Livorno (im Ortsdialekt: Ligorno) ist die Hauptstadt der gleichnamigen italienischen Provinz Livorno in der Region Toskana. Die am Tyrrhenischen Meer gelegene Stadt hat 152.451 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025) und ist nach Florenz und Prato die drittgrößte Stadt der Toskana. Der Hafen von Livorno ist einer der größten des Landes.
Livorno liegt in der Küstenebene südlich der Mündung des Flusses Arno, ca. 20 km südwestlich von Pisa. Florenz liegt ca. 80 km nordöstlich von Livorno. Im Norden und Osten grenzt Livorno an die Gemeinden Pisa und Collesalvetti, im Süden, wo die Hügel der Colline livornesi und eine felsige Steilküste beginnen, an Rosignano Marittimo. Zur Gemeinde Livorno gehören auch der kleine Ferienort Quercianella sowie die Inseln Gorgona und Meloria.
Eine erste militärische Ansiedlung in der Nähe des heutigen Hafens stammt aus römischer Zeit. Die alten Namen des Ortes (Liburna, Liorna, Livorna) leiten sich wahrscheinlich von dem römischen Kriegsschifftyp Liburne ab.
Livorno wurde 1017 erstmals erwähnt und gehörte die nächsten Jahrhunderte zur Seerepublik Pisa. In dieser Zeit war der Ort ein kleines Fischerdorf und Vorposten zur Verteidigung des Pisaner Hafens (Porto Pisano). Durch dessen allmähliche Versandung wurde Livorno dann immer bedeutender. Der Ort wurde mehrfach bei kriegerischen Ereignissen zerstört, so 1284 von den Genuesen nach dem Sieg über die Pisaner in der Seeschlacht bei Meloria, einer kleinen Insel vor der Stadt.
Als der französische König 1405 Pisa an die Florentiner verkaufte, behielt er zunächst Livorno, verkaufte es dann aber 1407 für 26.000 Dukaten an die Genuesen, die es wiederum 1421 an Florenz weiterverkauften. Im Jahr 1496 wurde Livorno während der sogenannten Italienischen Kriege belagert.
Die Florentiner, für die Livorno einen wichtigen Zugangspunkt zum Meer darstellte, begannen mit dem Ausbau des Hafens. Zwischen 1518 und 1534 entstanden, nach Auftrag des Kardinals und späteren Papstes Giulio de’ Medici und Plänen von Antonio da Sangallo das Hafenbecken Darsena Vecchia und die Festung Fortezza Vecchia.
Livorno selbst blieb jedoch unbedeutend, der Ort hatte 1551 nur 749 Einwohner. Die Küstenregion am nördlichen Ende der Maremma war relativ unwirtlich, denn es gab noch Sumpfgelände und es herrschte die Malaria. Vorzugsweise Strafgefangene wurden nach Livorno verfrachtet.
Unter den Großherzögen Cosimo I. und Francesco I. wurde der Ort ab 1571 als „ideale Stadt“ angelegt. Beauftragt mit der Planung waren bekannte Architekten der Zeit wie Bernardo Buontalenti und Alessandro Pieroni. Das Resultat war eine Stadt mit rechtwinklig orientierten Straßen, umgeben von einer sechseckigen Wallanlage und Wassergräben. Die Sümpfe im Umland wurden trockengelegt und zwischen Livorno und Pisa ein schiffbarer Kanal gebaut. Zur Verteidigung der Küste vor Piratenüberfällen der Korsaren wurde der Stephansorden gegründet, und dessen Flotte in Livorno stationiert.
Zwischen 1590 und 1603 wurden die Leggi Livornine erlassen, auch Costituzione Livornina genannt. Diese Gesetze sahen Immunität, Privilegien und Freiheiten für Händler jeglicher Herkunft vor, vor allem aber garantierten sie Glaubensfreiheit. Durch dieses Toleranzedikt wurde Livorno durch Ansiedlung verschiedener Bevölkerungsgruppen zu einer kosmopolitischen und multireligiösen Stadt. Jede Gruppe legte eigene Kultstätten an und organisierte sich in Interessenvertretungen, den Nazioni, von denen es insgesamt neun gab: Juden, Griechen, Engländer, Deutsche (inklusive Niederländer), Franzosen, Syrische Maroniten, Armenier, Muslime und Waldenser. Letztere, als Protestanten, wurden jedoch bis in die 1660er Jahre diskriminiert. Erst 1707 durfte die anglikanische Gemeinde einen Pastor anstellen. Neben Genuesen kamen auch Portugiesen und Spanier, darunter viele Juden. Diese Sephardim mussten in Livorno nicht wie in vielen anderen italienischen Städten in einem Ghetto leben. Daher nannte man Livorno auch das „Paradies der Juden“.
Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart
Im Ersten Englisch-Niederländischen Krieg ankerte in Livorno 1652 ein englisches Geschwader und wurde später von niederländischen Schiffen blockiert. In der Seeschlacht bei Elba (September 1652) und der Seeschlacht bei Livorno (März 1653) besiegten die Niederländer die Engländer. Etwas ruhiger ging es Anton Bogos Çelebi († 1674) an. Der ehemalige armenische Zollbeamte aus Smyrna (Izmir) ließ 1666 in Livorno ein beliebtes türkisches Bad errichten.
1675 wurde Livorno zum neutralen Freihafen erklärt und blieb es nach dem Willen des Vertrags von London vom August 1718 „für alle Zeiten“. Dadurch erlebte die Stadt eine ca. 200 Jahre andauernde wirtschaftliche Blüte. So wurde sie als Leghorn der bedeutendste englische Handelsposten am Mittelmeer. Neben dem Handel, vor allem mit den Ländern der Levante und des Maghreb, blühte das Handwerk. Livorno war zum Beispiel ein Zentrum des Goldschmiedehandwerks und der Bearbeitung von Korallen. Die Stadt wuchs auch außerhalb der alten Festungsanlagen, vor allem in südlicher Richtung. Begünstigt durch das tolerante Klima der Stadt wurde Livorno auch ein Zentrum des Verlagswesens; so wurde hier das Werk Dei delitti e delle pene von Cesare Beccaria anonym verlegt (1764), und 1770 der erste Band der italienischen Ausgabe der Encyclopédie gedruckt. Am Vorabend der Französischen Revolution 1789 lebten rund 4500 Juden in der Stadt.
Ab 1830, nach der Besetzung Algiers durch die Franzosen, brach der Nordafrikahandel ein. Nach dem Anschluss an das Königreich Italien verlor die Stadt 1865 den Freihafen, was eine weitere drastische Reduzierung des Handels verursachte. Die wirtschaftliche Grundlage der Stadt wurde mit der Zeit die Industrie und der Fremdenverkehr: Die Stadt wurde, nach englischem Vorbild, zum ersten Seebad Italiens.
1921 wurde die Kommunistische Partei Italiens in Livorno gegründet. Im Zweiten Weltkrieg bombardierte die US-Luftwaffe die Stadt massiv. Die schweren Schäden durch diese Luftangriffe wurden nie wieder ganz behoben. Der Stadtkern wurde in den 1950er Jahren modern wiedererrichtet.
Der Hafen Livorno ist einer der wichtigsten Häfen Italiens. Der nördliche Teil ist Handelshafen, vor allem für Mineralöl, Container und Autos. In dem südlichen Teil, in der Nähe der Altstadt, befindet sich der alte Porto Mediceo, heute Fährhafen mit Verbindungen nach Korsika, Sardinien, einigen Inseln des Toskanischen Archipels wie Capraia und nach Nordafrika sowie Anlegepunkt für große Kreuzfahrtschiffe.
Die Stadt hat auch eine lange Tradition im Schiffbau, die Werft Cantiere Navale Orlando wurde 1865 gegründet. Das Unternehmen Benetti baut auf dem Gelände heute Megayachten. Im Norden der Stadt befindet sich eine Erdölraffinerie des italienischen Konzerns ENI. Weitere Erwerbszweige sind mechanische Industrie und Autozulieferbetriebe (das Unternehmen Bizzarrini baute in Livorno in den 1960er Jahren auch Autos).
Die von Benedetto Brin gegründete und im Jahre 1881 eröffnete Marineakademie Accademia Navale bildet Offizieranwärter der italienischen Marine aus. Symbol der Akademie ist das Segelschulschiff Amerigo Vespucci. Der Flughafen Pisa, der wichtigste Flughafen der Toskana, befindet sich 26 Kilometer entfernt von Livorno.
Über den Bahnhof Livorno Centrale bestehen direkte Bahnanbindungen an die Großstädte Rom, Mailand und Florenz. Im Stadtgebiet befinden sich weitere kleinere Bahnhöfe mit Bedienung durch den Regionalverkehr.