Louis Andrew Donaldson (* 1. November 1926 in Badin, Stanly County, North Carolina; † 9. November 2024 in Daytona Beach, Florida) war ein US-amerikanischer Jazz-Altsaxophonist, Bandleader und Komponist.
In seiner über 70-jährigen Karriere spielte er u. a. mit Milt Jackson, Thelonious Monk, Art Blakey, Jimmy Smith und George Benson. Musiker wie Horace Silver, Clifford Brown, Ray Barretto, Grant Green, Big John Patton, Lonnie Smith, Blue Mitchell und Donald Byrd machten ihre ersten Plattenaufnahmen mit Donaldson. Donaldson war ein Pionier sowohl des Hardbop als auch des Soul-Jazz und ein oft gesampelter Jazzmusiker.
Bekannt ist er für seinen Blues Walk, den Alligator Bogaloo, den Song Whiskey Drinkin’ Woman und den aus Everything I Do Gonna Be Funky gesampelten Ausruf „Funky-funky!“ in Cantaloop von Us3.
Louis A. Donaldson kam als zweites von vier Kindern in Badin zur Welt, einer Kleinstadt am Fuße der Uwharrie Mountains zwischen Greensboro und Charlotte. Seine Mutter Lucy Wallace Donaldson war eine ausgebildete Konzertpianistin; sie arbeitete als Musiklehrerin an der Badin High School und als Organistin in einer Kirche. Sein Vater Louis Andrew Donaldson senior arbeitete als Versicherungsvertreter und Pfarrer. Von Kind an litt Lou an leichtem Asthma. Mit neun Jahren bekam Lou von seiner Mutter eine Klarinette geschenkt. Im Alter von 15 Jahren spielte er im örtlichen Spielmannszug.
Während seines Studiums an der North Carolina Agricultural and Technical State University wurde er 1945 zur Navy eingezogen. Er spielte Klarinette in der dortigen Militärjazzband, zu der auch Clark Terry gehörte, und wechselte innerhalb kürzester Zeit zum Altsaxophon. Sein großes Vorbild wurde Charlie „Bird“ Parker, der damals auf dem Höhepunkt seines musikalischen Schaffens stand. Nach Ableistung des Militärdienstes in Chicago nahm Lou Donaldson seine unterbrochene College-Ausbildung am NC A&T wieder auf und schloss diese 1948 mit einem Bachelor of Science ab. Seine Abschlussarbeit schrieb er über den musikalischen Übergang vom Swing zum Bebop. Danach strebte er eine semiprofessionelle Baseballkarriere an. Erst auf Drängen des Schlagzeugers Poppa Jo Jones zog er 1950 nach New York City, wo er zahlreiche Wochenendauftritte in den Jazz-Clubs von Harlem absolvierte.
Erste Etappe bei Blue Note (1952–1963)
Entdeckung und frühe Aufnahmen
Bei einem Gig in Minton’s Playhouse wurde Donaldson von Alfred Lion, dem Gründer von Blue Note Records, entdeckt. Lion engagierte Donaldson als Saxophonbegleitung im Stile Charlie Parkers für eine Plattenaufnahme des Milt Jackson Quartet, aus dem später das Modern Jazz Quartet hervorging. Am 30. Mai 1952 begleitete Donaldson eine Session von Thelonious Monk, die auf dem Blue-Note-Album Genius of Modern Music: Volume 2 enthalten ist. Zufrieden mit den Aufnahmen, bot ihm Lion einen Vertrag als Solokünstler an. Es begann eine der fruchtbarsten Zusammenarbeiten des Jazzlabels. Von 1952 bis 1963 nahm Lou Donaldson für Blue Note Records drei 10″- und dreizehn 12″-LPs auf, unter anderem mit dem Perkussionisten Ray Barretto und dem Schlagzeuger Art Blakey. Donaldsons Signature-Song dieser Ära ist der Blues Walk.
Lou Donaldson spielte 1954 im Art Blakey Quintet, einer kurzlebigen Vorstufe der Jazz Messengers. Dem Quintett gehörten neben Schlagzeuger Art Blakey und Pianist Horace Silver der Trompeter Clifford Brown sowie der Bassist Curly Russell an. Ein Zeugnis dieser Zusammenarbeit ist das Live-Album A Night at Birdland, das auf Blue Note Records erschien und als eines der ersten dem neuen Subgenre des Hard Bop zugerechnet wird. Das Doppelalbum wurde am 21. Februar 1954 im New Yorker Jazzclub Birdland aufgenommen. Pee Wee Marquettes Ansage des Abends (mit Vorstellung aller beteiligten Musiker) ist selbst zu einem Klassiker geworden und als Sample in Auszügen zu Beginn des Acid-Jazz-Standards Cantaloop der Formation Us3 zu hören.
Musiker wie Horace Silver, Clifford Brown, Ray Barretto, Grant Green, Big John Patton, Blue Mitchell, Lonnie Smith, Donald Byrd, Horace Parlan, Tommy Turrentine, Al Harewood, George Tucker, Jamil Nasser und Curtis Fuller machten als Begleitmusiker für Lou Donaldsons Band ihre ersten Plattenaufnahmen. Darüber hinaus begleitete Donaldson die Orgellegende Jimmy Smith auf mehreren frühen Alben. Von Smith übernahm er die Hammondorgel für sein Bandkonzept, denn die Orgel ließ sich auf Tourneen besser handhaben als ein Klavier und machte auch einen druckvolleren Sound.
Zweite Etappe bei Blue Note (1967–1975)
1963 löste sich Donaldson von seinem angestammten Label und unterschrieb für vier Jahre beim Chicagoer Plattenlabel Argo-Cadet, wo er sechs Alben aufnahm, darunter Signifyin’. Als er 1967 zu Blue Note zurückkehrte, spielte er 13 weitere Alben für das Jazzlabel ein. Zum Wiedereinstieg nahm Donaldson eine Platte mit langsamen Liebesliedern auf, die er Sweet Slumber nannte und die er in der Rückschau als sein bestes Album bezeichnete. Arrangiert wurde das Album von Duke Pearson. Das Label Blue Note Records wechselte währenddessen den Eigentümer und wurde an den Konkurrenten Liberty Records verkauft. Das für Donaldson eher untypische Balladenalbum verschwand in der Schublade und wurde erst 1980 in Japan unter dem Titel Lush Life und 1986 dann auch in den USA veröffentlicht.
Stattdessen nahm Donaldson ein neues Album mit komplett neuer Band auf. Hierzu holte er zwei Musiker des jungen George-Benson-Quartetts zu Blue Note: den Jazz-Gitarristen George Benson und den Organisten Lonnie Smith. Aus einer spontanen Improvisation, die unter Zeitdruck entstanden war und die freien Minuten des Albums auffüllen sollte, wurde der Alligator Bogaloo. Das Instrumentalstück ist die Auftaktnummer des gleichnamigen Albums und entwickelte sich zu Donaldsons nächstem Signature-Song. Sowohl das Album als auch die Single-Auskopplung gehören zu Donaldsons erfolgreichsten Veröffentlichungen. Gleichzeitig ist Alligator Bogaloo ein Markstein des Soul-Jazz-Genres geworden, nicht zuletzt dank des groovenden Orgelsounds von Lonnie Smith.
Motiviert durch den kommerziellen Erfolg folgten in kurzen Abständen die ähnlich eingängig konzipierten Alben Mr. Shing-a-ling, Midnight Creeper, Say It Loud! Hot Dog und Everything I Play Is Funky. Diese Alben wurden allerdings bereits von Francis Wolff produziert, da sich der Labelgründer Alfred Lion inzwischen aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hatte. Sowohl optisch als auch klanglich vollzog sich mit diesen mit psychedelischen Plattenhüllen versehenen Jazzalben ein Wechsel. Der Hard Bop der fünfziger Jahre wich dem Soul-Jazz der sechziger Jahre, und das Klavier wurde durch eine Hammondorgel ersetzt. Neben dem „modernen“ Sound war der Einsatz der Innovation Hammondorgel vor allem dem Tourleben geschuldet, da vor Ort selten ein Konzertflügel verfügbar war.
Im Jahrestakt erschienen bis in die 1970er Jahre hinein weitere soulige Alben, die zunehmend mit funkigen Overdubs und Backgroundsängerinnen dem Zeitgeschmack angepasst wurden. Das Album Sassy Soul Strut von 1973 hatte schließlich nichts mehr mit dem Sound der Vordekade gemeinsam, und Donaldson verließ das Blue-Note-Label endgültig 1975. Seine Hits erlebten in der ersten Hälfte der neunziger Jahre durch den Boom von Acid Jazz und als Samples im Jazz-Rap ein Revival. Blue Note Records befriedigte die Nachfrage der neuen Kundschaft durch extra zusammengestellte Alben wie The Righteous Reed! The Best of Poppa Lou (1994) und Lou Donaldson – Blue Break Beats (1998).
Seinen späten Spitznamen „Sweet Poppa Lou“ erhielt Lou Donaldson von dem Radio-DJ Bob Porter. Bei einer Aufnahmesession zu Beginn der Achtziger hatte ihm Donaldson die Ballade If I Should Lose You vorgespielt. Bob Porter, dem die Aufnahme ausnehmend gut gefiel, ließ sich zu dem Ausruf der Begeisterung „Oh, Sweet Papa Lou!“ hinreißen. Das dazugehörige Album, Donaldsons erstes für Muse Records, bekam dann auch den Titel Sweet Poppa Lou (1981). Bereits 1974 hatte der Saxophonist für Blue Note eine Platte unter dem Titel Sweet Lou eingespielt.