Lindsey Olin Graham (* 9. Juli 1955 in Central, Pickens County, South Carolina; † 11. Juli 2026 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei).
Von 2003 bis zu seinem Tod gehörte er dem Senat der Vereinigten Staaten für den Bundesstaat South Carolina an, den er zuvor von 1995 bis 2003 als Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus vertreten hatte. Er trat 2015 erfolglos in der Vorwahl für die US-Präsidentschaft an. Von 2019 bis 2021 war er Vorsitzender des als bedeutend geltenden Justizausschusses des US-Senats. Graham galt als „Falke“, der jahrelang die interventionistische Außenpolitik von Präsident George W. Bush und danach die Militärschläge gegen das Atomwaffenprogramm des Iran unterstützte. Zudem warb er als Reaktion auf den Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 für eine Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression.
Lindsey Olin Graham war der Sohn von Millie und Florence James Graham. Seine Eltern betrieben eine Gastronomie mit Billardhalle, Bar und Getränkehandlung in Central, wo er geboren wurde und aufwuchs. Graham, der ein Mitglied der Southern Baptist Convention war und als erstes Familienmitglied das College abschloss, studierte an der University of South Carolina, die er 1977 mit einem Bachelor in Psychologie und 1981 mit dem Juris Doctor abschloss. Während des Studiums starben seine Eltern im Abstand von 15 Monaten, weshalb Graham sich um seine neun Jahre jüngere Schwester Darline kümmerte.
Nach dem Studium diente er als Jurist in der United States Air Force, nachdem er im College deren Reserve Officer Training Corps angehört hatte. Von 1984 bis 1988 war er in der Rhein-Main Air Base in Deutschland stationiert. 1988 ließ er sich in South Carolina als Rechtsanwalt nieder und arbeitete von 1988 bis 1992 für das Oconee County als stellvertretender Staatsanwalt und 1990 bis 1994 als Justiziar (englisch city attorney) für die Stadt Central.
Nach Grahams Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst 1988 bis zu seinem Einzug in das US-Repräsentantenhaus 1995 war Graham bei der Air National Guard South Carolinas. Während des Zweiten Golfkrieges wurde er ins Judge Advocate General’s Corps (JAG Corps) einberufen, um Piloten im Kriegsvölkerrecht zu unterweisen, juristische Dokumente für den Einsatz der Truppen anzufertigen und für Familienmitglieder der Nationalgardisten juristische Dienstleistungen zu erbringen. Von 1995 bis 2015 diente Graham als Reservist. Seine 2003 begonnene Tätigkeit als Richter der Reserve am Berufungsgericht der Luftwaffe in Strafsachen (Air Force Court of Criminal Appeals) endete im September 2006, nachdem ein Soldat dagegen geklagt hatte, dass Graham ihn wegen Kokainkonsums verurteilt hatte – und gerichtlich festgestellt wurde, dass es mit der Gewaltenteilung nicht vereinbar sei, wenn ein Angeklagter durch ein Mitglied des Kongresses verurteilt werde. Er wurde im April und August 2007 im Irak und im Dezember 2008 in Afghanistan eingesetzt. Graham war zuletzt Ausbilder an der Air Force JAG School im Rang eines Colonel (Oberst).
Graham war unverheiratet und kinderlos. In Interviews berichtete er wiederholt, dass er während seiner Stationierung in Deutschland ab 1984 eine romantische Beziehung zu einer Lufthansa-Stewardess namens Sylvia unterhielt. Eine Eheschließung sei daran gescheitert, dass er am Ende seiner Dienstzeit nach South Carolina zurückkehren habe müssen und dass sie ihn aufgrund der Hinfälligkeit ihrer Mutter nicht dorthin begleiten habe können.
Während seiner Zeit als prominenter Politiker führten Grahams Unverheiratetsein sowie einige seiner persönlichen Manierismen zu hartnäckigen Spekulationen, dass er homosexuell sei. Graham selbst bestritt dies jedoch wiederholt in kurzen öffentlichen Stellungnahmen. 2018 erklärte er beispielsweise als Reaktion auf entsprechendes Gerede: „To the extent that it matters, I'm not gay.“
Während seiner Kandidatur für das Präsidentschaftsamt im Jahr 2015 erklärte Graham, dass im Falle seiner Wahl zum Präsidenten, da er keine Ehefrau habe, seine Schwester die zeremonielle Funktion der First Lady übernehmen könnte.
Graham starb am 11. Juli 2026 im Alter von 71 Jahren nach einer kurzen, plötzlich aufgetretenen Erkrankung. Kurz vor seinem Tod war Graham von einer Reise in die Ukraine zurückgekehrt, bei der er Präsident Wolodymyr Selenskyj getroffen hatte.
Medienberichten zufolge informierte Graham am Abend des 11. Juli 2026 eine Mitarbeiterin seines Abgeordnetenbüros telefonisch von seinem Zuhause aus über plötzlich aufgetretene gesundheitliche Beschwerden, verbunden mit der Bitte, sie möge für ihn den Notruf wählen. Die Mitarbeiterin rief die städtische Notfallleitstelle an, die den Rettungsdienst der Washingtoner Berufsfeuerwehr District of Columbia Fire and EMS Department und zur Unterstützung ein Feuerwehrfahrzeug zu Grahams Haus disponierte. Im öffentlich abhörbaren Leitstellenfunk teilte dessen Gruppenführer um 20.35 Uhr mit, dass seine Einheit eine Notfalltüröffnung bei Grahams Wohnung durchführen würde, und um 20.53 Uhr, dass der Patient reanimationspflichtig geworden sei und man die Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen habe.
Am folgenden Tag teilten Medien unter Berufung auf das Abgeordnetenbüro mit, dass die Gerichtsmedizin des District of Columbia vorläufig von einer Aortendissektion infolge einer atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankung als Todesursache ausging.
Ein Teil des medialen Umgangs mit dem Tod Grahams als prominenter Person der Zeitgeschichte war von sachlich unbegründeten Spekulationen geprägt. Es wurden Forderungen nach einer gründlichen Untersuchung der Todesursache laut, u. a. von Meaghan Mobbs, der Tochter von Keith Kellogg, Donald Trumps früherem Ukraine-Gesandten. Der Direktor des FBI, Kash Patel schrieb auf X, seine Behörde unterstütze lokale Strafverfolgungsbehörden. Patel geriet hierfür in die Kritik.
Grahams plötzlicher Tod im zeitlichen, nicht kausalen Zusammenhang mit einer Erkrankung Mitch McConnells, die zu dessen Abwesenheit aus der Öffentlichkeit führte, und John McCains Ableben im Jahre 2018 wurde von Kommentatoren als eine Zeitenwende in der Republikanischen Partei angesehen.
Seine politische Karriere begann Graham 1992 bis 1994 als Abgeordneter im Repräsentantenhaus von South Carolina. Bei der Wahl am 8. November 1994 gewann er das Mandat für den 3. Kongresswahlbezirk South Carolinas als erster Republikaner seit der Reconstruction. Bei dieser Wahl eroberten die Republikaner erstmals seit Jahrzehnten die Mehrheit im Kongress. Er gehörte dem Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten vom 3. Januar 1995 bis zum 3. Januar 2003 an und unterstützte als einer der vielen neuen Abgeordneten seiner Partei den neuen Speaker Newt Gingrich bei dessen konservativer Agenda, versuchte aber 1997 mit einer Gruppe konservativer Abgeordneter, Gingrich abwählen zu lassen. Als Mitglied im Justizausschuss war er 1998 als Ankläger an der Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsident Bill Clinton wegen seines Meineides im Zuge der Lewinsky-Affäre beteiligt. Außerdem setzte er sich für Haushaltsdisziplin und Steuersenkungen ein und unterstützte in der Präsidentschaftsvorwahl der Republikaner im Jahr 2000 John McCain gegen den Kandidaten der Parteiführung George W. Bush.
Graham gewann bei der Senatswahl 2002 gegen seinen demokratischen Konkurrenten Alex Sanders und vertrat seit dem 3. Januar 2003 South Carolina im US-Senat. Er war Nachfolger seines Parteifreundes Strom Thurmond, der nicht mehr angetreten war.
Er wurde 2008, 2014 und 2020 mit 58, 54 und erneut 54 Prozent der Stimmen relativ deutlich wiedergewählt, hatte aber in der Vorwahl der Republikaner 2014 mit 56 Prozent der Stimmen gegen sechs innerparteiliche Herausforderer für einen langjährigen Mandatsinhaber in einem stark republikanisch geprägten Bundesstaat ein schwaches Ergebnis gehabt. Die Konkurrenten standen deutlich rechts von Graham und forderten eine konservativere Ausrichtung im Sinne der Tea-Party-Bewegung.
Im US-Senat war Graham Fürsprecher der Regierung Bush, etwa bei deren Steuersenkungen und der Autorisierung des Irakkriegs, blieb dabei aber nicht unkritisch, etwa bei der Frage der Behandlung irakischer Kriegsgefangener (Abu-Ghuraib-Folterskandal). 2004 erarbeitete er gemeinsam mit der demokratischen Senatorin Hillary Clinton ein Gesetz zur finanziellen Besserstellung von Soldaten in der National Guard. Von Januar 2019 bis Januar 2021, also im 116. Kongress und im 117. Kongress bis zu den Nachwahlen zum Senat in Georgia, hatte Graham den Vorsitz im Justizausschuss des Senats inne, der das Justizministerium beaufsichtigt und für die Besetzung von Bundesrichterstellen zuständig ist und der die Sonderermittlung von Robert Mueller beaufsichtigte. Er gewann die Senatswahl 2020 mit 54 % gegen seinen demokratischen Herausforderer Jaime Harrison. Seine Amtszeit hätte regulär am 3. Januar 2027 geendet.