Liverpool [ˈlɪvəpuːl] () ist eine Stadt mit rund 500.000 Einwohnern im Nordwesten Englands im Vereinigten Königreich mit dem Status eines Metropolitan Borough und einer City. Die Agglomeration Liverpool Urban Area hat rund 860.000 Einwohner. Das stark irisch geprägte Liverpool liegt an der Mündung des Flusses Mersey in die Irische See und hat den zweitgrößten Exporthafen Großbritanniens. Die Stadt war im 17. und 18. Jahrhundert das Zentrum des britischen Sklavenhandels.
Der historische Teil der Hafenstadt war von 2004 bis 2021 Weltkulturerbe. 2008 war Liverpool – zusammen mit dem norwegischen Stavanger – Europäische Kulturhauptstadt. Bekannt ist die Stadt auch durch die traditionsreichen Fußballvereine FC Liverpool und FC Everton sowie durch ihre kreative Musikszene, der unter anderem einst die Band The Beatles entsprang.
Die Einwohner Liverpools werden offiziell Liverpudlians genannt. Daneben existiert aber auch die umgangssprachliche Bezeichnung Scousers, nach dem in Liverpool gesprochenen Dialekt Scouse, dessen Name sich wiederum von der lokalen Eintopfspezialität Scouse herleitet.
Liverpool liegt an der Mündung des Mersey in die Irische See und damit rund 280 Kilometer nordwestlich von London entfernt. Im Norden grenzt es an Bootle und Aintree (Metropolitan Borough Sefton) und im Osten an Kirkby, Huyton, Prescot sowie Halewood (Metropolitan Borough of Knowsley). Auf der gegenüberliegenden Seite des Mersey, im Westen, liegen die Städte Birkenhead und Wallasey (Metropolitan Borough Wirral). Der Großraum Liverpool wird Merseyside genannt. Er liegt in unmittelbarer Nähe zu Greater Manchester, dem Großraum der Stadt Manchester.
Liverpool hat ein gemäßigtes maritimes Klima mit kühlen Sommer- und milden Wintermonaten. Die Anzahl der Regentage beträgt im Schnitt 181 Tage pro Jahr im Vergleich zum britischen Durchschnittswert von 154,4 Regentagen. Schneefälle sind mit einem Durchschnitt von 22 Tagen im Jahr relativ selten.
Bekannte Stadtteile von Liverpool sind neben dem Stadtzentrum unter anderem Anfield, Chinatown, Edge Hill, Everton, Garston, Kirkdale, Mossley Hill, Speke, Toxteth, Walton, Wavertree, West Derby und Woolton.
Die Stadt ist seit 2003 in 30 Kommunalwahlbezirke (Wards) eingeteilt:
Um 1190 war der Ort als „Liuerpul“ bekannt, was etwa „schlammiger Pfuhl“ oder „schlammige Bucht“ bedeutet. 1207 erhielt die Siedlung Marktrechte. Ursprünglich diente die Stadt als Stützpunkt für Truppen, die in Irland eingesetzt wurden. Die Burg von Liverpool wurde um 1230 gebaut, 1726 jedoch abgerissen. Vier Jahrhunderte lang war Liverpool relativ unbedeutend.
Um die Mitte des 16. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl etwa 500, und die Gegend war bis etwa 1650 weit unbedeutender als Chester weiter südlich. 1571 baten die Einwohner Königin Elisabeth I. um Steuersenkungen und bezeichneten ihre Stadt in der Bittschrift als „Liverpool, die arme, heruntergekommene Stadt Ihrer Majestät“. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wuchs die Stadt kaum und es ereignete sich wenig. Ausnahme war 1644 eine achtzehntägige Belagerung durch die Truppen von Ruprecht von der Pfalz, Herzog von Cumberland während des Englischen Bürgerkrieges. 1698 erteilte das Unterhaus den Bürgern das Recht, eine neue Kirche zu bauen.
Durch den zunehmenden Handel mit Westafrika ("Guinea") und den Westindischen Inseln begann die Stadt zu wachsen. Große Profite aus dem Sklavenhandel trugen erheblich zum Wachstum und zum Wohlstand bei. Der Sklavenhändler Robert Norris betonte 1798, Liverpool verdanke seinen Aufstieg aus der Unbedeutsamkeit vor allem dem Sklavenhandel. Zu dieser Zeit verließ alle fünf Tage ein Sklavenschiff den Hafen, Liverpool war der größte Sklavenhafen am Atlantik. Das erste Sklavenschiff aus Liverpool, die "Liverpool Merchant" fuhr im September 1700 unter Kapitän William Webster und brachte 220 überlebende Sklaven (von ursprünglich 275) nach Barbados, wo sie für £4.239 verkauft wurden. Im Monat darauf lief die "Blessing" Ouidah an der Goldküste sowie Angola an, die Sklaven wurden in der Karibik oder Cartagena de Indias verkauft. 1724 nahm die Elizabeth unter Kapitän John Webster Sklaven in Madagaskar an Bord. Als 1787 in Großbritannien die Bewegung zur Abschaffung des Sklavenhandels begann, galt der Sklavenhandel Liverpools als der größte weltweit. Zwischen 1782 und 1807 transportierten 607 Sklavenschiffe aus Liverpool auf 2.083 Reisen Sklaven.
In Liverpool entstand die erste karibische Gemeinde Englands.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde 40 Prozent des Welthandels über den Hafen von Liverpool abgewickelt.
In den Jahren 1830 bis 1930 nahmen etwa neun Millionen (von 40 Millionen) Europäer ein in Liverpool startendes Auswandererschiff in ein Land der „neuen Welt“, die meisten in die USA, Australien oder Neuseeland.
Große Mengen Stahl und Textilien, in Städten wie Manchester, Sheffield oder Leeds produziert, wurden von Liverpool aus exportiert, insbesondere in die Länder des Commonwealth. 1829 baute George Stephenson die erste Eisenbahn von Liverpool nach Manchester. 1850 wurde Liverpool Bischofssitz und 1880 erhielt Liverpool das Stadtrecht. Unter der Federführung des Schiffseigners Sir Alfred Lewis Jones wurde 1898 die heute der Universität angeschlossene Liverpool School of Tropical Medicine gegründet. 1911 wurde Liverpool zum Erzbistum erhoben.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt das Wachstum an und die Stadt war ein Anziehungspunkt für Einwanderer aus ganz Europa, vor allem aus Irland. 1930 hatte die Stadt 850.000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg wurde Liverpool in der Luftschlacht um England 1940/41 bei den Luftangriffen auf Liverpool von deutschen Bomberverbänden bombardiert und erheblich beschädigt. Eine zerbombte Kirche wurde als Mahnmal nicht wieder aufgebaut. 2.500 Einwohner wurden getötet und 11.000 verletzt. Die Stadt war von 1939 bis 1945 Ziel der wichtigen transatlantischen SC- und HX-Geleitzüge.
Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte ein großes Wiederaufbauprogramm mit zahlreichen neuen Wohnquartieren. In den 1950er Jahren nahm die Bedeutung Liverpools als Hafen- und Industriestandort kontinuierlich ab. 1972 eröffnete Seaforth Dock, das damals bedeutendste Hafenprojekt Großbritanniens. Bis 1985 sank die Einwohnerzahl auf 460.000.
Historisch gehörte Liverpool zur traditionellen Grafschaft Lancashire, bis es 1888 zu einer „county borough“ (ähnlich einer kreisfreien Stadt) wurde. 1974 wurde Liverpool eine Metropolitan Borough innerhalb von Merseyside, einem neu geschaffenen Metropolitan County.
Der bis heute im Stadtbild sichtbare wirtschaftliche Niedergang in den 1970er und 80er Jahren gilt als ein Grund für die mehrtägigen schweren Ausschreitungen 1981 in Toxteth. Dieser Stadtteil im Südosten von Liverpool war geprägt von viktorianischen Arbeiterwohnsiedlungen, Sozialwohnungen und einem hohen Migrantenanteil. Nationale Beachtung fand 1984 bis 1987 die Auseinandersetzung zwischen der Tory-Regierung unter Margaret Thatcher und dem Stadtrat von Liverpool, in dem trotzkistisch eingestellte Teile der Labour Party („Militant Tendency“) die Mehrheit hatten. Es kam zu mehreren großen Demonstrationen und Streiks. Der Konflikt endete 1987 mit der Amtsenthebung des Stadtrates durch staatliche Rechnungsprüfer.