Charlotte „Lotte“ Ingrisch, geb. Charlotte Gruber (* 20. Juli 1930 in Wien; † 24. Juli 2022 ebenda), war eine österreichische Schriftstellerin, Theater- und Hörspielautorin.
Als Tochter von Emma und Karl Gruber geboren, war Charlotte Gruber von 1949 bis 1965 mit dem Philosophen Hugo Ingrisch verheiratet, dessen Nachname zu ihrem Künstlernamen wurde. Ab 1966 war Ingrisch Ehefrau des 1996 verstorbenen österreichischen Komponisten Gottfried von Einem, für den sie auch etliche Libretti und Liedtexte schrieb. Am bekanntesten ist wohl die gnostische Mysterienoper Jesu Hochzeit, deren Uraufführung 1980 im Theater an der Wien zu einem Theaterskandal wegen angeblicher Blasphemie führte und ihr eine Briefbombe des Terroristen Franz Fuchs, allerdings an eine veraltete Adresse, bescherte.
Lotte Ingrisch veröffentlichte in ihrer frühen Schaffensperiode (1950er und 1960er Jahre) zunächst unter dem Pseudonym Tessa Tüvari humoristische, dann unter eigenem Namen psychologische Romane. Ab Mitte der Sechzigerjahre schrieb sie Komödien, Zauberpossen, Science-Fiction, Hörspiele, Fernsehspiele, Libretti und Sachbücher.
Ab 1970 beschäftigte sie sich, auch in ihren Büchern, mit Bewusstseins-, Sterbe- und Jenseits-Forschung, Tierrecht, Sozialutopien und einer rechtshemisphärischen Reformpädagogik. Daneben schrieb sie, außer Beiträgen zur Transzendenz, zwei Kriminalromane. Sie lebte zu dieser Zeit mit ihrem Gatten Gottfried von Einem hauptsächlich im Waldviertel, vor allem in Rindlberg (Ort der Gemeinde Bad Großpertholz), Oberdürnbach (Gemeinde Maissau) und zuletzt in Weikertschlag an der Thaya. Zu diesen wegen ihrer Störzonen geomantisch interessanten Orten nahm sie in ihren Büchern immer wieder Bezug. Nach dem Tod ihres Mannes schenkte sie ihr Haus in Oberdürnbach als Gottfried von Einem-Museum der Gemeinde Maissau, die dort alljährlich Konzerte veranstaltet.
1990 übereignete Lotte Ingrisch ihren bis dato vorliegenden literarischen Vorlass dem Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. 1993 gründete sie die „Schule der Unsterblichkeit“, um den Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen, und engagierte sich für ein selbstbestimmtes Sterben in Würde. Ingrisch war Vizepräsidentin der Gottfried von Einem Musik-Privatstiftung und gründete 2010 die Internationale Gottfried von Einem-Gesellschaft, die sie als ihre Universalerbin einsetzte und deren Präsident der Komponist und Dirigent HK Gruber ist. Durch ihre Ehe mit Gottfried von Einem war sie die Stiefmutter des im September 2021 verstorbenen ehemaligen österreichischen Innen-, Wissenschafts- und Verkehrsministers Caspar Einem.
Zum Abschluss eines Gesprächs über ihre Wohnung in der Wiener Hofburg sagte Lotte Ingrisch im Herbst 2014: „Ich freue mich schon auf den kleinsten Raum, in dem ich je gewohnt haben werde – auf den Sarg. […] Ich wünschte, ich wäre tot. Wenn in Österreich die Sterbehilfe legal wäre, hätte ich mich schon längst für die Müllabfuhr gemeldet. Ich bin 84 und habe mein Lied gesungen. Ende der Vorstellung.“
Lotte Ingrisch starb im Juli 2022 mit 92 Jahren. Bestattet wurde sie im August 2022 auf dem Friedhof Hietzing, in der Familiengruft von Gottfried von Einem (Gruppe 60, Reihe 7, Nummer 18).
Fest der hungrigen Geister (1961)
Amour noir (fertiggestellt 1960, verlegt erst 1985)
Reiseführer ins Jenseits (1980)
Bauerngärten. Das nützliche Paradies (1984)
Schmetterlingsschule oder Die Veränderung der Welt im Kopf (1986)
Die Kapelle der Gefahren (1988)
Donnerstagebuch (1988) – ein esoterischer Briefwechsel mit dem verstorbenen Jörg Mauthe
Auf den Flügeln des Gesanges. Musikalische Novellen und Erzählungen aus zwei Jahrhunderten (1988) – Co-Autor Gottfried von Einem
Feenschrei – Ein Wegweiser in die Elbenwelt (1991)
Der Engel des Alters oder Methusalem im Wunderland (1993)
Das Lotte Ingrisch-Lesebuch (1995)