An diesem Tag

Liao Shengzong

Chinesischer Kaiser

Anúncio

Liao Shengzong (chinesisch 遼聖宗; sinisierter persönlicher Name Yelü Longxu; * 16. Januar 972; † 25. Juni 1031) war von Oktober 982 bis zu seinem Tod der sechste Kaiser der vom Volk der Kitan gegründeten Liao-Dynastie. Innenpolitisch führte er Verwaltungsreformen durch. Auf dem außenpolitischen Gebiet konnte er in wiederholten Kämpfen gegen die Song-Dynastie keinen nachhaltigen Erfolg erzielen. Im Januar 1005 schloss er Frieden mit dem Song-Kaiser Zhenzong und verpflichtete ihn zu jährlichen Tributen. Außerdem führte er mehrere Kriege gegen das koreanische Königreich Goryeo. Er vermochte es zwar nicht vollständig zu unterwerfen, aber ebenfalls zu Tributleistungen zu zwingen.

Yelü Longxu war ein Sohn des Liao-Kaisers Jingzong und dessen Gattin Xiao Yanyan († 1009). Wegen des frühen Todes seines Vaters im Oktober 982 war er noch zu jung zur Übernahme der Herrschaft, so dass zunächst seine Mutter Regentin wurde, die in der Regierungstätigkeit Unterstützung durch drei Minister, darunter zwei Chinesen, erhielt. Yanyan wird in den Quellen als fähige Herrscherin beschrieben, die sich in der Politik und Kriegsführung auskannte und eine aus bis zu 10.000 Reiter bestehende Heereseinheit (Ordo) der Kitan selbst kommandierte. Laut der Geschichte der Liao – einer bedeutenden Quelle für die Liao-Dynastie – trug ihre Erziehung maßgeblich zur erfolgreichen Herrschaft ihres Sohns bei.

Als Kaiser wurde Yelü Longxu postum mit dem Tempelnamen Shengzong bezeichnet. Während seiner Regierung gab es viele Verbesserungen in der Administration. So wurde das Tang-Gesetzbuch, das unter der Tang-Dynastie entstanden war, für die Verwaltung der nördlichen Gebiete in die Sprache der Kitan übersetzt. 994 erging die Weisung, dass jeder Angehörige der Kitan bei der Verübung einer der zehn als besonders verabscheuungswürdig betrachteten Verbrechen die gleiche Strafe wie ein Chinese erhalten sollte. 1027 wurde die Überarbeitung des Rechtskodex nach chinesischem Vorbild angeordnet. 988 fand die Einführung von Prüfungen für hohe Beamten statt. Dieses System der vorgeschriebenen Examina bestand bis zum Ende der Liao-Dynastie. In der Regel wurden aber nur zwei bis drei von zehn Absolventen tatsächlich eingestellt. Die Prüfungen konzentrierten sich auf Lyrik und wurden nur von Chinesen abgelegt. 991 erschienen die ersten historischen Aufzeichnungen, darunter 20 Kapitel über die Regierungszeit von Jingzong. 994 schufen die Kitan ihren eigenen Kalender. Eine allgemeine Volkszählung führten sie erstmals 991 durch, sodann eine Zählung ihres Stamms im Jahr 997.

Das mit den Kitan verwandte Steppenvolk der Kumo Xi wurde 997 vollständig in die Verwaltung des Liao-Reichs integriert. Diese Verwaltungsreform ersetzte das frühere, bis zur Zeit der Regierung des Kaisers Taizong bestehende Vasallen- und Tributverhältnis. Der König der Kumo Xi wurde nun ein besoldeter Beamter und das Territorium seines Stamms nach chinesischem Vorbild in administrative Einheiten unterteilt. Die frühere Metropole der Kuno Xi wurde zur „zentralen Hauptstadt“ (Zhongjing) und mit einer neuen Stadtmauer sowie einem Konfuziustempel ausgestattet; von 1018 bis 1020 erfolgte auch die Errichtung öffentlicher Gebäude.

Erste Kämpfe gegen die Song-Dynastie und Korea

Die hauptsächlichsten militärischen Auseinandersetzungen focht Kaiser Shengzong gegen das aufstrebende Reich der Song-Dynastie und gegen das koreanische Königreich Goryeo aus. Bereits 986 unternahm der Song-Kaiser Taizong einen Angriff auf das Liao-Reich. Dazu ließ er drei Heere an verschiedenen strategischen Stellen gleichzeitig in das gegnerische Gebiet einfallen. Sie sollten gegen die südliche Hauptstadt der Kitan, Peking, vorrücken. Taizong konnte rasch die Grenzverteidigungslinie der Kitan überwinden und drang tief in deren Reich ein. Die Nachschubwege wurden dadurch aber immer länger; die Streitkräfte der Kitan attackierten die Song-Heere von allen Seiten und siegten an allen drei Frontabschnitten. Dabei griffen der junge Kaiser Shengzong selbst und seine Mutter mit einer Reiterabteilung der Kitan eine Song-Armee an und schlugen sie im Juni 986 in der Schlacht am Qigou-Pass. Dennoch war die Grenzregion schwer verwüstet und viele Bewohner geflohen. Es dauerte Jahre, bis diese Gegend sich regenerierte. Die Kaiserinwitwe Xiao Yanyan beauftragte den Heerführer Yelü Yiuge, zur Vergeltung bis zum nächsten Jahr Angriffe gegen das Song-Reich zu führen. Die Kitan konnten nun ihr Reich etwas nach Nordosten ins Gebiet der Mandschurei ausdehnen.

985 und im Folgejahre attackierten die Kitan das Reich Jeongan, das ein Nachfolgestaat des 926 vom Liao-Kaiser Taizu unterworfenen Königreichs Balhae war. Wegen anhaltenden Widerstands in Jeongan gründeten die Kitan drei befestigte Militärkolonien am Unterlauf des Yalu und annektierten Jeongan. Die letzte dortige Gegenwehr wurde 999 gebrochen.

Der Tanguten-Führer Li Jiqian († 1004) unterwarf sich den Kitan im Jahr 986. Er erhielt 989 eine Angehörige der kaiserlichen Familie Shengzongs zur Gemahlin und wurde zum „König von Xia“ ernannt. 991 unterwarfen sich auch die Jurchen dem Liao-Reich, ebenso 997 die Tanguten der West-Mongolei und der Provinz Gansu.

Der erste Krieg zwischen der Liao-Dynastie und dem Königreich Goryeo fand Ende 993 statt. Die Kitan fielen mit einem starken Heer in Goryeo ein und verlangten die Abtretung von Gebieten am Fluss Yalu. Die Regierung von Goryeo war mit den Song verbündet, doch blieb ihr Ersuchen um Militärhilfe unerhört. Nach ersten Gefechten rückten die Kitan-Heere nach Süden bis zum Fluss Chongchon vor und leiteten dann Verhandlungen mit der Militärführung Goryeos ein. Sie forderten zunächst die vollständige Kapitulation dieses Reichs, und Goryeos König Seongjong schien dazu auch bereit. Der koreanische Diplomat Seo Hui erreichte indessen, dass sich die Kitan mit dem Status von Goryeo als Vasallenstaat des Liao-Reichs begnügten. Gemäß dem Friedensvertrag musste Goryeo den Kalender der Kitan einführen und seine Beziehungen zu den Song abbrechen. In den Verhandlungen erreichte Seo Hui dafür, dass Goryeo das Gebiet zwischen der Grenze des Liao-Reichs und Goryeo bis zum Fluss Yalu erhielt, das damals von Stämmen der Jurchen besetzt war. 994 nahmen die Kitan regelmäßige diplomatische Beziehungen mit Goryeo auf.

Friedensschluss mit dem Song-Reich

Nach der Sicherung ihrer Grenze zu Goryeo gingen die Kitan gegen das Song-Reich in die Offensive und belagerten Zitong. Die Verteidiger setzten Brandpfeile gegen die Belagerer ein und zwangen sie zum Rückzug. Mehrere ab 999 durchgeführte Feldzüge gegen die Song erbrachten für die Kitan trotz einiger Siege keinen durchschlagenden Erfolg. In den ersten Jahren des 11. Jahrhunderts drangen sie aber bis zum Tal des Gelben Flusses vor.

1004 führten Shengzong und seine Mutter einen großangelegten Einfall ins Song-Reich durch, nahmen die Kapitulation einiger Städte entgegen, umgingen heftigen Widerstand leistende Städte und stießen bis in die Außenbezirke der Song-Hauptstadt Kaifeng vor. Der Song-Kaiser Zhenzong begab sich in die Stadt Chanyuan am Gelben Fluss, wo es im Januar 1005 zu Friedensverhandlungen mit den Kitan kam. Diese Gespräche verliefen erfolgreich, und beide Seiten unterzeichneten den Vertrag von Chanyuan. Die Vertragsurkunden, zwei Eide gleichen Wortlauts der Herrscher der beiden Reiche, blieben erhalten. Beide Monarchen erkannten einander in dieser Abmachung gegenseitig als Kaiser (Huang-ti) an. Sie betrachteten sich als „Brüder“, wobei der Song-Kaiser als älterer „Bruder“ galt und damit moralisches Übergewicht erhielt. Die Song akzeptierten die Zahlung von Kontributionen – eine jährliche Lieferung von 100.000 Tael Silber und 200.000 Seidenrollen – an die Kitan. Dies stellte eine deutlich geringere Belastung für die Wirtschaft des Song-Reichs dar als die Finanzierung einer großen Armee. Außerdem sollte der umstrittene Grenzverlauf endgültig festgelegt und freundschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Reichen aufgenommen werden. Der Vertrag wurde später nur geringfügig geändert und hielt ein Jahrhundert; die Nordgrenze des Song-Reichs war damit gesichert.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Liao Shengzong | World in Stories