An diesem Tag

Linkshänder

Bevorzugt linke Hand einer Person

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Linkshänder nutzen bevorzugt ihre linke Hand, insbesondere für Tätigkeiten, die hohe Ansprüche an Feinmotorik, Kraft oder Schnelligkeit stellen (z. B. zum Schreiben oder Werfen). Die Händigkeit, also die Präferenz der rechten oder linken Hand, wird durch die Dominanz der gegenseitigen Hirnhälfte erklärt. Es ist bisher unklar, ob Linkshändigkeit (auch Sinistralität) eine angeborene Veranlagung ist. Forscher vermuten eine Festlegung im Rückenmark im embryonalen Stadium.

Beim Menschen liegt die Dominanz einer Hand vor (Phänomen der Händigkeit). Da jede Hirnhemisphäre ihren spezifischen Anteil an der Informationsverarbeitung hat, bezeichnet man dies auch als funktionelle Asymmetrie. Jede Hirnhälfte ist über Hauptnervenstränge mit der jeweils gegenseitigen Körperhälfte verbunden und steuert diese. Bei Linkshändigkeit kann also von einer führenden Rolle der rechten Hirnhälfte ausgegangen werden.

Die dominante Hand kann schneller, exakter, stärker agieren – vor allem, wenn eine spontane Reaktion gefordert ist und bei Tätigkeiten, die mit einer besonderen kognitiven Leistung verbunden sind. Das heißt aber nicht, dass eine Hand alles kann und die andere nichts. Vielmehr haben die Hände spezifische Aufgabenbereiche, die sich ergänzen. Diese Spezialisierung wird von Wissenschaftlern auch als „Beidhändigkeit höherer Ordnung“ bezeichnet:

dominant = Hauptakteur, schnelle Reaktion, besondere Feinmotorik und Geschicklichkeit

nichtdominant = Vorbereiten und Begleiten der Aktion, aktive Haltefunktionen

Warum in allen Kulturkreisen rechtshändige Menschen in der Mehrheit sind, ist – trotz vielfältiger Theorien – weitgehend unklar. Vermutlich sind daran gesellschaftliche Faktoren ebenso beteiligt wie die funktionelle Gliederung des Gehirns.

Statistiken geben den Anteil der Linkshänder in der Bevölkerung mit 10 bis 15 Prozent an. Der Wert bei Befragungen fällt oftmals geringer aus als bei gezielten Tests, was auf die lange Zeit verbreitete Umerziehung von Kindern und deren Imitation Erwachsener zurückzuführen ist. Entsprechend sind Linkshänder in Statistiken unter alten Menschen deutlich seltener.

Schätzungen über die theoretische Häufigkeit der Linkshänder, wenn es weder bewusste noch unbewusste Umerziehung gäbe, gehen bis zur Hälfte der Bevölkerung.

In bestimmten Sportarten (z. B. Wasserball) liegt der Anteil der Linkshänder bei etwa 30 Prozent (Handball 25 Prozent), da positionsspezifisch nach Linkshändern gezielt gesucht wird und auch Tests angewandt werden, um natürliche Linkshänder zu identifizieren, da sich diese leichter zum sportspezifischen Linkshänder zurückschulen lassen als echte Rechtshänder. Im Tischtennis-Vereinssport sind Linkshänder mit 13,4 % nicht überrepräsentiert. Unter den Top 100 der Tischtennis-Weltrangliste der Männer hingegen sind im November 2024 21 Linkshänder. Gerade bei Sportarten mit „Mann-gegen-Mann“-Duellen (Tischtennis, Boxen, Fechten) sollen Linkshänder häufiger im Vorteil sein, weil für Rechtshänder das Spiel gegen sie ungewohnt ist.

Bestimmung der individuellen Händigkeit

Bei den meisten Kindern kann durch Beobachten spontaner Handlungen und Reflexe schon früh die deutliche Präferenz einer Hand erkannt werden. Beim Ausprobieren und Erkunden der Fähigkeiten beider Hände sollen Kinder möglichst nicht beeinflusst werden. Die individuelle Händigkeit festigt sich während der ersten Lebensjahre.

Mit dem Schuleintritt sollte die Händigkeit entschieden sein, denn ein mehrmaliges Umstellen der Schreibhand ist für die Entwicklung nachteilig. In unklaren Fällen können spezifische Tests weiterhelfen. Sie werden z. B. von Beratungsstellen für Linkshänder oder von Ergotherapeuten mit entsprechender Qualifikation angeboten. Eine wissenschaftliche Auswertung ist allerdings erst ab einem Alter von sechs Jahren mittels Hand-Dominanz-Test sinnvoll. Dabei müssen Kinder verschiedene Konturen nacheinander mit beiden Händen nachzeichnen und punktieren. Einfachere, aber weniger aussagekräftige Tests wie der Klatsch- oder Greiftest können bereits im früheren Alter erfolgen.

Wird eine ursprünglich linkshändige Veranlagung erst später erkannt, gibt es inzwischen Verfahrensweisen einer behutsamen Rückschulung mit Hilfe professioneller Linkshänder-Berater.

Heute besagen die Schulrichtlinien fast aller deutscher Kultusministerien, dass eine bestehende Linkshändigkeit nicht verändert werden darf. Linkshändige Kinder sollten ihre Veranlagung als natürlich und gleichberechtigt erfahren.

Schreibanfänger benötigen spezielle methodische Unterstützung, insbesondere beim Erlernen der passenden Schreibhaltung. Besonders zu beachtende Aspekte sind:

Schreibrichtung: Die natürliche Blick- und Schreibrichtung vieler Linkshänder verläuft von rechts nach links. Bei den ersten Schreib- und Leseübungen können daher Verdrehungen von Buchstaben, Silben oder Ziffern sowie die Verwendung von Spiegelschrift vorkommen. In der Regel ist das aber ein vorübergehendes Phänomen.

Stift- und Blatthaltung: Rolf W. Meyer empfiehlt, auf folgende ergonomische Schreibhaltung zu achten: Das Blatt liegt etwas links der Körpermitte und ist leicht im Uhrzeigersinn gedreht. Das Stiftende zeigt etwa zur linken Schulter. Die Hand bleibt immer unterhalb der Schreiblinie. So ist entspanntes Schreiben möglich, ohne die Tinte zu verwischen. Es ist auch eine spezielle Schreibunterlage erhältlich mit Markierung der richtigen Blattlage. Teils findet sich bei Linkshändern auch eine hakenförmige oder invertierte Schreibhaltung. Dabei wird die stärker angewinkelte Hand oberhalb der Schreiblinie entlanggeführt. Hinsichtlich der Ergonomie ist diese Haltung aber ungünstiger.

Auswahl der Schreibmaterialien: Füllfederhalter für Linkshänder (mit spezifischer Griff-Form und Feder) werden von mehreren Firmen angeboten. Die Federbreite sollte individuell ausgewählt werden. Sie muss sich gut schieben und ziehen lassen, dabei aber nicht zu viel Tinte abgeben (schnelles Trocknen). An manchen Schulen ist statt des Füllers auch ein Tintenstift erlaubt, der für manche Linkshänder praktischer ist. Im Schulalltag können noch weitere spezifische Linkshänderprodukte sinnvoll sein, z. B. Spitzer, Lineal, Linkshänder-Spiralblock. So bereitet das Messen mit dem Lineal dem Linkshänder Schwierigkeiten, da es spiegelverkehrt zu seiner intuitiven Bewegungsrichtung erfolgt: Er zieht den Strich intuitiv von der rechten zur linken Seite anstatt von links nach rechts!

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