An diesem Tag

Louis Antoine de Saint-Just

Französischer Schriftsteller und Revolutionär

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Louis Antoine Léon de Saint-Just de Richebourg (* 25. August 1767 in Decize bei Nevers; † 28. Juli 1794 (guillotiniert) in Paris) war ein französischer Politiker zur Zeit der Französischen Revolution.

Nachdem er 1792 in den Nationalkonvent gewählt worden war, erlangte er insbesondere in der Zeit des Großen Terrors als enger Freund und Kollege Robespierres Einfluss auf die französische Politik. Er wirkte an der Stabilisierung der Front im Krieg gegen Preußen und Österreich mit und war entscheidend am Sturz der Girondisten und der Hinrichtung Georges Dantons beteiligt. Am 9. Thermidor des Jahres II (27. Juli 1794) wurde er zusammen mit Robespierre und dessen Anhängern gestürzt und am nächsten Tag guillotiniert.

Die Vorfahren von Louis Antoine de Saint-Just väterlicherseits waren Bauern in der Picardie. Sein Vater, Louis Jean de Saint-Just de Richebourg, der schon 1777 starb, war Kavalleriehauptmann bei den Soldaten des Herzogs von Berry gewesen. Wegen seiner militärischen Verdienste war er zum Ritter des Hlg. Ludwig ernannt worden. Seine Mutter, Marie Anne, geborene Robinot, stammte aus dem Nivernais. Seine Jugend verbrachte Louis Antoine in Verneuil, Decize und Blérancourt (im späteren Département Aisne). Von 1777 bis 1785 besuchte er die Schule Saint-Nicolas der Oratorianer in Soissons. Um sich für das Rechtsstudium zu qualifizieren, war er 1786 zweiter Gehilfe beim öffentlichen Ankläger in Soissons. Im Oktober 1787 begann er an der Universität in Reims zu studieren und schloss das Studium bereits im April 1788 mit dem Hochschulgrad für die Rechtswissenschaften ab.

Saint-Just hatte die griechischen und römischen Dichter und Denker gelesen. Neben Platons Staat werden ihm dabei wohl einige Biografien, wie die des spartanischen Gesetzgebers Lykurg, in Plutarchs (45–125) Lebensbeschreibungen die ersten Anregungen für sein eigenes republikanisches Denken gegeben haben. Weitere Ideen und Gedanken fand er u. a. bei französischen Denkern wie Montesquieu (1689–1755) oder Rousseau (1712–1778), die von verschiedenen Ebenen aus den Zustand der Gesellschaft und des Staates betrachtet haben.

Im Mai 1789 erschien von Saint-Just ein erster literarischer Versuch: der Organt, ein erzählendes Gedicht in zwanzig Gesängen, das zahlreiche erotische Szenen und drastische Gewaltdarstellungen enthielt. Es zeigt bereits die Spannweite seiner revolutionären Gedankenwelt: ein Spiel mit Identitäten und Regimekritik, das literarisch zwischen aufklärerischer Satire und burlesker Subversion oszilliert. Ein zweiter literarischer Versuch ist nur noch in Bruchstücken vorhanden: Arlequin Diogène, ein einaktiges Theaterstück, ein Schäferspiel, an dem bemerkenswert ist, dass es wohl Saint-Justs eigene Haltung zur Liebe wiedergibt: „Die Liebe ist nichts als ein eitler Wunsch; einem großen Herzen bedeutet sie nichts.“

Während der Französischen Revolution

Am 14. Juli 1789 erlebte Saint-Just in Paris die Erstürmung der Bastille mit. Der Organt war schon im Juni wegen Majestätsbeleidigung verboten worden, und so war der junge Autor, um polizeilichen Nachstellungen zu entgehen, bei Bekannten in Paris untergetaucht. Ende Juli wagte er sich wieder nach Blérancourt zurück, wo er sich politisch stark zu betätigen begann. Trotz seiner Jugend war er hier angesehen und erhielt auch bald ehrenhafte Anerkennungen. So wurde der 22-Jährige im Juni 1790 von der Gemeinde (Kommune) zum Oberstleutnant der Nationalgarde in Blérancourt ernannt und im Juli zum Ehrenbefehlshaber der Nationalgarden im ganzen Kanton. Am 10. August 1790 schrieb er seinen ersten Brief an Robespierre, der später unter dessen nachgelassenen Papieren gefunden worden ist:

Bei den Wahlen zur Gesetzgebenden Nationalversammlung im Jahre 1791 wurde er von seiner Gemeinde als Abgeordneter gewählt, konnte das Mandat aber nicht annehmen, da er noch zu jung war. Ein Jahr später aber wurde er rechtmäßig als Abgeordneter des Departments Aisne in den Nationalkonvent gewählt. Am 18. September 1792 traf Saint-Just in Paris ein.

Zuvor war von ihm am 20. Juni 1791 die Schrift L’Esprit de la revolution et de la constitution de France (Der Geist der Revolution und der Verfassung in Frankreich) erschienen. In diesem Werk lobte er die konstitutionelle Monarchie der neuen Verfassung. Das Buch endete mit den Worten:

Saint-Just gehörte zu den Revolutionären, die Ludwig XVI. nach dessen gescheiterter Flucht nach Varennes 1791 zurück nach Paris eskortierten. Dort wurde er zum ersten Mal öffentlich wahrgenommen, als er am 22. Oktober 1792 im Jakobiner-Klub sprach. Die Rede fand große Beachtung und unter dem Vorsitz von Danton beschlossen die Jakobiner, den Text drucken zu lassen und an die einzelnen Verbände weiterzuleiten. Am 13. November sprach er sich im Konvent während der Debatte über den ehemaligen König vehement dagegen aus, einen regulären Prozess gegen ihn zu führen. Es gehe vielmehr um eine politische Entscheidung: „Man kann kein schuldloser Regent sein. […] Jeder König ist ein Rebell und Usurpator“. In der großen Abstimmung am 15. Januar 1793 im Konvent über das Schicksal des Königs stimmte er für den Tod ohne Aufschub und Appellation. Die Gründe bezog er aus Rousseaus Contrat social, einem Werk über die Legitimität der Macht. (Der Philosoph Albert Camus kommentierte: „Saint-Just hat die Ideen Rousseaus in die Geschichte eingeführt.“) Das Wesentliche seiner Beweisführung daraus war, dass der König nicht durch das Urteil eines Gerichts, sondern durch das Urteil der gesetzgebenden Versammlung gefasst werden müsse, da der König außerhalb des Contrat social stehe.

Sein leidenschaftliches Denken, mit dem er all das verwirklichen wollte, was er für das Glück der Menschen hielt, spiegelte sich wohl in seinen öffentlichen Reden wider, am umfassendsten aber in den Institutionen, an denen er in dieser Zeit zu arbeiten begann. Wo auch immer, ob im Konvent, auf Reisen, bei der Armee, überall schrieb er Gedanken auf, die er sich über einen zukünftigen Staat machte, Einfälle dazu, wie sie ihm kamen. Alles wollte er in diesem neuen Frankreich reglementieren, sogar Kindheit und Alter; Hochzeit und Beerdigung. Die Institutionen sind, wie der Publizist Friedrich Sieburg schreibt, voller Gegensätze: klarem Denken stehen naive Träume gegenüber. Für Kinder etwa wollte er eine vegetarische Ernährung nach rousseauistischem Vorbild vorschreiben, wer nicht an Freundschaft glaube oder keine Freunde habe, solle in die Verbannung geschickt werden, und Ehen, die sieben Jahre lang kinderlos blieben, ohne dass die Ehegatten ein Kind adoptiert hatten, sollten getrennt werden. Allerdings entwickelte er in seinen Institutionen auch die sehr liberale Vorstellung von einer rein auf Zuneigung gegründeten, von rechtlichen Banden befreiten Ehe. Insgesamt habe Saint-Just, so der Historiker Monar, als einziger seiner Ausschusskollegen inmitten der Bedrängnisse der Zeit die Kraft gefunden, einen möglichen Ausweg aus der immer mehr eskalierenden Maschinerie revolutionärer Macht zu skizzieren.

Nachdem Saint-Just im April 1793 mehrmals im Konvent über eine neue Verfassung gesprochen hatte, wurde er im Mai zusammen mit Hérault de Séchelles (1759–1794) und Georges Couthon (1755–1794) dem Wohlfahrtsausschuss beigeordnet, um die neue Verfassung auszuarbeiten, die nach der Abschaffung des Königtums nötig geworden war. Im Juni 1793 war das neue Gesetzeswerk, das hauptsächlich von Saint-Just stammte, fertig und wurde vom Konvent angenommen und im Juli mit großer Mehrheit in einer Volksabstimmung bestätigt. Im gleichen Monat wurde er selbst Mitglied des Wohlfahrtsausschusses.

Die Verfassung des Jahres I wurde allerdings vom Konvent nicht in Kraft gesetzt, weil man meinte, dass sie der augenblicklichen Lage Frankreichs nicht entspreche. Wegen des herrschenden Krieges wurde der Missbrauch der verfassungsmäßig gewährten Freiheit befürchtet. Nach Beendigung des Krieges sollte die Verfassung ihre Rechtsgültigkeit erlangen, wozu es jedoch nie kam. Nur die übermannsgroßen Tafeln der Menschenrechte wurden überall in den öffentlichen Gebäuden angebracht und wie es heißt, soll Saint-Just während seiner Verhaftung auf solch eine Tafel gezeigt und gemurmelt haben, dass das immerhin sein Werk sei: „C’est pourtant moi qui ai fait cela.“

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