An diesem Tag

Louis Buchalter

US-amerikanischer Gangster in New York City

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Louis „Lepke“ Buchalter (* 6. Februar 1897 in New York City; † 4. März 1944 im Gefängnis Sing Sing in Ossining, New York) war ein US-amerikanischer Mobster. Er zählte neben Albert Anastasia zur Führung der kriminellen Vereinigung Murder, Inc. und wird heute der Kosher Nostra zugerechnet.

Zu Beginn der 1930er Jahre erlangten Louis Buchalter und Jacob Shapiro durch die gewaltsame Unterwanderung örtlicher Gewerkschaften und die Übernahme verschiedener Transport- und Produktionsunternehmen beinahe die vollständige Kontrolle über die Textil- und Bekleidungsindustrie in dem Gebiet in und um New York City. Buchalter wird deshalb als einer der mächtigsten und skrupellosesten Gewerkschaftskriminellen in der Geschichte Amerikas angesehen und ist der bisher einzige hochrangige Angehörige des organisierten Verbrechens, der in den Vereinigten Staaten zum Tode verurteilt und hingerichtet worden ist.

Louis Buchalter war das Kind jüdischer Emigranten aus Russland in der Lower East Side von Manhattan (New York). Daher rührte auch sein Spitzname Lepke, eine Verballhornung des jiddischen „Lepkeleh“ (englisch Little Louis). Nach dem Tod des Vaters und der Erkrankung der Mutter, die daraufhin New York verließ und einen Kurort aufsuchte, war der junge Buchalter auf sich allein gestellt. Während seine Geschwister bereits Ausbildungen absolvierten oder ehrlichen Berufen nachgingen, brach er als einziges der Kinder die Schullaufbahn ab und begann mit kleinkriminellen Tätigkeiten seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Später wurde er Mitglied einer Straßenbande in Brownsville (New York), ein Stadtteil, in dem 1911 der wohl bedeutendste „Kosher Nostra“ eintraf: Meyer Lansky. Auf den Straßen von Brooklyn freundete Buchalter sich neben Meyer Lansky auch mit Benjamin „Bugsy“ Siegel an. Kurz nach dem Wegzug seiner Mutter 1912 nach Denver lernte Buchalter vermutlich Jacob „Gurrah“ Shapiro kennen, und gemeinsam spezialisierten sie sich auf Schutzgelderpressungen von Ladenbesitzern in der Lower East Side. 1915 wurde Lepke das erste Mal wegen diverser Einbrüche und Ladendiebstähle angeklagt, jedoch freigesprochen. Ende Februar 1916 wurde Buchalter zusammen mit einem Komplizen nach einem Einbruch in Bridgeport verhaftet und im Mai desselben Jahres zu einem Aufenthalt in einer Besserungsanstalt in Cheshire verurteilt. Nach der Entlassung im Juli 1917 auf Bewährung kehrte Buchalter wieder nach New York zurück und verdiente sich weiterhin mit Diebstählen seinen Lebensunterhalt. Bereits im September 1917 wurde er erneut verhaftet und wegen schweren Diebstahls angeklagt. Im Januar 1918 wurde Buchalter zu einer 18-monatigen Haftstrafe in Sing Sing verurteilt. Nachdem er zwischenzeitlich nach Auburn in das Staatsgefängnis Auburn Correctional Facility verlegt worden war, wurde er bereits nach einem Jahr entlassen.

1920 musste er erneut eine Gefängnisstrafe verbüßen, zu der er wegen Einbruchs verurteilt worden war. Diese Haftstrafe verbrachte er wieder in Sing Sing, am 6. März 1922 wurde er auf Bewährung entlassen. Direkt nach seiner Entlassung stieg er zusammen mit Jacob Shapiro 1922 in das „labor racketeering“ ein und wurde wie Shapiro Mitglied der Bande von Jacob „Little Augie“ Orgen. Eintrittskarte der Mobster, insbesondere in den Garment District von Manhattan, war die Unterstützung von Streikbrechern. Der Bezirk hatte diese Bezeichnung erhalten, weil sich dort ein Schwerpunkt von angesiedelten „Sweatshops“ der Bekleidungsindustrie (en: garment) gebildet hatte.

Unterwanderung der Gewerkschaften und Gründung der Murder Inc.

Im so genannten Vierten „labor slugger war“ ermordeten Buchalter und Shapiro vermutlich den Anführer ihrer Bande Jacob Orgen und übernahmen gemeinschaftlich dessen Position. Direkt nach dem Drive-by-Shooting wurden die beiden wegen des Mordes an Orgen und des versuchten Mordes an dessen Geschäftspartner und Bodyguard Jack „Legs“ Diamond festgenommen, die Anklage wegen mangelnder Beweise jedoch fallengelassen.

Shapiro und Buchalter konzentrierten sich von da an gemeinsam auf die Unterwanderung der örtlichen Gewerkschaften durch ihre Gefolgsleute. Die sich bildenden mafiösen Strukturen innerhalb der Gewerkschaften ermöglichten es ihnen, Einfluss auf die verschiedensten Arbeitsgewerbe zu nehmen. Buchalter heuerte zahlreiche Männer an, die Erpressungen und Mordaufträge ausführen sollten, um die kriminellen Aktivitäten abzusichern und massiv auszuweiten. Damit schuf er eine der Grundlagen der „Murder, Inc.“. Letztlich konnten Buchalter und Shapiro somit de facto ein Kartell errichten, mit dem sie den jeweiligen Markt beherrschten.

Als die Öffentlichkeit allmählich auf das Ausmaß des Konglomerats von Verbrecherbanden in New York aufmerksam wurde und die Staatsanwaltschaft die Strukturen hinter den mafiösen Gebilden zu durchleuchten begann, wurde der Druck auf Buchalter und andere kriminelle Führungspersönlichkeiten groß. Bandenführer Dutch Schultz, der mit einer Verurteilung rechnen musste, war deshalb der Ansicht, nur durch die Ermordung des Staatsanwaltes Thomas E. Dewey einer Verurteilung zu entgehen, und bat das National Crime Syndicate um die Erlaubnis, Dewey töten zu dürfen.

Während Albert Anastasia und Jacob Shapiro ihm zustimmten, stieß der Wunsch bei den restlichen Führungskräften wie Lucky Luciano und Buchalter auf Ablehnung, da sie befürchteten, dadurch nur noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten. Schultz wollte dennoch den Mord an Staatsanwalt Dewey ausführen lassen, weswegen das „National Crime Syndicate“ beschloss, Schultz zu ermorden, und er und drei seiner Gefolgsleute am 23. Oktober 1935 von zwei Mitgliedern der Murder Inc. erschossen wurden.

Nach dem Tod von Schultz setzte Dewey den Schwerpunkt seiner Ermittlungen nun auf Shapiro und Buchalter. Als Dewey glaubte, genug Beweise gegen die Bandenchefs gesichert zu haben, um eine Verurteilung zu erwirken, leitete die New Yorker Polizeiabteilung eine bundesweite Fahndung ein und sorgte für eine großflächige Verteilung von Steckbriefen der Gesuchten. Buchalter, dem eine Anklage wegen Drogenschmuggels drohte, zog es vor unterzutauchen. Er lebte nun in kleinen Wohnungen in New York und begann damit, potentielle Belastungszeugen hinsichtlich seiner Verwicklung in Straftaten von der Murder Inc. ermorden zu lassen.

1939 verlor Buchalter die Unterstützung anderer hochrangiger Figuren des organisierten Verbrechens. Man verlangte, dass sich Buchalter den Behörden stelle, um die Ermittlungsbehörden ruhig zu stellen, und drohte damit, andernfalls selbst das Ende seiner Gruppe und seiner Macht herbeizuführen. Buchalter folgte dem Begehren, um einerseits einen Bandenkrieg zu verhindern, und andererseits, weil man ihm gegenüber vorgab, es bestünde ein angeblicher Deal mit dem Direktor des FBI Edgar Hoover bezüglich einer Höchststrafe.

Louis Buchalter stellte sich den Behörden, nachdem er sich zuvor mit Hoover getroffen hatte, um dem FBI-Direktor eine medienwirksame Verhaftung zu bescheren. Dass keine Abmachung hinsichtlich einer Höchststrafe bestand, wurde Buchalter noch während seiner Festnahme deutlich gemacht, als ihn Hoover persönlich fragte:

Man verurteilte Buchalter im anschließenden Strafverfahren zu einer Haftstrafe von 14 Jahren wegen Drogenschmuggels. Die Haftzeit wurde aber dann in einem weiteren Prozess wegen der Beteiligung an der Unterwanderung der Gewerkschaften auf 30 Jahre verlängert.

Als 1940 der Staatsanwalt von Kings County, William O’Dwyer, das Bandenmitglied Abe Reles wegen Beteiligung an einem Mord anklagte, lieferte dieser der Staatsanwaltschaft ausführliche Informationen über die Machenschaften seiner Organisation und ungeklärte Mordfälle, um selbst Strafmilderung zu erlangen.

So enthüllte er u. a. die Ermordung des Süßwarenhändlers Joseph Rosen, die vier Jahre lang als ungelöster Polizeifall gegolten hatte. Rosen war am 12./13. September 1936 in seinem Geschäft in Brownsville (New York City) erschossen worden. Laut Reles ordnete Louis Buchalter die Ermordung Rosens an, an deren Planung und Ausführung Harry Strauss, James Ferraco, Emanuel Weiss, Sholem Bernstein, Philip Cohen und Louis Capone beteiligt gewesen waren. Joseph Rosen war der frühere Eigentümer einer Spedition gewesen, die Kleidung aus Pennsylvania transportierte, die dort in gewerkschaftsfreien Nähereien produziert worden war. Als Buchalter in den 30er Jahren mit einem Zuliefererstopp Händler erpressen wollte, die sich bisher geweigert hatten, Beiträge an Buchalters Gewerkschaftsimperium zu zahlen, wurde auch Joseph Rosen dazu gezwungen, keine Waren mehr an diese Händler zu liefern oder deren Waren abzunehmen. Der Auftragsmangel sorgte dafür, dass Rosen seine Spedition schließen musste. Ab diesem Zeitpunkt verlangte Rosen sowohl neue Arbeit als auch Wiedergutmachungszahlungen von Buchalter, der zunächst versuchte, die Wünsche des ehemaligen Speditionseigentümers zu erfüllen. Doch Rosen war nicht zufrieden zu stellen und wandte sich an seinen Freund, den Mobster Max Rubin, der mit Buchalter verhandelte. Schließlich einigte man sich, Rosen einen Süßwarenladen (am.: „Candy Store“) zu überlassen, den er allerdings ruinierte. Wegen seiner neuen Forderungen und Drohungen, er würde den Staatsanwalt über Buchalters Machenschaften informieren, war er zu einer Gefahr für Buchalter geworden.

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