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Lippe (Fluss)

Rechter Nebenfluss des Niederrheins in Nordrhein-Westfalen

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Die Lippe ist ein 220 km langer rechter Nebenfluss des Rheins in Nordrhein-Westfalen mit einem Einzugsgebiet von 4.889,9 km².

2018 erhielt die Lippe die Auszeichnung Flusslandschaft des Jahres.

Am Pegel Hamm weist die Lippe einen mittleren Abfluss von 23 m³/s auf; dieser steigt bis zur Mündung bei Wesel auf 45 m³/s.

Der Name der Lippe ist seit der Antike infolge der Expansion des Imperium Romanum in den germanischen Raum durch die zeitgenössischen Historiographen und Autoren (Strabon, Velleius Paterculus, Pomponius Mela, Tacitus, Claudius Ptolemäus und Cassius Dio) in der lateinischen Form Lupia überliefert. Für den Zeitraum von 496 bis 506 erscheint der Name beim Geographen von Ravenna (4,17) in der Form Lippa. In der folgenden früh- und hochmittelalterlichen Zeit ist der Flussname eng mit zahlreichen am Lauf gelegenen Ortsnamen verbunden, wie beispielsweise für das Jahr 780 für den Quellort Lippspringe der Beleg als Lippiogyspringiae curte sowie für Lippstadt ein Beleg von 1129 als de Lippa. Lippborg deutet auf eine Burg (Borg) an der Lippe hin und wird erstmals 1189 erwähnt.

Als Grundform des heutigen deutschen Namens und der antiken lateinischen Form ist das germanische *Lipjā mit der später erfolgten Konsonantengemination -pp- anzusetzen. Gemäß einer häufiger dargestellten Sicht handelt es sich bei der römischen Form um eine offizielle volksetymologische Anpassung des germanischen Namens an das lateinische Lexem Lupus für „Wolf“. Dieser Sicht hält Albrecht Greule entgegen, dass nicht auszuschließen ist, dass eine lokale dialektale germanische Variante des Lippe-Namens (mutmaßlich der Unterlaufregion) als Vorlage der lateinischen Form aus germanisch *Lipjō diente. Daraus folgt, dass beide möglichen Formen germanisch *Lupjō und *Lipjō schwachstufige j-Ableitungen von Verben darstellen, die die Fließcharakteristik der Lippe beschreiben; vgl. germanisch *(s)leup-a-, altenglisch slūpan und mittelniederdeutsch slūpen mit der Bedeutung „schlüpfen, schleichen“. Des Weiteren ergeben sich vergleichsweise Belege wie das althochdeutsche sliofan für „schlüfen“ als Glosse zum lateinischen lūbricus „glatt, schlüpfrig“; die grundsprachliche Wurzel wäre in diesem Falle *(s)leub. Germanisch *(s)leip-a- für „schleifen“ oder „gleiten“ und altenglisch slipor für „glatt“, die sich vielleicht zu griechisch olibrós „schlüpfrig“ stellen lassen, weisen hingegen letztlich auf eine grundsprachliche Wurzel *(s)leib. Greule erklärt den Schwund des anlautenden s- mit der Sprecherleichterung durch die Vermeidung der erschwerenden Konsonantengruppen /sl- -pj-/ > /l- -pj-/ (also statt Schlippe). Es kann sich aber auch um Varianten der genannten Wurzeln *(s)leub und *(s)leib mit s-mobile handeln; diese Möglichkeit ist in der Notierung der Wurzeln mit *(s)- bereits angezeigt.

Die Lippe entspringt in der Kernstadt von Bad Lippspringe am Westfuß des Eggegebirges. Die Lippequelle, eine Karstquelle mit einer mittleren Schüttung von 0,74 m³/s, liegt am Südende des Arminiusparks zwischen dem Lippe-Institut im Westen und dem Kongresshaus im Osten.

Noch in der Kernstadt fließt der Lippe der 1,85 km lange Jordan zu, dessen Quelle 420 m nordöstlich der Lippequelle liegt und der den Unterlauf des 6,7 km langen Thunebachs bildet. Die Lippe fließt in südwestlicher Richtung nach Paderborn, wo sie das Wasser von Beke, Pader, Alme und Thune aufnimmt. Am Zusammenfluss von Lippe und Pader in Schloß Neuhaus führt die Pader im Verhältnis zur Lippe etwa die dreifache Wassermenge. Einige hundert Meter flussabwärts mündet die Alme ein, die mit 59,1 km mehr als fünfmal so lang ist wie die Lippe bis zu diesem Punkt (11,2 km). Damit gehört die Lippe zu den Flusssystemen, deren Hauptstrang nicht der namentliche Quellast ist, sondern von Nebenflüssen gebildet wird (hydrologischer Hauptast: Pader, längster Fließweg: Alme).

Beim Paderborner Stadtteil Sande wurde das Wasser des Flusses seit 1989 zum Lippesee gestaut, wird jedoch seit 2005 zwecks Renaturierung zum größten Teil in der Lippeseeumflut um den See herumgeführt. Weiter fließt die Lippe in westlicher Richtung durch den südlichen Teil der Westfälischen Bucht.

Kurz hinter Lippstadt mündet von Norden die Glenne ein. Anschließend erreicht die Lippe Lippborg mit dem rechten Zufluss Quabbe.

In Hamm wird als größter Zufluss im Stadtgebiet die Ahse durch einen Düker unter dem Datteln-Hamm-Kanal hindurch zugeleitet. Die Mündung der Ahse wurde mit dem Bau des Kanals aus der Stadtmitte heraus nach Osten verlegt. Im weiteren Verlauf passiert die Lippe Werne und Bergkamen sowie Lünen, wo sie die Seseke aufnimmt. Im Bergkamener Stadtteil Rünthe überquert die Bundesstraße 233 den Fluss.

Nach dem Verlassen des Lüner Stadtgebiets bildet die Lippe die Grenze zwischen den Gemeinden Selm(-Bork) rechts und Waltrop links, weiterhin zwischen Olfen (nah der Lippe liegt der Stadtteil Vinnum) und Datteln nebst Ahsen auf der linken Seite. Erst im unterhalb Ahsens folgenden Stadtgebiet von Haltern am See fließt die Lippe beiderseitig wieder durch nur einen Ort. Rechtsseitig oberhalb der Kernstadt liegt der Stadtteil Hullern, linksseitig Flaesheim und, der Kernstadt gegenüber, Hamm-Bossendorf. In Haltern fließt der Lippe von rechts einer ihrer größten Zuflüsse zu, die Stever.

Noch auf Halterner Gebiet fließt die Lippe weiter in den Stadtteil Lippramsdorf. Bereits kurz zuvor hat sie linksseitig das Stadtgebiet Marls erreicht, welches aber fast nur am Nordrand durchflossen bzw. berührt wird. Direkt am Fluss liegen nur der statistische Bezirk (Hamm)-Sickingmühle (Wohnplätze Herne und Sickingmühle, Lippramsdorf gegenüber) sowie der Chemiepark Marl mit den Wohnplätzen Ölde und Lippe der ehemaligen Bauerschaft Lippe. Hiernach fließt sie durch Dorsten (nebst Stadtteilen), Schermbeck (nebst Gahlen) und Hünxe.

Durch das 2017 abgeschlossene Flurbereinigungsverfahren sollen in den folgenden Jahren zwischen dem Wehr in Lünen-Lippholthausen, Buddenburg und dem Wehr Dahl auf dem Gebiet von Selm-Bork insgesamt elf Flussschleifen neu angelegt werden; die Lippe würde dadurch um rund 2,5 km länger. Ziel ist es auch, die Lippe – weiter – in einen „guten Zustand“ zu versetzen, d. h. eine naturnahe Gewässerstruktur zur weiteren Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt am Gewässer, verbunden mit wertvollerer Freizeit und Erholung.

Schließlich mündet die Lippe direkt südwestlich von Wesel und kurz nach Unterqueren der Bundesstraße 58 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Städtischen Rheinhafen Wesel in den dort von Süden heranfließenden Rhein.

Die folgenden Grafiken sind je in orografischer Reihenfolge von unten (Quelle) nach oben (Mündung) geordnet.

Die zehn längsten Nebenflüsse der Lippe (Länge über 15 km) sind:

Nebenflüsse mit dem größten Einzugsgebiet

Die zwölf Nebenflüsse der Lippe mit dem größten oberirdischen Einzugsgebiet (mindestens 75 km²) sind:

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