Lorenzo De Ferrari, auch „Abate De Ferrari“ genannt, (* (getauft) am 14. November 1680 in Genua; † 28. Juli 1744 ebenda) war ein italienischer Maler und Freskant des Spätbarock aus der Genueser Schule. Er stammte aus einer berühmten Künstlerfamilie.
Er war der Sohn des berühmten Genueser Malers Gregorio De Ferrari und der Margherita Piola und war mütterlicherseits ein Enkel des ebenfalls berühmten Domenico Piola und Neffe von Paolo Gerolamo Piola.
Neben einer humanistischen Ausbildung erlernte Lorenzo die Malerei bei seinem Vater, der ihn nicht nur auf der Grundlage seiner eigenen Werke ausbildete, sondern auch in die Genueser Palazzi Balbi und Durazzo mitnahm, wo Lorenzo Gemälde großer Meister, wie besonders Anthonis van Dyck und Guido Reni, kopierte (Soprani-Ratti, 1769, S. 264).
Im Jahr 1700 soll er an dem Wettbewerb für die Dekoration der Sala del Maggior Consiglio im Palazzo Ducale von Genua teilgenommen haben, aus der jedoch Marcantonio Franceschini als Gewinner hervorging. Zwei heute zur Sammlung der Accademia Ligustica in Genua (Inventar-Nr. 97 und 98) gehörende Entwürfe wurden jedoch von verschiedenen Autoren nicht nur Lorenzo De Ferrari, sondern auch Domenico Piola oder allgemein der „Casa Piola“ zugeschrieben.
Dass Lorenzo bis zum Tode seines Vaters im Jahr 1726 als dessen Gehilfe und Mitarbeiter eng mit diesem zusammenarbeitete, prägte seine eigene Malerei zutiefst, so dass es bei einer ganzen Reihe von Werken, die nicht eindeutig signiert oder anderweitig dokumentiert sind, Zuschreibungsprobleme gibt. Zu diesen schwer definierbaren Werken gehören unter anderem das Bild Echo und Narciss in den Sammlungen der Cassa di risparmio di Genova e Imperia (Genua) und auch die sieben Leinwände mit Geschichten des Herkules, die sich einst im Palazzo Cattaneo Adorno in Genua befanden und auf die Zeit zwischen 1715 und 1726 datiert werden.
Im gleichen Zeitraum arbeitete Lorenzo zusammen mit Gregorio und unter dessen Leitung an der Freskendekoration der Kirche Santa Croce in Genua, wobei es unter den Fachleuten keine Einigkeit gibt, welche Teile eindeutig der Hand Lorenzos zuzuschreiben sind; das Altarbild mit den Heiligen Nikolaus, Matthäus und Lucia in derselben Kirche schuf Lorenzo offenbar alleine.
Ein eindeutig eigenes Werk Lorenzos ist eine Vorzeichnung zu einem Kupferstich mit einer Allegorie zu Ehren des Dogen Lorenzo Centurione, die 1717 mit der Signatur „Laurentius de Ferrariis inven. et delin.“ von dem Prager Kupferstecher M. J. Limpach veröffentlicht wurde (Rom, Gabinetto nazionale delle stampe, Nr. 5823).
Etwa zu Beginn der 1720er Jahre arbeitete Lorenzo De Ferrari auch mit seinem Onkel Paolo Gerolamo Piola zusammen am Freskendekor in der Genueser Kirche Santa Marta und musste nach dessen Tode im Jahr 1724 das Werk allein fertigstellen.
Ein mythologisches Deckenfresko Lorenzos in einer kleinen Galerie im Palazzo Pallavicini Podestà (Genua, via Garibaldi) entstand wahrscheinlich um 1720 und ist noch stark von Gregorios Stil beeinflusst, während es zu den Stuckaturen eine Vorzeichnung von Paolo Gerolamo Piola gibt.
Im Todesjahr seines Vaters erhielt er den Auftrag für Festdekorationen in der Chiesa del Gesù in Genua anlässlich der Feiern zur Kanonisation der Heiligen Luigi Gonzaga und Stanislaus Kostka, die am 13. November 1726 stattfanden (Soprani-Ratti, 1769, S. 270).
De Ferrari schmückte mit seinen Fresken und Ölgemälden viele Paläste und Kirchen in Genua. In der Chiesa del Gesù malte er Fresken in vier kleinen Kuppeln der Seitenschiffe.
Zu den typischen Merkmalen seiner Reife gehört die klare Zeichnung seiner Figuren (Newcome, 1978, S. 62 f), jedoch löste er sich auch nach dem Tode seines Vaters stilistisch nur langsam von dessen Vorbild. Beispiele dafür sind Lorenzos Jungfrau mit Kind und Heiligen in der Gemeindekirche (Parrocchiale) in Tosse – die eindeutig als sein Werk dokumentiert ist und Ende der 1720er Jahre entstand –, sowie eine Himmelfahrt Mariä (Assunzione della gloriosissima Vergine al Cielo), die er etwa zur selben Zeit für die Sala dei Sindacatori straordinari im Palazzo Ducale von Genua malte und die heute zu den Sammlungen des städtischen Museums Genua im Palazzo Luca Grimaldi („Palazzo Bianco“) gehört.
Eigenständig ist dann schließlich Lorenzo De Ferraris um 1730 entstandener Freskendekor mit dem Deckengemälde Prometheus belebt eine Statue und mehreren Grisaillen in einem Salon des Palazzo Brignole Durazzo in Genua. Bereits Ratti (1769, S. 264) bemerkte, dass er hier in einem neuen Stil („una nuova maniera“) arbeitete, der sich vom väterlichen Vorbild entfernte. Ähnliches gilt für sein Deckenfresko Venus überreicht Aeneas die Waffen, das er um 1730–34 in der Casa Sauli malte (heute im Palazzo Gardella, Genua).
Lorenzo De Ferrari war nie verheiratet, stattdessen soll er laut Ratti „im ewigen Zölibat“ gelebt und immer das Gewand eines Klerikers getragen haben und wurde daher auch „Abate De Ferrari“ genannt (Soprani-Ratti, 1769, S. 271).
1734 reiste der mittlerweile 54-Jährige für etwa zwei Monate nach Rom (Soprani-Ratti, 1769, S. 268). Wie seine spätere Entwicklung zeigt, muss er sich dort besonders mit der klassizistischen Tradition nach Guido Reni, Domenichino und Maratta auseinandergesetzt haben, und er besuchte auch die Maler Sebastiano Conca, Marco Benefial und Masucci. Auf der Rückreise über Florenz versuchte Gabburri ihn zu überreden, sich in der dortigen Accademia del disegno einzuschreiben.
Direkt nach seiner Rückkehr nach Genua schuf er in der Kirche San Sebastiano eine Himmelfahrt Mariä inmitten von Engeln, die sowohl von Ratti (1769, S. 269) als auch von Alizeri (II, 1847, S. 668) besonders gelobt wurde, aber die 1872 beim Abriss der Kirche verloren ging.
Als ein Meisterwerk gilt De Ferraris Altarbild Madonna mit Stanislaus Kostka und Francesco Borgia in der Kathedrale San Lorenzo von Genua, das er wahrscheinlich nach 1734 malte.
In den folgenden Jahren schuf er Deckenfresken und andere Dekorationen im Palazzo Spinola di Pellicceria, im Palazzo Durazzo, im Palazzo Saluzzo-Granello (1736) und im Palazzo Doria (bis 1738).