Lilija Airatowna Tschanyschewa (russisch Лилия Айратовна Чанышева; * 6. Februar 1982 in Ufa) ist eine russische Politikerin und Bürgerrechtlerin.
Tschanyschewa leitete bis zur behördlichen Auflösung der Struktur im Jahr 2021 das regionale Büro des Oppositionellen Alexei Nawalny in Ufa. Am 9. November 2021 wurde sie in Ufa festgenommen und als erste Mitstreiterin Nawalnys im landesweiten „Extremismus“-Komplex zur Verantwortung gezogen. Am 14. Juni 2023 verurteilte ein Gericht in Ufa sie wegen mehrerer „Extremismus“-Tatbestände zu sieben Jahren und sechs Monaten Lagerhaft sowie zu einer Geldstrafe von 400.000 Rubel. Am 9. April 2024 erhöhte das Oberste Gericht der Republik Baschkortostan die Strafe auf neun Jahre und sechs Monate. Am 1. August 2024 wurde Tschanyschewa im Rahmen eines großen, international koordinierten Gefangenenaustauschs freigelassen.
Beobachter ordneten ihren Fall als Teil der seit 2021 massiv verschärften Repressionswelle gegen Nawalnys Umfeld und die russische Opposition ein. Nawalnys Team bezeichnete die Strafverschärfung als „Rache“, und die Sprecherin Kira Jarmysch sprach von einem „Horror“-Urteil; das Verfahren wurde als Ausdruck willkürlicher Justiz kritisiert. Sie wurde wiederholt als eine der wenigen prominenten Frauen der russischen Opposition beschrieben, die trotz der Risiken im Land verblieben waren. Nach ihrer Freilassung meldete sie sich öffentlich zu Wort und bekräftigte ihren Einsatz für eine bessere Zukunft Russlands.