Die Region Lothringen (französisch [lɔˈʀɛn]) ist Teil einer historischen Landschaft im Nordosten Frankreichs. Sie ist der mittlere Teil der Region Grand Est. Von 1960 bis Ende 2015 bildete Lothringen, deren Namen auf das historische Herzogtum Lothringen zurückgeht, eine eigene Region mit der Hauptstadt Metz, bestehend aus den Départements Meurthe-et-Moselle, Meuse, Moselle und Vosges. Das so definierte Lothringen hat eine Fläche von 23.547 km² und 2.321.083 Einwohner (Stand 1. Januar 2023).
Im innerdeutschen Sprachgebrauch bezeichnet der historische Begriff Lothringen teilweise nur den von 1871 bis 1918 zum Deutschen Reich gehörenden Bezirk Lothringen beziehungsweise das von 1940 bis 1945 existierende CdZ-Gebiet Lothringen, die beide das heutige Département Moselle umfassten.
Lothringen liegt im Nordosten Frankreichs an den Oberläufen von Maas (französisch Meuse), Mosel (Moselle), Saar (Sarre) und Saône. Es bildet den östlichen Ausläufer des Pariser Beckens. Die Ostgrenze wird von den Vogesen gebildet. Der höchste Punkt ist der Hohneck mit 1364 Metern Höhe. Lothringen grenzt im Norden an die belgische Provinz Luxemburg, das Großherzogtum Luxemburg sowie die deutschen Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz. Mit diesen angrenzenden Gebieten bildet Lothringen eine europäische Großregion sowie rund um das Dreiländereck die Europaregion Saar-Lor-Lux. Im Osten grenzt Lothringen an das Elsass und im Süden an die Region Bourgogne-Franche-Comté. Westlich schließt sich die Champagne an.
Das lothringische Wappen zeigt in Gold einen roten Schrägrechtsbalken, der mit drei silbernen Alérions (gestümmelten Adlern) belegt ist. Es geht auf das Wappen des Herzogtums Lothringen zurück. Der Schrägbalken mit den Adlern tritt um das Jahr 1195 in den Siegeln von Herzog Simon II. auf. Der lothringische Benediktinerabt und Historiker Augustin Calmet berichtet in seiner „Histoire de Lorraine“ von der Überlieferung, dass der lothringische Adler angeblich von Kaiser Friedrich Barbarossa in Anlehnung an den kaiserlichen Reichsadler an Herzog Matthäus I. von Lothringen verliehen worden sei, um die enge Beziehung des Herzogtums zum Heiligen Römischen Reich zu verdeutlichen. Dieses kaiserliche heraldische Privileg sei dem lothringischen Herzog Theobald I. anlässlich seiner Hochzeit mit Gertrud von Dagsburg durch Kaiser Friedrich II. bestätigt worden. Die Adlerstümmelung kam erst im 15. Jahrhundert hinzu. Das Motiv ist auch in den Wappen der Départements Meurthe-et-Moselle, Moselle und Vosges, im Landeswappen des Saarlandes und in vielen kommunalen Wappen enthalten.
Das Lothringer Kreuz (Croix de Lorraine) war das Zeichen des jüngeren Hauses Anjou, das von 1431 bis 1473 in Lothringen herrschte. Bekannt wurde es vor allem als Symbol des freien Frankreich und der französischen Exil-Regierung unter Charles de Gaulle sowie ihrer militärischen Verbände. 1972 wurde das Lothringer Kreuz als Motiv für die Gedenkstätte für Charles de Gaulle in Colombey-les-Deux-Églises (Département Haute-Marne) gewählt.
Römische Provinz Belgica (1. Jh. v. Chr. bis 5. Jh. n. Chr.)
Das überwiegend von keltischen Stämmen besiedelte Gebiet um die Mosel wurde in den Jahren 58 bis 51 v. Chr. von Gaius Iulius Caesar im Gallischen Krieg erobert und später Teil der römischen Provinz Gallia Belgica. In der Spätantike wurde bei der Verwaltungsreform Kaiser Diokletians im Jahr 295 n. Chr. die Gallia Belgica neugegliedert in die Provinzen Belgica I im Süden und Belgica II im Norden. Die Belgica I (Belgica Prima) entsprach bereits ungefähr dem Gebiet der heutigen Region Lothringen, umfasste zusätzlich aber auch einen Teil des unteren Mosellaufs mit der bedeutenden Metropole Augusta Treverorum (das römische Trier). Wichtige lothringische Städte wie Metz (Divodurum) oder Verdun (Virodunum) haben ihren Ursprung in römischer Zeit. Das Gebiet war von der galloromanischen Kultur geprägt, moselromanische Sprachinseln überlebten sogar die Völkerwanderungszeit bis zum Beginn des Hochmittelalters. Zugleich lebten aber auch germanische Siedler in der Provinz, viele davon Laeten im römischen Militärdienst.
451 zogen die Hunnen unter Attila von Trier die Mosel entlang nach Metz und eroberten die Stadt am 7. April, sie wurde geplündert und zerstört. Die Hunnen zogen weiter Richtung Paris, wurden aber in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern von einer Koalition aus römischen, westgotischen und fränkischen Armeen geschlagen. Der Aufstieg der Franken in Gallien begann. In der Übergangszeit von der Spätantike zum Frühmittelalter fiel das Gebiet der Provinz Belgica I zunächst in den Herrschaftsbereich der Alamannen und wurde dann im 5. Jahrhundert ein Teil des Fränkischen Reichs.
Lotharingien und Herzogtum Lothringen (843–1766)
Aus einer Dreiteilung des Fränkischen Reichs entstand 843 das Lotharii Regnum, das nach seinem König benannte „Reich des Lothar“ oder Lotharingien. Es lag in der Mitte zwischen dem Ost- und dem Westfränkischen Reich und erstreckte sich ursprünglich als langgestrecktes Territorium vom Mittelmeer bis zur Nordsee. 870 wurde das Gebiet wieder zwischen dem Ost- und Westfränkischen Reich aufgeteilt. Der Name Lotharingien blieb jedoch im Reichsverband erhalten, wobei zunächst zwischen dem von der Mosel durchflossenen Oberlothringen und dem nördlich daran anschließenden Niederlothringen unterschieden wurde. Während Niederlothringen im Mittelalter bald in mehrere Fürstentümer zerfiel, bestand im oberlothringischen Raum das Herzogtum Lothringen fort, das bis 1766 Teil des Heiligen Römischen Reiches war.
1635 griff Frankreich in den Dreißigjährigen Krieg ein und unterstützte die schwedischen Truppen, die erfolgreich in Elsass und Lothringen gegen die kaiserlichen Truppen kämpften. Lothringen war von den Kämpfen weniger betroffen, schlimmer war eine Pestepidemie, die ab 1620 für ca. 20 Jahre wütete, die man auf einen Einfall der Mansfeldschen Truppen zurückführte. Nach dem Westfälischen Frieden 1648, der Lothringen nur teilweise betraf, verfolgte Frankreich unter Ludwig XIV. die Reunionspolitik, die zur Eroberung Lothringens führte. Auslöser oder Vorwand war die Unterstützung der Fronde, ein Aufstand gegen den französischen König, durch Karl IV., Herzog von Lothringen. Lothringen wurde dann zu einer Provinz des Königreichs Frankreich, das bereits im vorangegangenen Jahrhundert das Elsass annektiert hatte.
Die von 1960 bis 2015 bestehende Region Lothringen umfasste das Kerngebiet des historischen Oberlothringen.
Um 1850 begann die Industrialisierung in der Region Nancy. 1850 wurde die Bahnstrecke Nancy–Metz eröffnet, 1851/52 die durchgehende Eisenbahnstrecke von Reims über Nancy nach Straßburg und von Metz über Saarbrücken nach Mannheim. Frankreich begann ab 1867 mit dem Bau eines Moselkanals zwischen Frouard und Metz, um Lothringen mit dem französischen Kanalnetz zu verbinden. Eine nutzbare Moselkanalisierung erfolgte aber erst in den Jahren 1858 bis 1879. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann auch der Abbau von Steinkohle der saarländisch-lothringischen Lagerstätte, allerdings in geringerem Ausmaß als in der benachbarten Saarregion. Im Jahr 1858 verkündete Napoleon III. offiziell die Entdeckung des Kohlebeckens in Lothringen, bis 1867 entstanden sieben Schächte.
Teilung Lothringens (1871–1918)
Nach dem Sieg Preußens und seiner Verbündeten im Deutsch-Französischen Krieg 1871 wurden die Gebiete mit einer mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung im Nordosten Lothringens als Bezirk Lothringen zusammen mit dem Elsass zum Reichsland Elsaß-Lothringen zusammengeschlossen und dem neu gegründeten Deutschen Reich angegliedert. Der Grenzverlauf in Lothringen schloss dabei französischsprachiges Gebiet in größerem Umfang ein, insbesondere die Stadt Metz und ihr Umland. Das neu geschaffene Reichsland besaß – anders als die übrigen deutschen Gliedstaaten – anfangs keine Eigenständigkeit und war unmittelbar dem Deutschen Kaiser unterstellt. Mit dem Elsass und dem nordöstlichen Teil Lothringens wurden dabei zwei Länder miteinander verbunden, die jeweils eine eigenständige regionale Identität besaßen. Während das Elsass zum alemannischen Kulturraum gehörte, war der deutschsprachige Teil Lothringens Teil des fränkischen Kulturraums. Eine anfangs in Betracht gezogene Angliederung Lothringens an die Pfalz (Bayern) und des Elsass an das Großherzogtum Baden, die dieser kulturräumlichen Nähe Rechnung getragen hätte, wurde jedoch wieder verworfen.