Libanon ([ˈliːbanɔn] oder der Libanon, amtlich: Libanesische Republik; arabisch الجمهورية اللبنانية) ist ein Staat in Vorderasien am Mittelmeer. Er grenzt im Norden und Osten an Syrien und im Süden entlang der Blauen Linie an Israel. Im Westen wird er vom Mittelmeer begrenzt. Der Libanon wird zum Maschrek und zur Levante gerechnet. In ihm lebten 2022 etwa 5,5 Millionen Menschen, knapp die Hälfte davon in der Hauptstadtregion Beirut. Die beiden nächstgrößten Städte sind Tripoli im Norden und Sidon im Süden.
Ursprünglich das Land der Phönizier, wurde der Libanon in der Antike wie die gesamte Levante Teil des Reiches Alexanders des Großen, später des Römischen Reiches und im Zuge der islamisch-arabischen Expansion zwischen 634 und 640 n. Chr. Teil der arabischen Welt. Von 1517 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte er zum Osmanischen Reich, ab 1861 in Teilen als autonomer Mutesarriflik Libanonberg. Seine Bevölkerung spricht Arabisch und gehört verschiedenen islamischen und christlichen Bekenntnissen an, wobei der christliche Bevölkerungsteil im Vergleich zu dem in anderen arabischen Ländern besonders hoch ist (schätzungsweise 40 % der Gesamtbevölkerung). Eine bedeutende Minderheit, die in der Geschichte des Libanons eine wesentliche Rolle spielte, sind die Drusen, die etwa 7 % der Bevölkerung bilden.
Während des Zweiten Weltkriegs erlangte der Libanon seine Unabhängigkeit von Frankreich, das 1922, nach Auflösung des Osmanischen Reiches, vom Völkerbund das Mandat über Syrien und Libanon erhalten hatte: Im Nationalpakt von 1943 wurde ein politisches System begründet, in dem den Vertretern bestimmter religiöser Gruppen nach einem festen Verteilungsschlüssel im Sinne eines Religionsproporzes Positionen und Ämter zugewiesen werden. 1948 war Libanon am Palästinakrieg beteiligt. Der junge Staat hielt sich rund drei Jahrzehnte stabil und erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, der ihm den Ruf einer „Schweiz des Nahen Ostens“ einbrachte. Fortwährende Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen entluden sich von 1975 bis 1990 im Libanesischen Bürgerkrieg, währenddessen es zu Besetzungen durch die beiden Nachbarstaaten Syrien und Israel kam. Die innerlibanesischen Frontlinien verliefen hauptsächlich zwischen den Glaubensgemeinschaften und Ethnien (christliche Gemeinschaften, sunnitische und schiitische Muslime, Drusen, Palästinenser) und zwischen rechten und linken Kräften; als Stützpunkt palästinensischer Kämpfer (PLO) war das Land außerdem in den Palästinakonflikt verwickelt, in dem es nach dem Krieg von 1948 eine neutrale Position einzunehmen versuchte. Im Jahr 2000 zogen die israelischen, 2005 die letzten syrischen Besatzungstruppen ab. Danach gewann Libanon ein gewisses Maß an Stabilität zurück, doch wird der fortschreitende Wiederaufbau durch die indirekte Einbindung des Landes in die größeren Konflikte der Region behindert, etwa durch die Verbindungen der libanesischen Schiiten mit der Islamischen Republik Iran (und bis 2024 mit Syrien) sowie der libanesischen Sunniten mit Saudi-Arabien. Die Herrschaft im Süden des Landes übt die islamistische Hisbollah aus, die sich dem Befehl staatlicher Autoritäten entzieht. Seit 2019 befindet sich Libanon in einer schweren Wirtschaftskrise; das Land nahm während des Syrischen Bürgerkriegs vorübergehend circa 1,5 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland auf. Trotz der Krisen gilt Libanon neben Israel als eines der freiesten Länder im Nahen Osten mit einer kulturellen Strahlkraft, die nach wie vor auch ein internationales Publikum anzieht.
Das über 3.000 Meter hohe Libanon-Gebirge ist im Winter schneebedeckt. Von seinen weißen Gipfeln ist der Landesname abgeleitet, der auf die semitische Wortwurzel L–B–N („weiß“) zurückgeht.
Das Land gliedert sich in vier Landschaftszonen, die parallel zur Küste verlaufen:
den 225 Kilometer langen schmalen Küstenstreifen, der steil zum Gebirge ansteigt und sich nur im Norden und Süden des Landes weitet,
das in Nord-Süd-Richtung verlaufende stark zerklüftete Libanongebirge,
die Bekaa-Ebene im Osten sowie
den trockenen Anti-Libanon-Gebirgszug und den Hermon, der die Grenze zu Syrien bildet.
Der Litani ist mit 140 Kilometern der längste Fluss des Libanon, dessen Lauf vollständig innerhalb des Staatsgebietes liegt. Weitere nennenswerte Flüsse sind der nach Syrien und in die Türkei fließende Orontes und der Hasbani, einer der drei Quellflüsse des Jordan.
Seit der Antike liegen die meisten Städte (Beirut, Tripoli, Sidon etc.) im Küstenstreifen. Das Hinterland ist dünner besiedelt, teils ländlich, in der Umgebung von Beirut stark zersiedelt und dient der Landwirtschaft, als Vorort, als Sommerfrische der Großstädter sowie als touristischer Anziehungspunkt mit eindrucksvoller Natur, alten Dörfern und alten Klöstern. Eine weitere städtische Agglomeration, Zahlé, findet sich in der Bekaa-Ebene im Osten, die zwar im Regenschatten des Libanon-Gebirges liegt, doch aufgrund von künstlicher Bewässerung für Wein-, Obst- und Getreideanbau und Milchwirtschaft genutzt wird.
Entsprechend den Unterschieden in der Landschaft des Libanon ist auch das Klima sehr unterschiedlich. An der Küste herrscht mediterranes Klima mit trockenen, warmen Sommern und feuchten, regenreichen Wintern. Im Gebirge herrscht ausgesprochenes Gebirgsklima, wobei auch hier der Hauptniederschlag im Winter fällt und dann hauptsächlich in Form von Schnee. An der Grenze zu Syrien herrscht ein trockenes Steppenklima, das den Übergang zum Wüstenklima des südlichen Syriens und Jordaniens bildet. In Beirut liegen die Temperaturen am Tag bei durchschnittlich 18 °C im Januar und bei 30 °C im Juli und August. Im Dezember und Januar gibt es durchschnittlich 11 Regentage in Beirut, während der August im Allgemeinen völlig trocken bleibt.
Im Jahr 2023 lebten 89 % der Einwohner Libanons in Städten. Die größten Städte mit ihren Einwohnerzahlen (geschätzt, basierend auf der Volkszählung von 1932 und dem Zensus von 1970):
Beirut (Hauptstadt): 2.100.000,
Tripoli (arabisch Tarabulus): 500.000,
Sidon (arabisch Saida): 100.000,
Tyros (arabisch Sour): 70.000.
Im Jahr 2023 hatte der Libanon 5,4 Millionen Einwohner. Trotz eines Geburtenüberschusses (Geburtenziffer: 14,6 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 8,9 pro 1000 Einwohner) sank die Bevölkerung durch Migration. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 2,1. Die Lebenserwartung der Einwohner Libanons ab der Geburt lag 2022 bei 74,4 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 28,3 Jahren. Im Jahr 2023 waren 27,3 % der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 10,3 % betrug.