An diesem Tag

Louis-Philippe II. Joseph de Bourbon, duc d’Orléans

Sohn von Herzog Ludwig Philipp I. von Orléans und von Louise Henriette von Bourbon-Conti

Anúncio

Ludwig Philipp II. Joseph, Herzog von Orléans (* 13. April 1747 in Saint-Cloud; † 6. November 1793 in Paris), seit 1792 Philippe Égalité, war ein Mitglied der französischen Königsfamilie aus der Nebenlinie Bourbon-Orléans und der Vater des späteren Bürgerkönigs Louis-Philippe I.

Von 1778 bis 1790 bekleidete er den Posten eines Colonel général des hussards. Er war während der Französischen Revolution Mitglied des Nationalkonvents und stimmte für das Todesurteil gegen den König, seinen Cousin. Am 5. April 1793 wurde er selbst festgenommen und während der Terrorherrschaft am 6. November 1793 vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und am selben Tag guillotiniert.

Ludwig Philipp Joseph war der einzige Sohn von Herzog Ludwig Philipp I. von Orléans und Louise Henriette von Bourbon. Man sagte ihm nach, große Ähnlichkeit mit seinem Urgroßvater, dem Regenten Philipp II. von Orléans, zu haben. Nachdem er den Titel Herzog von Montpensier bis zum Tod seines Großvaters 1752 getragen hatte, wurde er Herzog von Chartres und von Nemours und heiratete 1769 Louise Marie Adélaïde de Bourbon-Penthièvre, Tochter des französischen Großadmirals Louis Jean Marie de Bourbon, Herzog von Penthièvre, und damit Urenkelin von Ludwig XIV. – eine der reichsten Prinzessinnen ihrer Zeit. Sie erbte unter anderem das Schloss Eu. Mit dem Tod seines Vaters 1785 wurde er Herzog von Orléans.

Der Reichtum seiner Frau machte ihn zu einem der wohlhabendsten Männer Frankreichs. Er hatte den Ehrgeiz, das seinem Vater gehörende Palais Royal in Paris zu einem kulturellen Zentrum der Hauptstadt zu machen. In den Jahren 1781 bis 1784 ließ er rund um den Palastgarten Erweiterungstrakte (die Galeries du Palais Royal) mit Arkadengängen erbauen, die etwa 60 Häuser und Wohnungen, dazu 180 Läden sowie Restaurants, Cafés und Vergnügungseinrichtungen beherbergen. In der Südwestecke des Grundstücks errichtete er die Salle Richelieu, ein Theater (heute Sitz der Comédie-Française). Außerdem ließ er das Théâtre du Palais-Royal – zunächst als Marionettentheater für seinen Sohn – erbauen. In der Mitte das Parks ließ er eine elegante Reithalle mit Reitschule errichten. In dem Gebäudekomplex und dem von ihm umschlossenen Park konzentrierte sich bald das Nachtleben der Hauptstadt. Die Kosten des Immobilienprojekts überstiegen jedoch seine Finanzen, sodass Louis-Philippe die Gemäldesammlung seines Vaters verkaufen musste sowie 1784 das Schloss Saint-Cloud an König Ludwig XVI., der es seiner Frau Marie Antoinette schenkte. Außerdem verkaufte Louis-Philippe die Neubauflügel der Anlage als aufgeteilte Einzelimmobilien.

1785 starb der Vater und hinterließ Louis-Philippe das Schloss Le Raincy, wo dieser den Englischen Landschaftsgarten durch Thomas Blaikie überarbeiten ließ. Er erbte auch das Schloss Sainte-Assise in Seine-Port.

Opposition zum Hof von Versailles

Schon als Herzog von Chartres gefiel er sich in der Opposition zu Ludwig XV., bekämpfte die Reformpolitik des Kanzlers Maupeou auf das heftigste und wurde 1771/72 des Hofes verwiesen. Als Ludwig XVI. 1774 den Thron bestieg, sorgte der Herzog von Chartres durch sein Gebaren und seine liberalen Ansichten für Ablehnung von Seiten des Hofs. Königin Marie-Antoinette hielt aufgrund seines Verhaltens und seiner unkritischen Haltung zur englischen Regierungsweise nicht viel von ihm. 1778 diente er im Geschwader von Louis Guillouet d’Orvilliers und nahm an der Seeschlacht vor Ouessant am 27. Juli 1778 teil. Er hoffte, seinen Dienst fortsetzen zu können, aber der König war dagegen, sodass er aus der Marine entfernt wurde und den Ehrenposten eines Generals der Husaren bekam.

Zur politischen Tatenlosigkeit gezwungen, gab er sich dem Vergnügen hin, besuchte oft London, und man sagt, dass er ein intimer Freund des Fürsten von Wales wurde, des späteren Königs Georg IV. von Großbritannien. Der Herzog brachte die „Anglomania“ nach Paris und machte z. B. Jockeys so modisch wie in England. Er brachte es auch dadurch zu großer Popularität, dass er häufiger Geschenke an die Armen von Paris verteilen, öffentliche Spielstätten und Lokale einrichten ließ und die Gärten des Palais Royal für das Volk öffnete. 1785 war er durch den Tod des Vaters diesem als Herzog von Orléans nachgefolgt und zeigte seine in England noch verstärkten liberalen Ideen so offen, dass man glaubte, er beabsichtige, konstitutioneller König von Frankreich zu werden. Dass die Polizei keinen Zutritt zum Palais Royal als Wohnsitz eines Mitglieds der königlichen Familie hatte, ermöglichte ihm dort eine gewisse Versammlungsfreiheit, und so wurde das Palais zu einer Zentrale der Patriotischen Bewegung. Im November 1787 zeigte er erneut seine Liberalität im Lit de justice, das Étienne Charles de Loménie de Brienne den König abhalten ließ, und wurde abermals nach Villers-Cotterêts verbannt. In dieser Zeit begann langsam eine Entwicklung, die ihn zum Symbol für eine Erneuerung des Ancien Régime machte und zu einem Hoffnungsträger aller liberal Gesinnten.

Beginn der Französischen Revolution

Die anstehende Einberufung der Generalstände ließ seine Freunde sehr aktiv für ihn eintreten (unter anderem arbeitete Choderlos de Laclos für ihn); er verbreitete in jeder Bailliage die Pamphlete, die Emmanuel Joseph Sieyès auf sein Ersuchen hin entworfen hatte, und wurde in drei jener Bezirke auch gewählt: vom Adel in Paris, Villers-Cotterêts und Crépy-en-Valois. Der Herzog entschied sich, als Abgeordneter von Crépy-en-Valois in die Versammlung einzutreten. Als Abgeordneter des Adels befand er sich an der Spitze der liberalen Minderheit unter der Leitung von Adrien Duport. Der Herzog von Orléans führte jene siebenundvierzig Adligen an, die sich am 25. Juni 1789 von ihrem eigenen Stand abspalteten und sich mit dem Dritten Stand vereinigten. Jene Rolle, welche er im Sommer 1789 spielte, ist einer der häufiger diskutierten Aspekte in der Geschichte der Französischen Revolution. Der Hof beschuldigte ihn, Initiator vieler Volksbewegungen zu sein, und sah in seinem Wirken eine der Ursachen des Sturms auf die Bastille. Es gibt nur wenig Zweifel daran, dass Orléans die Königin wenig achtete und sich über die lange Zeit der erzwungenen Abwesenheit vom Hof ärgerte. Er wünschte sich eine gründliche Reform der Regierung und später auch die Einsetzung einer Verfassung. Nicht wenige wollten ihn sogar als König von Frankreich sehen.

Ein Zeugnis für das Verhalten von Orléans während dieses Sommers ist die Aussage seiner Mätresse Grace Elliott, der Marguerite Françoise de Buffon ihr Herz ausschüttete und ihr erzählte, dass er zur Zeit des Bastillesturms auf einem Angelausflug war. Er war von der ihm aufgezwungenen Position eines Thronanwärters so wenig begeistert, dass er in die Vereinigten Staaten gehen wollte; als aber Marguerite Françoise de Buffon ihn nicht gehen lassen wollte, entschied er sich in Paris zu bleiben. Er wurde unter anderem auch beschuldigt, den Marsch der Poissarden nach Versailles am 5. Oktober mitverursacht zu haben. Der Marquis de La Fayette, vermutlich eifersüchtig auf des Herzogs Popularität, überzeugte den König, jenen auf eine Mission nach England zu schicken, um ihn so aus Frankreich fernzuhalten. Er blieb daraufhin vom 14. Oktober 1789 bis Juli 1790 in England, begleitet von dem Komponisten und Fechter Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges. Am 7. Juli 1790 nahm er seinen Sitz in der Versammlung wieder ein und am 3. Oktober wurden er und Honoré Gabriel de Riqueti, genannt Mirabeau, nachdem sie ihre Rolle an den Ereignissen des 5./6. Oktober 1789 dargestellt hatten, durch die Versammlung von jeder Mitschuld an jenen Ereignissen freigesprochen.

Als die Königsfamilie die Flucht nach Varennes antrat, gab er seine Ambitionen auf den Thron endgültig auf, da zu diesem Zeitpunkt offensichtlich war, dass die Position eines Königs keine glückliche Zukunft mehr verhieß. Im Januar 1792 versuchte er, einen Frieden mit dem Hof zu erreichen, was jedoch scheiterte. Im Sommer 1792 diente er für kurze Zeit mit seinen beiden ältesten Söhnen, Louis-Philippe (dem späteren Bürgerkönig) und Antoine Philippe bei der Armee des Nordens, aber er kehrte vor dem 10. August nach Paris zurück.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Louis-Philippe II. Joseph de Bourbon, duc d’Orléans | World in Stories