Lorenzo Celsi (* 1. Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts in Venedig; † 18. Juli 1365 ebenda) war nach der Zählung der staatlich kontrollierten Geschichtsschreibung der Republik Venedig ihr 58. Doge. Er regierte von seiner Wahl am 16. Juli 1361, bzw. seiner Rückkehr nach Venedig am 21. August, bis zu seinem Tod vier Jahre später.
Celsi entstammte einer Familie, die bis dahin politisch nicht hervorgetreten war. Er selbst betätigte sich in verschiedenen der höchsten Gremien, war ein Jahr als Unterhändler am Hof Kaiser Karls IV., trat aber vor allem in den Kriegen gegen Ungarn, die Osmanen und vor allem gegen Genua hervor. In einer Situation schwerer innerer Konflikte, in denen es um die Machtbeteiligung, aber auch um Fragen des Protektionismus in der Handelspolitik ging, genügte das Gerücht eines Schlages der Flotte unter Führung Celsis gegen die Genuesen, um ihn zum Dogen zu wählen.
Das gravierendste Ereignis während seiner kurzen Regierungszeit war der Aufstand der venezianischen Siedler auf Kreta, dessen vorläufige Niederschlagung Celsi in Venedig aufwändig feiern ließ. Dabei war auch Petrarca anwesend, mit dem Celsi eine Freundschaft verband.
Die Auseinandersetzungen innerhalb des Patriziats setzten sich derweil fort, jedoch ist die Rolle Celsis in diesen Kämpfen nicht mehr nachvollziehbar, weil die Prozessakten, nachdem Celsi verstorben war, vernichtet wurden. Möglicherweise wäre er ansonsten, ähnlich wie ein Jahrzehnt zuvor Marino Falier, hingerichtet worden.
Lorenzo Celsi wurde als Sohn des Marco Celsi, des späteren Prokuratoren von San Marco geboren. Ihren Sitz hatte die Familie in der Gemeinde San Martino im Osten der Stadt. Geboren von einer namentlich nicht überlieferten Frau im ersten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts, laut Emmanuele Antonio Cicogna im Jahr 1308, wuchs er in einer vermögenden Familie auf.
Lorenzo Celsi war mit einer Maria verheiratet, von der der Familienname nicht überliefert ist, daher wird sie als Maria Celsi geführt. Das Paar hatte mehrere Töchter, von denen nur Anna und Orsa namentlich überliefert sind. Maria wurde in einigen Genealogien mit Marchesina Ghisi verwechselt, der Ehefrau des Dogen Lorenzo Tiepolo.
Allerdings ist seine politische und militärische Karriere insofern überraschend, als aus seiner Familie niemand an einem solchen Lebensweg Interesse zeigte. Selbst sein Vater gelangte erst in das besagte Amt, als sein Sohn bereits zum Dogen aufgestiegen war.
Die Abfolge von Ämtern, die Lorenzo Celsi in den rund zwölf Jahren zwischen 1349 und seiner Wahl zum Dogen bekleidete, ist nur mit erheblichen Unsicherheiten nachzuzeichnen. Denn es besteht durch die Wahl immer der gleichen begrenzten Zahl von Vornamen innerhalb der Familie, was in Venedig häufig vorkam, große Verwechslungsgefahr. Daher haben sich Historiker häufig auf die späteren Genealogen verlassen müssen. Bei Lorenzo Celsi besteht etwa die Gefahr einer Verwechslung mit einem gleichnamigen Angehörigen der Celsi-Familie aus dem Sestiere San Marco. Dieser Lorenzo Celsi war 1350 Kandidat für den Senat, dann von Januar bis Juli 1351 und erneut von Oktober 1351 bis Januar 1352 einer der Savi, der erfahrenen Männer, die in einem Gremium saßen, das über Maßnahmen gegen das verfeindete Genua beraten sollte. Sie war die mächtigste Handelsrivalin, mit der man sich von 1350 bis 1355 nicht zum ersten Mal im Krieg befand. Dieser Lorenzo Celsi war vielleicht ein Onkel des späteren Dogen.
Kandidat für den Senat, Flottenführer in der Ägäis (1353)
Im öffentliche Leben trat Lorenzo Celsi wahrscheinlich schon vor 1349 auf, als er gleichfalls als Kandidat für den Senat, das Consilium Rogatorum erscheint, wie das hochrangige politische Gremium zu dieser Zeit noch hieß. Erneut im Jahr 1352 wurde er für diese hohe Stellung vorgeschlagen, die in Fragen des Handels ausschlaggebend war.
Im Juli 1353 wurde er zum Capitano da Mar bestimmt, wobei er in diesem Rang als Flottenführer fünf Galeeren kommandierte, die die Handelsschiffe „in Turchia“ begleiten sollten. Diese Schiffe trugen Weizen. Lorenzo Celsi gelang es bei dieser Gelegenheit, „aput Marmoram“ feindliche Schiffe aufzubringen. Häufig führten derlei Maßnahmen im Seehandel dazu, dass Waren konfisziert wurden. Er und einige andere Amtsträger wurden später angeklagt, rechtswidrig Waren eines französischen Händlers eingezogen zu haben.
Podestà von Treviso (1354–1355), Unruhen auf Kreta
Im August 1354 ging Celsi für ein Jahr als Podestà nach Treviso, das Venedig 1339 als erste Stadt auf dem italienischen Festland besetzt hatte. Mit dieser Besetzung wurden Rechte des Römisch-deutschen Reiches verletzt. Als die Kämpfe mit dem ungarischen König begannen, in dessen Auftrag Francesco da Carrara, Signore von Padua, Treviso im Jahr 1356 angriff, war Celsi in Dalmatien und auf Istrien tätig, wohin sich der Kriegsschauplatz ausgedehnt hatte.
Doch nicht nur dort war das venezianische Kolonialreich bedroht. In diesen Kämpfen kam Celsi eine eher beratende Funktion zu, denn er gehörte vom 3. bis zum 25. August 1355 einer Kommission an, die über nicht näher spezifizierte Vorgänge auf Kreta zu befinden hatte. Dort war es in der Inselhauptstadt Candia durch Tito Venier und Francesco Gradenigo zu Spannungen gekommen, in deren Folge ihr Grundbesitz konfisziert wurde. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die für die Entsendung von Provveditori plädierten, die nicht nur für die Strafverfolgung, sondern auch für Reformen sorgen sollten, setzte sich Celsi mit seinem Vorschlag durch, die Verurteilung der beiden Hauptschuldigen und möglicher Komplizen den Rettori der Insel zu überlassen. Dabei stimmte er der Einziehung ihrer Lehnsgüter, „feudi“ genannt, zu. Über diese Rebellion ist ansonsten nur wenig bekannt. Die feudatores der Insel beklagten sich ihrerseits beim Senat, der daraufhin die Einziehung der Güter rückgängig machte. Dennoch beobachtete man in Venedig die Tätigkeit der beiden Familien, die später eine zentrale Rolle beim Aufstand der venezianischen Siedler auf Kreta (1363–1366) spielten, mindestens seit zehn Jahren, denn sie waren bereits seit geraumer Zeit durch die Kaperung katalanischer Schiffe als Störer des Handels aufgefallen.
Krieg gegen Ludwig von Ungarn: Heerführer in Dalmatien (1355–1357), Istrien (1357–1358)
Im Dezember 1355 wurde Lorenzo Celsi als Heerführer im Konflikt mit dem König von Ungarn um Dalmatien eingesetzt. Auch oblag ihm die Rückgewinnung der Festungen Clissa und Scardona in der Nähe von Spalato, dem heutigen Split. In diesen Auseinandersetzungen waren aber schon der Capitano generale da Mar und die Provveditori di Schiavonia federführend. In diesem Amt blieb er bis Ende Januar 1357, wobei er als Conte in Scardona residierte. Diese Stadt war am 10. Januar 1356 an Venedig abgetreten worden, nur wenige Tage nach seiner Ankunft in Dalmatien. Im Jahr 1357 wurde er zum Capitano generale in Istria gewählt, doch kehrte er nach Abschluss des Friedensvertrages mit König Ludwig von Ungarn bereits im Februar 1358 nach Venedig zurück.
Dort erscheint er noch im Dezember als Zeuge für Ulrich von Reifenberg im Zusammenhang mit der Stadt Grisignana. Von diesem hatte Venedig 1358 diese Stadt, das heutige Grožnjan, für 4.000 Dukaten erworben.
Unterhändler am Hof Kaiser Karls IV. um den Status Trevisos (1359–1360)