An diesem Tag

Lothar König (Jesuit)

Deutscher Jesuit und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

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Lothar König SJ (* 3. Januar 1906 in Stuttgart; † 5. Mai 1946 in München) war ein deutscher Jesuit und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Jugend und jesuitische Ausbildung

Lothar König wurde am 3. Januar 1906 als Sohn des Kaufmanns Paul König und dessen Frau Elisabeth in Stuttgart geboren. Der Vater fiel am 28. August 1914 bei Wettolsheim, Elsass, woraufhin König Wilhelm II. von Württemberg für den Achtjährigen die Ehrenpatenschaft übernahm. Er besuchte von 1915 bis 1924 die Friedrich-Eugen-Oberrealschule in Stuttgart. 1919 schloss er sich der katholischen Jugendbewegung Bund Neudeutschland an, einer Gründung des Jesuiten Ludwig Esch. Von 1922 bis 1924 war König Gaugraf des Bundes. Im Sommersemester 1924 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) in München Naturwissenschaften.

König trat am 15. September 1924 in den Jesuitenorden ein. Nach seinem Noviziat in Tisis in Vorarlberg studierte er von 1926 bis 1929 scholastische Philosophie am Berchmanskolleg in Pullach und von 1929 bis 1933 Naturwissenschaften an der LMU. Nach Staats- und Assessorexamen folgte das Theologiestudium (1934–1938) im niederländischen Valkenburg und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main. Daneben promovierte er 1935 an der LMU in Philosophie mit dem Thema Die Deutschtumsinsel an der Wolga. Ein Beitrag zur länderkundlichen Darstellung der deutschen Wolgakolonie und der natürlichen Grundlage ihrer Wirtschaft (Leipzig 1937).

Am 26. Juli 1936 wurde P. Lothar König von Kardinal Michael von Faulhaber in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael zum Priester geweiht. Ab September 1939 war er im Berchmanskolleg, das als universitäre Einrichtung Promotionsrecht besaß, Professor für Kosmologie.

Verantwortlich für das Berchmannskolleg

Das Berchmannskolleg beherbergte in den Jahren 1937–39 aus den drei deutschen Ordensprovinzen 170 Novizen zur philosophisch-theologischen Ausbildung. Mitte 1939 war P. König vom Ordensprovinzial P. Augustin Rösch zu dessen Bevollmächtigten für das Kolleg ernannt worden. In dieser Aufgabe führte er in den folgenden Jahren die Verhandlungen mit Dienststellen von Partei und Wehrmacht, die das Gebäude für sich beanspruchten. Am 28. August 1939, zwei Tage nach der Mobilmachung, beschlagnahmte vorsorglich das Stellvertretende Generalkommando des VII Armeekorps (München) das geräumige Gebäude als Ausweichunterkunft. Hieraus entwickelte sich ein Streit zwischen Wehrmacht und NSDAP, welche die attraktiven Baulichkeiten in die Hände bekommen wollte. In dieser Lage gelang es P. König, unterstützt durch das Generalkommando, das Kolleg der Wehrmacht als Reservelazarett mit 338 Betten zu vermieten. Während die jesuitischen Internatsschulen Stella Matutina, Feldkirch und Kolleg St. Blasien, das Exerzitien- und Noviziatshaus in Tisis bei Feldkirch und das Exerzitienhaus Rottmannshöhe [am Starnberger See] zwangsweise aufgelöst waren, die Zeitschrift sowie das Verlagsgebäude Stimmen der Zeit hatten zwangsverkauft werden müssen, blieb so durch P. Königs Verhandlungen das Berchmanskolleg dem Orden als teilweise vermietet erhalten. Die Jesuiten konnten die Baulichkeiten weiterhin als Wohnung und geistiges Zentrum nutzen. Sie brauchten dies auch, weil seit Sommer 1941 auf Anordnung Hitlers rund 400 Mitbrüder aus der Wehrmacht zwangsweise entlassen worden waren und Unterbringung benötigten. Darüber hinaus stand das Haus den jesuitischen Aktivitäten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus weiterhin zur Verfügung.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Im Ausschuss für Ordensangelegenheiten

Lothar König und der Dominikanerpater Odilo Braun setzten am 9. August 1941 beim Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, dem Breslauer Kardinal Adolf Bertram, in einer Audienz die Anerkennung des Ausschusses für Ordensangelegenheiten durch. Ihm gehörten als weitere Ordensangehörige die Patres Augustin Rösch SJ und Laurentius Siemer OP an. Weitere Mitglieder waren der Jurist Georg Angermaier als Vertreter der Laien sowie fünf Diözesanbischöfe der Fuldaer Bischofskonferenz: Konrad Kardinal von Preysing (München), Erzbischof Wilhelm Berning (Osnabrück), Erzbischof Conrad Gröber (Freiburg), Bischof Johann Baptist Dietz (Fulda) und Bischof Landersdorfer (Passau). Der Ausschuss war als Reaktion auf die Enteignung von Klöstern im nationalsozialistischen Klostersturm gebildet worden. Seine Mitglieder setzten sich auch dafür ein, die deutschen Bischöfe zu einer kirchenpolitisch härteren Haltung gegen den Nationalsozialismus zu bewegen. Der Ausschuss entwarf zwischen 1941 und 1943 drei Hirtenbriefe bzw. war an deren Entwürfen beteiligt. Den Menschenrechtshirtenbrief vom November 1941 entwarfen die Mitglieder mit und setzten ihn auch bei den 24 Bischöfen des Reiches durch. Zur Zustimmung der Bischöfe waren König und Odilo Braun als Legaten des Kardinals von Faulhaber durch die Diözesen gereist. Das Projekt war schließlich aber an der Bischofskonferenz gescheitert. Dazu beigetragen hat vermutlich die Deutlichkeit, die Königs Überarbeitung in die Texte gebracht hat: Es folgte der Hirtenbrief vom Passionssonntag 1942 und schließlich der Dekalog-Hirtenbrief Die Zehn Gebote als Lebensgesetz der Völker vom 12. September 1943.

Rettung der 24 kontemplativen Klöster des Elsasses und Lothringens

Im Jahre 1940 fanden auf Befehl Heinrich Himmlers in den Ländern des Altreichs umfangreiche Beschlagnahmungen kirchlichen Kloster- und Gebäudebesitzes statt. Sie wurden durch die Himmler unterstellte Volksdeutsche Mittelstelle durchgeführt, um Raum zu schaffen für umgesiedelte Volksdeutsche. Auf einen Geheimerlass vom 13. Januar 1941 des Reichsleiters und Leiters der Partei-Kanzlei der NSDAP Martin Bormann hin folgte eine zweite, noch schärfere Welle des Klostersturms. Insgesamt fielen dem Klostersturm rund 300 Klöster und kirchliche Einrichtungen zum Opfer. Der Münsteraner Kardinal Clemens August Graf von Galen wies in seiner Predigt vom 20. Juli 1941 (Überwasserkirchenpredigt) auf die Beschlagnahme der Klöster hin und berichtete den Gläubigen seiner Diözese, dass er vergeblich bei Regierungspräsidium und Reichskanzlei protestiert habe. Von Galens Predigt und die vom NS-Regime registrierte Empörung in der Bevölkerung hatte in der Folge aber bewirkt, dass Hitler am 30. Juli 1941 weitere Enteignungen verbot.

Ungeachtet dessen versuchte zwei Jahre später der Reichsschatzmeister, SS-Oberstgruppenführer Franz Xaver Schwarz (München), die 28 kontemplativen Klöster des Elsasses und Lothringens in Parteibesitz zu bekommen. Hintergrund war vermutlich u. a., dass diese Klöster mit ihren Mutterklöstern in Frankreich verbunden waren und so ein starkes französisches Element im Elsass bildeten, das als CdZ-Gebiet unter reichsdeutscher Zivilverwaltung stand und dem NSDAP-Gau Baden-Elsass angeschlossen war. Von diesem Vorhaben erfuhr P. Augustin Rösch am 12. Juni 1943 bei einem durch den Chirurgen Max Lebsche organisierten Geheimtreffen in dessen Klinik mit dem Münchner Stadtpfarrer Emil Muhler. Muhler zeigte den zweieinhalb Seiten langen Geheimbefehl Bormanns aus der NSDAP-Kanzlei, den ihm eine Sekretärin der Reichsschatzmeisterei vertraulich in Kopie übergeben hatte. Die Aktion solle in der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1943 ablaufen. Rösch und P. König fuhren mit dem Nachtschnellzug nach Karlsruhe, von dort nach Straßburg, wo sie 24.00 Uhr ankamen. Sie erreichten dort aber nur einen Krankenhauspfarrer, der eine resignierende Haltung einnahm. Daraufhin fuhren die beiden Jesuiten nach Freiburg zu Erzbischof Gröber. Gemeinsam beschloss man, die Geheimhaltung der Aktion zu sabotieren. Erzbischof Gröber versandte Protesttelegramme an Hitler, Martin Bormann, Heinrich Himmler, das Reichssicherheitshauptamt, die Gestapoleitstellen Berlin, München, Straßburg, Karlsruhe, Metz und an den Gauleiter des Gaues Baden-Elsass, Robert Wagner. Dies führte zu einer solchen Verwirrung unter den Dienststellen, dass der Klostersturm im Elsass unterblieb. Die jesuitischen Akteure waren dabei ein hohes Risiko eingegangen. Dennoch blieb die Aktion den Machthabern nicht verborgen: Einer der Anklagepunkte vor dem Volksgerichtshof gegen Augustin Rösch betraf die „Verhinderung des bereits bis ins einzelnste angeordneten totalen Klostersturms in Elsass-Lothringen“.

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