An diesem Tag

Lily Braun

Deutsche Schriftstellerin, Sozialistin und Frauenrechtlerin

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Lily Braun, geboren als Amelia Jenny Emilie Klothilde Johanna von Kretschmann, in erster Ehe Lily von Gizycki, (* 2. Juli 1865 in Halberstadt; † 9. August 1916 in Kleinmachnow) war eine deutsche Schriftstellerin, Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin und Journalistin. Besonders setzte sie sich für die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Berufstätigkeit ein. Mit Memoiren einer Sozialistin veröffentlichte sie ihre Autobiografie; sie beschrieb darin vor allem ihr Engagement für Frauenemanzipation.

Sie kam als Tochter des preußischen Hauptmanns und späteren Generals der Infanterie Hans von Kretschmann und seiner Frau Jenny, geborene von Gustedt, zur Welt. Ihre Großmutter mütterlicherseits, Jenny von Gustedt, geborene Rabe von Pappenheim, ist die uneheliche Tochter von Jérôme Bonaparte aus dessen Liebschaft mit Diana Rabe von Pappenheim. Ihre Großnichte Marianne von Weizsäcker, geborene von Kretschmann, ist die Witwe des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Die jungen Jahre der Lily Braun waren geprägt von Disziplin und Strenge. In den militärischen und adeligen Kreisen Preußens gehörte diese Art der Erziehung zum guten Ton. Mit den Grundlagen Gottesfurcht, Disziplin und Königstreue wuchs die junge Frau heran. Besonders unter den mütterlichen Weisungen litt Lily Braun:

Dennoch liebte sie ihre Eltern, vor allem ihren Vater, welcher ihr die Charakterzüge Offenheit und Direktheit vererbte, die Lily Braun ihr Leben lang in ihrer kämpferischen Natur nutzten. Neben den Eltern war ihre Großmutter mütterlicherseits, Jenny von Gustedt, bis zu ihrem Tod eine wichtige Bezugsperson. Sie bestärkte Lily Braun zeitlebens, nicht als Hausmütterchen zu enden. Die Familie Kretschmann zog aufgrund der Arbeit des Vaters oft um. Halberstadt, Neiße, Schwerin, Potsdam, Karlsruhe, Berlin, Posen, Brandenburg, Bromberg und Münster waren allesamt Orte, an denen sich die Karriere ihres Vaters Hans von Kretschmann vollzog. Fast die gesamte Kindheit andauernd wurde Lily Braun nach den Konventionen der damaligen Zeit erzogen. Dazu gehörte schön auszusehen, den Männern zu gefallen und vor allem aufzufallen. Oft stieß sich die Heranwachsende daran und hatte auch Probleme mit ihren Mitschülern. Bestrebt, stets die Beste der Klasse zu sein, machte sie sich nicht viele Freunde. Sie genoss aber auch die Vorzüge, welche die Position der Familie in der damaligen Zeit mit sich brachte. Unter anderem begegnete sie dabei dem zukünftigen Kaiser Wilhelm II. Was die Bildung betraf, so erhielt das junge Mädchen eine breite schulische Ausbildung, die ihr in Privatschulen sowie von Privatlehrern vermittelt wurde.

Schon früh begann Lily Braun an der religiösen Gesinnung ihrer Familie zu zweifeln und auch die soziale Ungerechtigkeit stieß ihr bitter auf.

Neben der Kritik an der Religion wurzelte ihr Engagement als Frauenrechtlerin schon in den Jugendjahren. Besonders die Stellung der Frau in Adelsgesellschaften entsprach nicht dem, was Lily Braun für richtig hielt. Andererseits genoss die Tochter der Generalsfamilie bis zum Alter von 25 Jahren die Vorzüge der reichen Oberschicht.

Nachdem ihr Vater 1889 beim Kaiser in Ungnade gefallen war, war Lily Braun gezwungen, sich eine eigenständige Existenz fernab von der Adelsgesellschaft aufzubauen.

1893 heiratete sie den Philosophieprofessor Georg von Gizycki, der den Sozialdemokraten nahestand, ohne jedoch Parteimitglied zu werden. Durch ihn begann Lily Braun sich mehr mit Fragen der Frauenbewegung und des Sozialismus zu beschäftigen und begann für die Zeitschrift Frauenbewegung zu arbeiten. Außerdem wurde sie Vorstandsmitglied des Vereins Frauenwohl.

Nach dem Tod Georg von Gizyckis am 3. März 1895 bekannte sie sich offen als Sozialdemokratin und wandte sich so von ihrer Herkunft ab.

1896 heiratete sie den sozialdemokratischen Politiker und Publizisten Heinrich Braun (1854–1927). Am 27. Juni 1897 bekamen die beiden ihren einzigen Sohn, Otto Braun.

Die politische Haltung der Lily Braun

Lily Braun trat schon früh der SPD bei und wurde eine der führenden Persönlichkeiten der deutschen Frauenbewegung. Im Laufe ihrer politischen Karriere versuchte sie, zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Frauenbewegung zu vermitteln, wurde dafür aber von beiden Seiten scharf kritisiert. Auch die von ihr propagierte Idee, Mutterschaft und Erwerbstätigkeit zu verbinden (ein Modell, das sie selbst lebte), stieß auf Kritik.

Zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Heinrich Braun brachte sie einige Zeit die Zeitschrift Neue Gesellschaft heraus, die einmal die Woche erschien. Sie sollte unter dem Banner der Sozialdemokraten eine neue Zielgruppe ansprechen. Lily und Heinrich Braun wollten Intellektuelle, Künstler und Wissenschaftler mit ihren Inhalten gewinnen. Enttäuscht über die eher mindere Begeisterung der Parteikollegen widmete sich Lily Braun nach diesem Misserfolg ihrer schriftstellerischen Tätigkeit.

Engagement als Frauenrechtlerin

Als Tochter aus adligem Haus wurde sie von der sozialistischen Frauenbewegung – allen voran Clara Zetkin und Ottilie Baader – eher abgelehnt, obwohl sie sich selbst dieser Bewegung zugehörig fühlte. Clara Zetkin verriss ihre 1901 erschienene Studie Die Frauenfrage in der sozialistischen Frauenzeitschrift Die Gleichheit. Den bürgerlichen Frauen hingegen waren ihre Ideen zu radikal. Um die Doppel- und Dreifachbelastung berufstätiger Frauen zu reduzieren, forderte Lily Braun die Herabsetzung der Arbeitszeit auf das geringste Tagesmaß. Sie propagierte neue Formen des Zusammenlebens und entwarf in einem 1901 erschienenen Aufsatz das Modell des Einküchenhauses.

Lily Braun gehörte zu den Gründungsmitgliedern des maßgeblich von Helene Stöcker initiierten Bundes für Mutterschutz.

Als „ganze Halbheit“ kritisierte sie die Ausgestaltung der Wöchnerinnenversicherung, da sie nicht einmal die notwendigsten Bedürfnisse von Mutter und Kind gedeckt sah, sowie die Unzulänglichkeit des Sozialversicherungswesens, das ganze Bereiche ausschloss, die als Frauenarbeit angesehen wurden. Dazu gehörten insbesondere der häusliche Dienst, die Heimarbeit und die Landarbeit.

1909/10 ließen ihr Mann und sie sich vom Architekten Bruno Paul in Kleinmachnow eine große Villa mit Park bauen, die heute unter Denkmalschutz steht. Von 1909 bis 1911 veröffentlichte sie die zweibändige Autobiographie Memoiren einer Sozialistin bei Albert Langen. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterstützte sie vorbehaltlos die Kriegspolitik des Kaiserreichs. Mit ihrer Freundin Käthe Kollwitz tauschte sie sich beispielsweise über ihren Sohn und deren Söhne Hans und Peter Kollwitz aus. Sie starb noch während des Krieges:

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