An diesem Tag

Louis Lewandowski

Deutscher Komponist

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Louis Lewandowski (geboren am 3. April 1821 in Wreschen, Provinz Posen, Preußen, heute Polen; gestorben am 3. Februar 1894 in Berlin; eigentlich Lazarus Lewandowski) war ein deutsch-jüdischer Komponist, der vor allem durch die Neubelebung und Öffnung der jüdischen Liturgie bekannt wurde. Er ist Namensgeber für das seit 2011 in Berlin stattfindende Louis-Lewandowski-Festival.

Louis Lewandowski stammte aus sehr bedrängten familiären Verhältnissen. Sein Vater war Synagogendiener und Hilfskantor in Wreschen und konnte daher die finanziellen Mittel zur Ernährung seiner fünf Kinder kaum aufbringen. Aus diesem Grund wurde beschlossen, dass der junge Louis mit nur zwölf Jahren die Familie verlassen und nach Berlin gehen sollte, um dort seinen Unterhalt selbst zu verdienen. Ganz ungewöhnlich war dies nicht, denn viele Alters- und Glaubensgenossen Lewandowskis suchten so der häuslichen Armut zu entfliehen.

In Berlin angelangt, kam Lewandowski in der dortigen jüdischen Gemeinde unter. Dort wurde man schnell auf seine außerordentliche Musikalität und seine schöne Stimme aufmerksam. Kantor Ascher Lion (1776–1863) engagierte ihn daher als seinen musikalischen Gehilfen zur Gestaltung des Gottesdienstes. Diese Position als so genanntes „Singerl“ hatte Lewandowski bereits als Assistent seines Vaters mit Erfolg ausgefüllt. Als Gegenleistung sorgte die Gemeinde für seinen Lebensunterhalt und ermöglichte ihm den Besuch des Gymnasiums.

Als Gehilfe Lions war Lewandowski Teil einer orthodoxen Ausprägung synagogaler Musik, die in den tradierten Prinzipien vor der Einführung der Haskala gefangen war. Aus der Synagoge waren alle Musikinstrumente verbannt, zugelassen war allein die Leitung des Gottesdienstes durch den Vorbeter, der gegebenenfalls durch einen Gabbai unterstützt werden konnte. Gegenstand von theoretischen Wissenschaften oder schriftlichen Überlegungen war die jüdische Musik nie gewesen; sie wurde nur mündlich weitergegeben.

Damit hätte Lewandowski, wäre er nicht in der Metropole Berlin gewesen, nur sein altes Leben an anderer Stelle fortgesetzt. Doch mussten ihm die vielfältigen Einflüsse der Residenzstadt geradezu als ein Kulturschock im Vergleich zu seinem bisherigen Leben in der Provinz erscheinen: Die Berliner Juden lebten nicht, wie in Wreschen, im Ghetto und sprachen auch nicht Jiddisch, sondern Hochdeutsch. Ferner gehörten nicht wenige der Berliner Juden der intellektuellen Elite der Stadt an. Ein Lehrer Lewandowskis, der Hebraist Salomon Plessner, führte seinen Schüler in das Haus von Alexander Mendelssohn ein, eines Enkels von Moses Mendelssohn und Cousins von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Hier verkehrten und musizierten die wichtigsten Künstler der Residenz. Lewandowski erhielt Gelegenheit, bei Gesprächen und Konzerten dabei zu sein, und konnte damit seinen Horizont beträchtlich erweitern. Alexander Mendelssohn erkannte seine musikalische Begabung und finanzierte ihm einen gründlichen Violin- und Klavierunterricht. Zwei Jahre lang hörte Lewandowski Vorlesungen über Kontrapunkt und Harmonielehre am Stern’schen Konservatorium. Durch die Fürsprache Alexander Mendelssohns und nach einer exzellent bestandenen Aufnahmeprüfung konnte Lewandowski sich sodann als erster Jude an der Berliner Akademie der Künste immatrikulieren. Lewandowski begann nun mit Erfolg, weltliche Musik zu komponieren und aufzuführen; so erhielt er den Kompositionspreis der bekannten, 1791 gegründeten Sing-Akademie zu Berlin.

Ein vierjähriges Nervenleiden zwang Lewandowski jedoch, seine Studien zu beenden. Er stand in dieser Zeit zwar ohne Anstellung und ohne berufliche Perspektive da, konnte sich aber auf seine familiären und musikalischen Wurzeln besinnen: die Synagogenmusik. Nachdem Lewandowski in den bisherigen Berliner Jahren die klassische europäische Musiktradition kennen und lieben gelernt hatte, entstand in ihm der Wunsch, beide Traditionen miteinander zu verbinden.

In ihrem Bestreben nach Befruchtung der jüdischen und der christlichen Kultur erachteten damals zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinden Preußens auch den synagogalen Gottesdienst für reformbedürftig. Sowohl Vertreter des Reformjudentums als auch Samson Raphael Hirsch, der Begründer der Neo-Orthodoxie, setzten sich dafür ein, die Predigt in der Landessprache zu halten und den liturgischen Gesang grundlegend zu verändern. Diesbezüglich erhoffte man sich letztlich eine Erneuerung der synagogalen Musik durch die Adaption satztechnischer Grundzüge der abendländischen Musik (dies blieb freilich noch lange Zeit eine Utopie und ließ sich nur sehr langsam verwirklichen).

Liberalisierung des synagogalen Gottesdienstes

Ein Konzert, das der Königsberger Kantor Hirsch Weintraub 1838 in Berlin gab und in dem er mit seinen Sängern neben traditionellen Gebetsgesängen auch harmonisierte Psalmenmelodien, Werke von Salomon Sulzer und sogar Vokalarrangements von Streichquartetten Mozarts und Haydns vortrug, war ein enormer Erfolg, da bei dieser Gelegenheit eine Verbindung von orthodoxen und liberalen Elementen des Gesangs hergestellt wurde.

Viele Mitglieder der Berliner Gemeinde von Ascher Lion, der Lewandowski nach wie vor angehörte, begannen nun, massiv gegen die als überholt angesehene Praxis der Synagogenmusik ihres Kantors zu opponieren. Werke von Sulzer wollte man im Gottesdienst hören, doch sah sich Lion außerstande, diese Musik zu verstehen, geschweige denn, sie seinen Sängern beizubringen. Dies war nun die Gelegenheit für den eben genesenen Louis Lewandowski, seine Kenntnisse und Fähigkeiten einzubringen: Er transkribierte Sulzers Werke in den Violinschlüssel – den einzigen Notenschlüssel, den Ascher Lion lesen konnte – und erwarb sich dadurch eine Vertrauensstellung bei dem alternden Kantor. Dafür berief man ihn zum Dirigenten des für die Aufführung von Sulzers Werken neu eingerichteten vierstimmigen Synagogenchors. Ferner wurde Lewandowski Kantorenbildner und Gesangslehrer an der Jüdischen Freischule und erhielt dadurch Gelegenheit, die jungen Gemeindemitglieder didaktisch im Sinne seiner Reformwünsche zu erziehen.

Seinen großen Traum allerdings, eigene Kompositionen veröffentlichen und sie im Gottesdienst umsetzen zu können, konnte er in dieser Zeit nicht verwirklichen. Vielmehr produzierte er Werke für vierstimmigen Chor oder für Solisten mit Orgel- oder Instrumentalbegleitung in großer Menge für die Schublade, da ihm ein geeignetes Auditorium für eine Aufführung dieser Werke nicht zur Verfügung stand.

Dies änderte sich jedoch ab 1845: Ascher Lion zog sich aus Altersgründen als Kantor zurück. Neuer Kantor wurde Abraham Jacob Lichtenstein, der eine klassische Musikausbildung vorweisen konnte und offen für neue musikalische Anregungen im Gottesdienst war. Lewandowski konnte damit noch immer nicht seine eigenen Kompositionen in den Gottesdienst einbringen, aber immerhin Bearbeitungen der Werke Sulzers, des großen Reformators des Synagogalgesangs.

1865 wurde Lewandowski anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums als Chordirigent der jüdischen Gemeinde zum Königlichen Musikdirektor ernannt – eine Ehrenstellung, die er sich sicher nie erträumt hätte.

Dirigent in der Neuen Synagoge Berlin

Noch positiver für seine Entwicklung als Musiker freilich war, dass ein Jahr später, 1866, in der Oranienburger Straße in Berlin eine große neue Synagoge eingeweiht wurde, an der man Lewandowski als Dirigenten verpflichtete. Im Gegensatz zu seiner bisherigen Wirkungsstätte in der Synagoge an der Heidereutergasse hatte die Neue Synagoge auch eine Orgel, so dass sich für Lewandowski nun endlich auch die Möglichkeit eröffnete, eigene, instrumentalbegleitete Werke einstudieren, aufführen und publizieren zu können.

Die Einweihung der Orgel in der Neuen Synagoge wurde mit einem großen Fest begangen. Ein Augenzeuge, Kantor Bernhard Jacobsohn, berichtete hierüber: „Den Glanzpunkt bildete zweifellos das große Hallelujah, Psalm 150, von Lewandowski. Der Komponist hatte diesen vierstimmigen, gemischten Chor zu diesem Zweck mit Orgelbegleitung versehen, wozu noch an bestimmten Stellen Posaunen, Triangel und Pauke in höchst wirksamer Weise traten. Die Zuhörer müssen von diesem Jubelchor mächtig ergriffen gewesen sein. Selbst der damalige Ministerpräsident Otto von Bismarck, der der Feier beiwohnte, konnte sich diesem Eindruck nicht entziehen; denn kaum war der Schlussakkord verklungen, ließ er Lewandowski zu sich bescheiden und drückte ihm die Hand mit Dankesworten für den Genuss, den er eben empfangen hatte.“

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