebo, ging auf ein Bühnenstück zurück.
Der populärste Filmkomiker Europas
Ab Mitte der 1960er Jahre war de Funès der populärste Filmkomiker Frankreichs und hatte damit Stars wie Fernandel oder Bourvil abgelöst. Er spielte in über 160 Kino- und Fernsehfilmen. Der Typus des cholerischen Kleinbürgers, der gegenüber den Autoritäten kuscht, doch Untergebene traktiert, wirkte auf groteske Weise realistisch und kam beim Publikum gut an. Da de Funès immer wieder als konservativer, staatstragender Untertan auftrat, gab er gerade diese Werte in einem Jahrzehnt des gesellschaftlichen Umbruchs (siehe Mai 1968 in Frankreich) der Lächerlichkeit preis. Der Privatmann de Funès war gleichwohl eher konservativ.
Die meisten De-Funès-Komödien wurden von Routiniers wie Jean Girault und Édouard Molinaro inszeniert. Unabhängig von der jeweiligen Handlung waren sie stets auf de Funès in der Hauptrolle zugeschnitten. Andere Darsteller dienten oft als Stichwortgeber oder schmückendes Beiwerk. Der Schauspieler selbst, der Jahrzehnte auf seinen Durchbruch gewartet hatte, sah sich als populären Volksschauspieler und sagte: „Mich interessieren nur Filme mit mehr als 500.000 Zuschauern.“ Ein Projekt mit Claude Chabrol, einem der Begründer der Nouvelle Vague, kam nicht zustande.
Claude Gensac war de Funès’ bekannteste Filmpartnerin. Sie spielte meist seine Ehefrau, in vier der sechs Gendarmen-Filme sowie in Oscar, Balduin, der Ferienschreck, Onkel Paul, die große Pflaume und Hasch mich – ich bin der Mörder. In Brust oder Keule spielte sie die Rolle der älteren Sekretärin, in Louis, der Geizkragen eine Heiratsvermittlerin und in Louis und seine außerirdischen Kohlköpfe seine verwirrte Nachbarin.