An diesem Tag

Letitia Elizabeth Landon

Britische Dichterin und Romanschriftstellerin

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Letitia Elizabeth Landon (* 14. August 1802 in Chelsea (London); † 15. Oktober 1838 in Cape Coast Castle, Goldküste) war eine britische Dichterin und Romanschriftstellerin. Häufig schrieb die zu ihrer Zeit in Großbritannien wohlbekannte Autorin unter dem Pseudonym ihrer Initialen, L. E. L. Kurz nach ihrer im Juni 1838 zelebrierten Heirat mit George Maclean, dem Gouverneur von Cape Coast Castle, segelte sie mit diesem zu dem in Westafrika gelegenen britischen „Schutzgebiet“, starb dort aber wenige Monate später unter mysteriösen Umständen.

Die am 14. August 1802 in 25 Hans Place in Chelsea zur Welt gekommene Letitia Elizabeth Landon entspross einer britischen Oberschichtfamilie, die vor Letitias Geburt aber wegen der Südseeblase viel von ihrem Vermögen eingebüßt hatte. Letitia war das älteste Kind des Heereslieferanten John Landon und einer Mutter walisischer Abstammung, Catherine Jane, geb. Bishop. Ihr Großvater, der ebenso wie ihr Vater John Landon hieß, war als Landpfarrer scharf gegen Dissenters eingestellt. Außer ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder Whittington Henry, zu dem sie stets ein enges Verhältnis pflegte, hatte sie eine jüngere Schwester Elizabeth Jane, die von schwacher Gesundheit war und 1825 im Alter von nur 13 Jahren starb.

Schon seit früher Kindheit beherrschte Letitia Landon das Lesen. Ab ihrem fünften Lebensjahr besuchte sie in 22 Hans Place in Chelsea zwei Jahre lang dieselbe von der Dichterin Frances Rowden geleitete Schule, in der Mary Russell Mitford und Caroline Lamb ihre Bildung erhalten hatten. Hier erlangte Letitia gute Kenntnisse des Französischen. 1809 übersiedelten die Landons in ein großes Landhaus namens Trevor Park, das nahe East Barnet, einer Gegend im heutigen Norden Londons, lag. John Landon beschäftigte sich nun mit dem Projekt der Führung eines landwirtschaftlichen Musterbetriebs auf der nahegelegenen Coventry Farm. Letitia wurde inzwischen von ihrer älteren Cousine Elizabeth erzogen, las gerne, etwa Defoes Roman Robinson Crusoe, und zeigte bald Ansätze ihrer schriftstellerischen Begabung. Sie verstand es, lange Geschichten zu erfinden, die sie auch in metrische Form zu kleiden wusste. Oft durchwandelte sie die Spaziergänge des Trevor Park oder sie durchwachte die Nacht, indem sie laut ihre Verse hersagte.

Die Misswirtschaft des Verwalters seiner Farm und der Bankrott der Heereslieferagentur Adair & Co, an der er beteiligt war, brachten John Landon in eine schwierige finanzielle Lage, so dass er und seine Familie 1815 zuerst nach Fulham und 1816 nach Old Brompton umzogen, wo sie relativ abgeschieden lebten.

Die Umstände ihrer Familie führten die in der Übergangsphase von der Hochromantik zum Viktorianismus schreibenden Letitia Landon als junge Frau zur Veröffentlichung der Erzeugnisse ihrer Feder, die längere Zeit in kleineren Liedern und größeren episch-lyrischen Gedichten bestanden, bis sie später auch in Romanen einen glänzenden Prosastil entwickelte.

In Old Brompton machte Landon die Bekanntschaft ihres Nachbarn William Jerdan, Herausgeber der einflussreichen wöchentlichen Literaturzeitschrift Literary Gazette, dem ihre Mutter ihre frühen poetischen Versuche zur Durchsicht übergab. Jerdan schätzte Landons Lyrik recht positiv ein, so dass als ihr erstes veröffentlichtes Werk das Kurzgedicht Rome am 11. März 1820 in der Literary Gazette erschien; unterzeichnet war es mit der Initiale L.

Landon hoffte nun, durch ihre Schriftstellerei einiges Geld zu verdienen, da auch weiterhin ihre Gedichte von Jerdan publiziert wurden, der ihr treuester literarischer Freund blieb und nicht wenig zur Anerkennung ihres dichterischen Ruhms beitrug. Mit monetärer Unterstützung durch ihre Großmutter und deren Freundin, die Schauspielerin Sarah Siddons, gab sie unter ihrem vollständigen Namen im August 1821 die Gedichtsammlung The Fate of Adelaide. A Swiss Romantic tale and other poems heraus, die sich ganz gut verkaufte, woraus aber die Autorin aufgrund des einen Monat später erfolgten Bankrotts ihres Verlags keinen finanziellen Profit ziehen konnte.

Zu diesem Zeitpunkt begann Landon in Jerdans Auftrag mit regelmäßigen Veröffentlichungen von Poetical Sketches in der Literary Gazette, welche Beiträge zu dieser Zeitschrift sie unter dem Pseudonym „L. E. L.“ kontinuierlich bis zum Sommer 1824 schrieb. Zwar war ihr Lohn für diese schriftstellerische Betätigung gering, doch das öffentliche Interesse an der unbekannten Dichterin stieg beträchtlich und Spekulationen über ihre Identität blühten. Jerdan gab nicht bekannt, wer sie war, verriet aber bald angesichts zahlreicher Anfragen, dass es sich um eine junge Lady im Teenager-Alter handle. Landon wirkte in der Literary Gazette auch als einflussreiche Rezensentin, verfasste ihre Buchkritiken aber stets anonym, so dass ihr nur wenige zugeordnet werden können.

1824 erschien Landons über 300 Seiten umfassendes Werk The Improvisatrice, and other poems, das auf geteilte Beurteilung der Literaturkritiker stieß, aber viel Anklang beim Großteil ihrer Leserschaft fand und im ersten Jahr sechs Auflagen durchlief. Die junge Titelheldin, die Improvisatrice (d. h. Stegreifdichterin), erzählt darin als Rahmenhandlung die traurige Geschichte ihrer Liebe zu Lorenzo, der diese zwar erwidert, aber bereits mit einer anderen Frau namens Ianthe verlobt ist und sie auch heiratet. Nach dem Tod seiner Frau will er zu seiner Geliebten zurückkehren, die aber mittlerweile aus Liebeskummer ebenfalls verschieden ist und nur noch als Apollonpriesterin auf einem Gemälde sichtbar bleibt. In eingestreuten Berichten und Liedern schildert sie auch andere unglückliche Liebesbeziehungen.

Im gleichen Jahr 1824, kurz vor der Veröffentlichung der Improvisatrice, starb Landons Vater im Alter von 68 Jahren. Seine Familie verfügte damals nur über bescheidene finanzielle Mittel. Da sie sich mit ihrer Mutter zerstritt, zog Landon zu ihrer Großmutter mütterlicherseits, Mrs. Bishop, in die Londoner Sloane Street. Sie verwendete aber ihre mit der Zeit bedeutenden Einnahmen weiterhin größtenteils auf die Bezahlung der universitären Ausbildung ihres jüngeren Bruders Whittington Henry und zur Unterstützung ihrer Mutter. Die Veröffentlichung von The Troubadour. Catalogue of pictures, and historical sketches (1825) machte sie literarisch noch populärer, doch führten ihr gesellschaftlicher Stand als unabhängige, allein stehende Frau und die bevorzugte Thematisierung der Liebe in ihrer Lyrik dazu, dass ihr zahlreiche angebliche Affären unterstellt wurden. Boulevardmedien wie The Wasp brachten Skandalberichte über sie; so wurde 1826 darin behauptet, dass sie von Jerdan schwanger geworden sei. Laut einer im Jahr 2000 veröffentlichten Studie von Cynthia Lawford in der London Review of Books habe Landon tatsächlich eine 15-jährige geheime Liaison mit Jerdan gehabt und ihm zwischen 1822 und 1829 drei uneheliche Kinder, Ella, Fred and Laura, geboren. Landon und ihre Freunde bemühten sich stets, Gerüchte über ihr Sexualleben zu zerstreuen.

Als ihre Großmutter 1826 starb, übersiedelte Landon in eine Mansardenwohnung in ihrer alten Schule am Hans Place, die nun von den Damen Lance betrieben wurde. Sie publizierte die beiden Gedichtsammlungen The Golden Violet, with its tales of Romance and Chivalry; and other poems (1827) und The Venetian Bracelet, The Lost Pleiad, A History of the Lyre, and other poems (1829), deren langen Titelgedichte eine große Ähnlichkeit zu jenen ihrer früheren Werke The Improvisatrice und The Troubadour sowie jenem ihrer 1835 verfassten Sammlung The Vow of the Peacock, and other poems aufweisen. Den Inhalt dieser größeren lyrisch-epischen Dichtungen bilden Rittertum, Gesang und unglückliche Liebe. Ihr wachsender Ruhm schlug sich in zunehmender Nachahmung ihres dichterischen Stils nieder. Die Anstrengungen ihrer umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeit trugen aber zu ihren häufigen Krankheiten wie Kopfschmerzen und Nervenleiden bei.

Spätere Karriere als Romanschriftstellerin

Ab 1830 begann Landon mit dem Verfassen von Romanen, in denen sie die gereiften Erfahrungen ihres Lebens niederlegte. Zu diesem teilweisen Wechsel der Literaturgattung trug die Erkenntnis bei, dass der Roman nunmehr ein gefragteres Genre als die Dichtung wurde und dass sie durch ein Debüt auf diesem Gebiet wieder größeren öffentlichen Beifall finden und in der Folge ihre Finanzen weiter aufbessern könnte. In ihrem ersten Roman Romance and Reality (1831), der sich gut verkaufte, zeigte sie einen ganz anderen Schreibstil als in ihrer Lyrik, und die Rezensenten lobten ihre darin enthüllte geistreiche, satirische Kommentierung modernen Lebens. Das Werk ist ebenso wie ihre Romane Francesca Carrara (1834) und Ethel Churchill (1837) reich an lyrischem Gehalt, kräftig in der Charakterzeichnung und wirksam durch die Gruppierungen. Wie in Jane Austens Sense and Sensibility (1811) wird in Romance and Reality der Gegensatz seiner beiden Heldinnen herausgestellt. Die Autorin flicht in die Handlung auch ziemlich moralisierende Reflexionen ein.

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