Lettice Knollys [ˈnoʊls], gelegentlich Laetitia genannt (* 8. November 1543 in Rotherfield Greys, Oxfordshire; † 25. Dezember 1634 in Drayton Basset, Staffordshire), war eine englische Adlige und Hofdame der Königin Elisabeth I. Über ihre Mutter Catherine Carey war sie eine Enkelin Mary Boleyns, Schwester der Königin Anne Boleyn und somit eine Verwandte der Königin Elisabeth. Einigen Gerüchten zufolge war Lettice die Enkelin König Heinrichs VIII., da die Vaterschaft ihrer Mutter umstritten war. Aus ihrer ersten Ehe entstammte ihr berühmter Sohn Robert Devereux, 2. Earl of Essex.
Ursprünglich eine Favoritin der Königin und eine bekannte Schönheit bei Hofe, erlangte sie eine gewisse Berühmtheit durch ihre heimliche Eheschließung mit Elisabeths Favoriten Robert Dudley, 1. Earl of Leicester. Sie wurde von der Königin vom Hof verbannt und schaffte es niemals, sie wieder zu versöhnen. Unter König Jakob I. wurden sie und ihre Familie in Ehren gehalten, allerdings war sie zeit ihres Lebens in Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Sie starb hochbetagt im Alter von 91 Jahren.
Lettice war das dritte von den sechzehn Kindern des Francis Knollys und der Catherine Carey. Sie wurde nach ihrer Großmutter väterlicherseits benannt. Sir Francis war ein früher Puritaner, der während der Regierungszeit von Maria I. mit seiner Familie nach Basel und Frankfurt am Main floh. Möglicherweise war Lettice unter den fünf Kindern, die sich mit ihm im Exil befanden, es kann aber auch sein, dass sie mit Prinzessin Elisabeth in Hatfield blieb. Nach der Thronbesteigung Elisabeths am 17. November 1558 kehrte die Familie nach England zurück. Francis wurde Schatzmeister des königlichen Haushalts, seine Frau Catherine Chief Lady of the Bedchamber und Lettice Hofdame.
Ende des Jahres 1560 heiratete Lettice Walter Devereux, Viscount Hereford. Im folgenden Jahr zog sich Lettice wahrscheinlich vom Hof zurück, denn ihre Bezahlung als Hofdame wurde eingestellt. Sie lebte mit ihrem Mann auf dem Sitz Chartley in Staffordshire, wo Lettice 1563 und 1564 ihre ersten beiden Kinder bekam, Penelope und Dorothy. Dennoch kehrte Lettice gelegentlich an den Hof zurück. Dort hatte sie im Sommer 1565 einen Flirt mit Robert Dudley, Earl of Leicester, dem Favoriten der Königin. Der spanische Botschafter nannte Lettice eine der schönsten Frauen bei Hofe und eine Favoritin der Königin. Zudem berichtete er, dass Robert Dudley Lettice umwarb, angeblich um Elisabeth eine Entscheidung aufzuzwingen. Die Königin bemerkte es sofort, und machte Leicester monatelang Szenen. Lettice kehrte nach Staffordshire zurück, wo sie im November 1565 ihren ersten Sohn gebar, Robert. Robert Dudley wurde Pate des Jungen. 1570 gebar sie Walter, 1572 folgte Francis, der aber als Säugling starb. 1572 wurde Devereux zum Earl of Essex erhoben.
Im Jahr 1573 ging Devereux nach Irland. Um 1575 ließ sich Lettice möglicherweise wiederum mit Robert Dudley ein. Als ihr Mann aus Irland zurückkehrte, kam es zu einem Skandal, da Lettice in Devereuxs Abwesenheit angeblich Leicester zwei Kinder geboren hatte. Ob sie damals tatsächlich bereits eine Affäre mit Leicester hatte, lässt sich nicht eindeutig nachweisen, ist aber möglich.
Leicester setzte sich für Essex’ Rückkehr nach Irland ein, die allerdings ohnehin unumgänglich war. Kurz darauf starb Essex am 22. September 1576 an Ruhr und Lettice wohnte seinem Begräbnis am 26. November bei.
Als Witwe war es Lettice erlaubt, Leicester zu heiraten. Dieser zögerte jedoch zwei Jahre, da er zu Recht den Zorn der Königin fürchtete. Auch war Lettice zunächst damit beschäftigt, ihr Wittum zu sichern, da Devereux ihr in seinem Testament kaum genug hinterlassen hatte, um davon zu leben. Stattdessen war sie darauf angewiesen, dass Freunde sie beherbergten. Sie stand daher in regem Briefwechsel mit William Cecil, 1. Baron Burghley und drohte den Angestellten ihres Mannes mit einer Klage, sollten sie sich nicht kompromissbereit zeigen. Während bekannt ist, dass sie 1577 Jagden veranstaltete und ihre Leibrente zum Jahreswechsel schließlich erhöht wurde, liegen die beiden Witwenjahre größtenteils im Dunkeln.
Am 21. September 1578 heirateten die beiden vor nur sechs Zeugen in Leicesters Landhaus Wanstead. Unter ihnen befanden sich Lettices Vater Sir Francis Knollys, ihr Bruder Richard, Leicesters Bruder Ambrose und Henry Herbert, 2. Earl of Pembroke. Wie die Zeugen später aussagten, hatte Dudley seit 1577 eine Eheschließung mit Lettice geplant. Angeblich war die Hochzeit in Anwesenheit der Verwandten bereits die zweite Feier, da Lettices Vater auf eine Zeremonie vor einem Notar bestand statt einer heimlichen Hochzeit. Humphrey Tyndale, ein weiterer Gast, sagte später, Lettice hätte ein „loses Gewand“ getragen, was mitunter als eine erneute Schwangerschaft interpretiert wurde, die allerdings historisch nicht verbürgt ist. Trotz allem war die Heirat ein offenes Geheimnis. Bereits im November 1578 erzählte Thomas Radclyffe, der amtierende Earl of Sussex, dem französischen Botschafter von dieser Eheschließung. Rückwirkend hatte diese Ehe zur Folge, dass Gerüchte aufkamen, Leicester und Lettice hätten Devereux vergiftet.
Es ist nicht sicher, wann Königin Elisabeth es herausfand. Im Dezember 1579 wurde es jedoch zum Problem. Sir Edward Stafford, ein Zeitgenosse, berichtete später, dass Elisabeth geglaubt hatte, Leicester wäre bereits mit Douglas Sheffield verheiratet, der verwitweten Baroness Sheffield. Elisabeth fand sich niemals mit Leicesters Heirat ab. Sie verbannte Lettice vom Hof, wodurch diese auch generell von der Gesellschaft gemieden wurde. Auch zog die Königin bei jeder Gelegenheit in der Öffentlichkeit über Lettice (und ihren Gatten) her. Lettice lebte die nächsten Jahre zurückgezogen und nannte sich nur Gräfin von Essex, obwohl ihr nach der Hochzeit der Titel der Gräfin von Leicester zustand. Berichten zufolge lebte sie in dieser Zeit bei ihrem Vater, bereits hochschwanger. Im Juni 1581 kam endlich der ersehnte Erbe für Leicester – der kleine Lord Denbigh – zur Welt.
Der kleine Robert Dudley war wahrscheinlich das einzige Kind von Lord und Lady Leicester. Zwar erwähnte der französische Botschafter im Jahr 1582, dass Lettice mit ihrem zweiten Kind schwanger wäre, doch ist unbekannt, was aus dem Kind wurde. Im Sommer 1583 zog Lettice wahrscheinlich offiziell in Leicester House ein, denn Berichten zufolge war die Königin erbost darüber, dass Leicester „mit seiner Ehe offener umging als zuvor“. Auch merkte der französische Botschafter nach einem gemeinsamen Abendessen an, dass Lettice großen Einfluss auf ihren Mann hatte. Dennoch war die Ehe wahrscheinlich glücklich, denn Leicester sorgte auch großzügig für seine Stiefkinder. So versuchte er beispielsweise, seine Stieftochter Dorothy mit dem schottischen König Jakob VI. zu verheiraten. Diese Begebenheit sorgte für einen weiteren Wutanfall Elisabeths, die wütend erklärte, dass sie Jakob verbieten würde, „die Tochter dieser Wölfin“ zu heiraten. Es blieb nicht sein einziger Versuch, sich mit der königlichen Familie zu verschwägern. Die gefangene Maria Stuart behauptete schließlich, Leicester hätte versucht, seinen Sohn mit der kleinen Arbella Stuart zu verheiraten, doch der Junge starb schon im Juli 1584, zum großen Kummer der Eltern.
1585 ging Leicester in die Niederlande und wurde dort Generalgouverneur. Er wollte Lettice zu sich kommen lassen und böse Zungen behaupteten, sie hätte vor, mit einem größeren Gefolge von Damen, als die Königin besaß, in die Niederlande aufzubrechen. Als Elisabeth davon erfuhr, bekam sie einen Wutanfall und verbot Lettice, das Land zu verlassen. Leicester ermächtigte seine Frau, in seiner Abwesenheit seine Ländereien zu verwalten und zu vermieten. Ihr Sohn Robert berichtete, seine Mutter wäre nach der erneuten Abreise seines Stiefvaters im Juni 1587 in Trauer verfallen.
Leicester starb kurz nach dem Sieg über die Spanische Armada am 4. September 1588 bei Oxford in Anwesenheit seiner Frau. In seinem Testament bedachte er sie großzügig und ernannte sie zu seiner Testamentsvollstreckerin. Obwohl sie eine hohe Witwenrente bezog, hatte Leicester ihr solche Schulden hinterlassen, dass seine Gläubiger Anspruch auf Teile ihres Besitzes erhoben. Verschärft wurde das Problem dadurch, dass Leicesters unehelicher Sohn Robert Dudley Teile ihres Wittums geerbt hatte. Lettice sah sich gezwungen, ihren Besitz teilweise zu verkaufen, um Leicesters Schulden abtragen zu können.