Lothar Zenetti (* 6. Februar 1926 in Frankfurt am Main; † 24. Februar 2019 ebenda) war ein deutscher römisch-katholischer Theologe, Priester und Schriftsteller.
Die Vorfahren von Lothar Zenetti wanderten im frühen 18. Jahrhundert aus dem italienischen Friaul nach Süddeutschland ein. Der Großvater, ein Kaufmann, ließ sich in den 1880er Jahren in Frankfurt-Bockenheim nieder.
Lothar Zenetti wurde als Sohn von Ludwig Zenetti (1887–1975) und dessen Ehefrau Elisabeth geb. Hainz (1900–1950) geboren. Der Vater war Oberstudiendirektor am Frankfurter Goethe-Gymnasium und Mitbegründer der „Katholischen Volksarbeit“ sowie langjähriger Präsident der Katholischen Aktion im Bistum Limburg. Ihm ist auch ein Buch über die Geschichte der Familie Zenetti zu verdanken.
Zenettis Schwester Luitgard Zenetti (1928–2020) wirkte bis 1994 als Studiendirektorin an der Frankfurter Ziehenschule.
Zenetti besuchte in Frankfurt ab 1931 die Bonifatius-Schule und ab 1936 das Goethe-Gymnasium. Im II. Weltkrieg wurde er 1943 mit 17 Jahren als Luftwaffenhelfer eingezogen, danach zum Reichsarbeitsdienst. 1944 kam er als Rekrut nach Wien und dann zur Offiziersausbildung nach Dänemark.
Beim Fronteinsatz in Schlesien ab Januar 1945 wurde er verwundet. Bei Kriegsende geriet er in amerikanische und von da in französische Kriegsgefangenschaft. In dieser Zeit wurde er Seminarist im so genannten Stacheldrahtseminar von Chartres, welches zwischen 1945 und 1947 von Abbé Franz Stock als Regens geleitet wurde. Am 1. Juli 1946 wurde Zenetti nach Hause entlassen.
Von Zenetti gemalte Kreuzwegstationen aus dem Seminargebäude, das heute das Projekt Europäische Begegnungsstätte Franz Stock beherbergt, sind jetzt dauerhaft in der Frauenfriedenskirche in Frankfurt zu sehen. Von den vierzehn Stationen sind heute noch die letzten vier erhalten. Anhand von Fotos wurden Reproduktionen der Kreuzwegstationen erstellt.
Zurück in Frankfurt machte er das Abitur in einem Heimkehrer-Kurs und schrieb sich an der Hochschule St. Georgen für katholische Theologie und Philosophie ein. 1952 schloss er das Studium ab und wurde am 28. September 1952 durch Diözesanbischof Wilhelm Kempf in Limburg an der Lahn zum Priester geweiht. Mit der Heimatgemeinde Frauenfrieden feierte er am 5. Oktober 1952 seine Primiz.
Die Stationen als Kaplan waren Oberbrechen, Kölbingen im Westerwald, Königstein im Taunus und Wiesbaden, St. Bonifatius. 1962 erfolgte die Ernennung zum Stadtjugendpfarrer in Frankfurt. Von 1969 bis 1995 wirkte er als Gemeindepfarrer in St. Wendel, Frankfurt-Sachsenhausen. Der Synode der deutschen Bistümer gehörte er 1971 als Berater, ab 1972 als Mitglied an. Im Zeitraum von 1976 bis 1981 war Zenetti Dekan in Frankfurt-Süd. Beim Hessischen Rundfunk war er von 1981 bis 1991 Senderbeauftragter für den Hörfunk der katholischen Kirche. Ab 1949 hatte er regelmäßig für den Funk gearbeitet, gleichzeitig war er Journalist für die Kirchenzeitung Der Sonntag und war einer der Sprecher der ARD-Sendung „Das Wort zum Sonntag“.
Lothar Zenetti veröffentlichte nach eigenen Angaben 27 Bücher, neben Lyrik und Erzählungen auch Bücher zu Kunst, Musik und Religionspädagogik sowie Texte für den Hörfunk und Mundart-Beiträge. Viele seiner Werke sind ins Englische, Spanische, Portugiesische, Italienische und Französische übersetzt worden. Wunder geschehen nicht nur sonntags und Manchmal leben wir schon liegen auch in Blindenschrift vor.
Etwa 150 seiner Gedichte wurden vertont und viele wurden in Liederbüchern und Schallplattenaufnahmen bekannt gemacht, etwa Was keiner wagt von Konstantin Wecker.
Zenetti war als Autor 1972 an der ökumenischen Beatmesse Liebe ist nicht nur ein Wort mit Wilhelm Willms, Eckart Bücken und Peter Janssens beteiligt. In allen katholischen Gesangbüchern des deutschsprachigen Raumes finden sich seine Lieder; aber auch das Evangelische Gesangbuch und das Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche haben einige Texte von ihm übernommen. Neben eigenen Dichtungen übersetzte Zenetti auch Texte des niederländischen Lyrikers und Theologen Huub Oosterhuis. Seine Übersetzung von Ik sta voor u als Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr ist nicht nur im Gotteslob zu finden.
Gemeinsam mit dem Posaunisten Albert Mangelsdorff reiste er in die USA und brachte von da die Idee zu lebendigeren, zwanglosen Gottesdiensten mit, die mit Jazz- oder Beatmusik gestaltet werden sollten. In diesem Zusammenhang schrieb er „ein wichtiges Buch über Jazz und Kirche“ (Wolfram Knauer).
Lothar Zenetti wohnte zuletzt in Frankfurt-Bockenheim. Er starb am 24. Februar 2019 nach langer Krankheit im Alter von 93 Jahren und wurde im Familiengrab auf dem Neuen Friedhof Bockenheim (Gewann 8a, Reihe 8) beigesetzt.
1984: Preis Humor in der Kirche
1996: Stoltze-Laternen-Preis für satirisch-literarisches Schaffen im Sinne Friedrich Stoltzes
2025: Benennung des Platzes vor der Frankfurter Frauenfriedenskirche in Lothar-Zenetti-Platz
Nägel mit Köpfen. Handreichungen für das Glaubensgespräch. Pfeiffer, München 1960.