An diesem Tag

Leopold Hoesch

Deutscher Unternehmer (1820-1899)

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Der Industrielle Leopold Hoesch (* 13. Januar 1820 in Düren; † 21. April 1899 ebenda) gründete 1871 in Dortmund in der damaligen preußischen Provinz Westfalen das Eisen- und Stahlwerk Hoesch AG, die spätere Westfalenhütte.

Hoesch war der einzige Sohn von Wilhelm Hoesch (1791–1831) und seiner Frau Johanna (1790–1879), eine Tochter des Hüttenbesitzers und Tuchfabrikanten Arnold Schoeller (1747–1831) und Schwester des Dürener Unternehmers Leopold Schoeller.

Sein Vater Wilhelm hatte gemeinsam mit seinen Brüdern Ludolph (1788–1859) und Eberhard (1790–1852) im Jahre 1812 die Firma „Gebrüder Hoesch“ gegründet, welche die Papier- und Eisenbetriebe der Familie Hoesch in Krauthausen, Schneidhausen, Zweifall und Simonskall zusammenfasste.

Nach dem Besuch der protestantischen Elementarschule in Düren schickte Wilhelm Hoesch – wie fast alle wohlhabenden Dürener Industriellen – seinen Sohn Leopold nach Köln auf die 1828 gegründete Höhere Bürgerschule, das spätere Gymnasium Kreuzgasse. Nach dem Tod des Vaters am 23. September 1831 schloss dessen Bruder Eberhard am 24. April 1832 einen Vertrag mit Leopolds Mutter Johanna. Laut J. Hashagen belief sich das Vermögen des Verstorbenen „übrigens auf nur 92.000 Thaler (…).“ Von da an lag die Erziehung des elfjährigen Leopolds allein in den Händen seiner strengen Mutter.

Nach dem Abitur in Köln besuchte Leopold drei Jahre die polytechnische Schule in Wien und lebte bei seiner ältesten Schwester Pauline, die dort seit 1831 mit ihrem Mann Alexander von Schoeller wohnte. Nach Abschluss des Polytechnikums ging Leopold noch einige Monate nach Lüttich, um sein Französisch zu perfektionieren.

Erste berufliche Erfahrungen und Familiengründung

Wieder in Düren arbeitete Leopold im Geschäft seines Onkels Eberhard. Dieser übernahm für Leopold die Rolle eines Vaters und er erkannte seine Fähigkeiten und verlieh ihm schon bald eine bevorzugte Stellung im Unternehmen.

Die Beziehung zwischen den beiden vertiefte sich zudem dadurch, dass Leopold 1844 Eberhards zweite Tochter Henrietta Maria Sibilla (1823–1872) heiratete. Die aus heutiger Perspektive ungewöhnliche Heirat im engeren Verwandtschaftskreis war in damaliger Zeit und besonders in den Fabrikantenfamilien Dürens keine Besonderheit. Leopolds Mutter kaufte sich im selben Jahr ein Haus in der Weierstraße, so dass Leopold mit seiner Frau in das von seinem Vater 1824 gekaufte, elterliche Haus in der Wirtelstraße einzog. Aus der Ehe Leopolds gingen fünf Kinder hervor: Wilhelm (1845–1923), Albert (1847–1898), Hugo (1850–1916), Adele (1853–1920) und Pauline (1858–1920).

Hoeschs Vater hatte das Familienunternehmen 1846 durch die Gründung eines Walzwerks am Sticher Berg in Eschweiler sowie den Erwerb von zehn weiteren Grubenfeldern zur Sicherung der Rohstoff- und Energieversorgung stark ausgebaut. Am 1. Oktober 1846 änderte sich daraufhin die Firma „Gebrüder Eberhard und Wilhelm Hoesch“, benannt nach Leopolds Vater und Onkel, und firmierte fortan unter dem Namen „Eberhard Hoesch & Söhne.“ Leopolds Mutter trat zugunsten ihres Sohnes von ihrem Anteil zurück. Dieser war nunmehr mit einem Viertel am Unternehmen beteiligt. Neben Eberhard selbst war noch dessen ältester Sohn Gustav Hoesch (1818–1885) an dem neuen Unternehmen beteiligt, das nun die Betriebe in Eschweiler, Lendersdorf, Schneidhausen, Simonskall und Zweifall umfasste. Während infolge die mit der Märzrevolution einhergehende Depression das im Aufbau begriffene, in seinen Dimensionen bis dahin einzigartige Werk in Eschweiler gefährdete, wurde es in der folgenden Hochkonjunktur Mitte der fünfziger Jahre neben Lendersdorf zu den profitabelsten Werken.

Nach dem Tod seines Onkels Eberhard am 21. April 1852 wurde Leopold das neue, maßgebende Oberhaupt der Familie und Leiter der Unternehmen. In den 1860er Jahren wurden durch die Umstellung auf das Bessemerverfahren phosphor- und schwefelarme Eisenerze nötig. Damit drohten die Hoeschwerke wegen ihrer schlechten Verkehrslage unrentabel zu werden. Hoesch verlegte daher den Hauptsitz des Unternehmens ins Ruhrgebiet, um so von günstigen Frachtkosten und der Nähe zu den Steinkohle-Bergwerken zu profitieren. Zusammen mit seinen Söhnen Wilhelm (1845–1923) und Albert (1847–1898), die im Ausland die modernsten Technologien kennengelernt hatten, sowie mit den Söhnen seines Onkels Eberhard, Viktor und Eberhard Hoesch, wurde am 1. September 1871 das Eisen- und Stahlwerk Hoesch in Dortmund mit einem Gesellschaftskapital von 800.000 Talern gegründet. Das Unternehmen hatte zunächst die Rechtsform einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) und wurde zwei Jahre nach der Gründung in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Aktien in Familienbesitz blieben. Das Unternehmen firmierte später als Hoesch AG.

Während Albert den Aufbau und die Leitung des Werks übernahm, kümmerte Leopold sich um die strategische Ausrichtung des neuen Unternehmens. Auch auf sozialem Niveau setzte das neue Werk durch eine eigene Betriebskrankenkasse, der heutigen BKK Hoesch, sowie später durch eine Sterbegeldkasse, der Vorsorgekasse Hoesch, neue Maßstäbe. Die Entwicklung des neuen Werks verlief Punkt für Punkt nach Leopolds Plan. Später entstand unter den so genannten Hoeschianern der Begriff Karl Hoesch, eine liebevoll gemeinte Respekterklärung, die als Idiom besonders für alles steht, was mit dem Stahlunternehmen Hoesch AG zu tun hat.

Leopold Hoesch hatte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender die zentrale Verantwortung im Unternehmen. Das zunächst eingesetzte Bessemerstahlwerk mit Schienen- und Trägerwalzwerk wurde 1884 durch ein Thomaswerk ersetzt. Im Jahr 1895 folgte der Bau eines Siemens-Martinwerks mit mehreren Walzstraßen. Im Jahr 1896 kam eine Hochofenanlage hinzu.

Das Aktienkapital stieg unter Hoeschs Führung von 3,6 auf 15 Millionen Mark, die Schuldverschreibungen wuchsen auf 6 Millionen Mark.

Sein außerordentliches Engagement und sein unternehmerischer Instinkt wird an den zahlreichen Institutionen deutlich, in denen er meist führend aktiv war. Hier spiegelt sich wiederum die Persönlichkeit seines Vorgängers, Onkels und Vorbilds Eberhard Hoesch wider. Leopold war Aufsichtsrat des Aachener Hütten- und Aktienvereins Rothe Erde, des Hüttenwerks Phoenix in Ruhrort, des Märkisch-Westfälischen Bergwerkvereins in Letmathe, des Sieg-Rheinischen Bergwerks- und Hüttenvereins, des A. Schaaffhausen’schen Bankvereins in Köln und auch Verwaltungsratsmitglied der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft.

Wirtschaftliche Interessenpolitik

Nachdem er wesentlich an der Gründung einer gemeinsamen Interessenvertretung beteiligt war, wurde Leopold erster Vorsitzender des 1860 gegründeten Technischen Vereins für das Hüttenwesen (seit 1880 Verein Deutscher Eisenhüttenleute, dem heutigen Stahlinstitut VDEh). Vier Jahre später wurde er dessen Ehrenvorsitzender und gilt zudem als geistiger Vater des 1917 in Düsseldorf vom Verein gegründeten Eisenforschungsinstitutes. Mit dem Beitritt des Technischen Vereins für Eisenhüttenwesen zum Verein Deutscher Ingenieure (VDI) im Jahr 1862 wurde er VDI-Mitglied.

Geschickt wusste Leopold die wirtschaftspolitischen Interessen seines Unternehmens mit denen seiner Branche zu verbinden. In seiner Vereinsfunktion plädierte Hoesch in den 1860er Jahren allerdings vergeblich für die Beibehaltung von gemäßigten Eisenzöllen. Während der Gründerkrise trat er ab 1873 für die Einführung von Schutzzöllen ein.

Ein Höhepunkt seines industriepolitischen Engagements war seine Rolle als Sachverständiger in der Eisen-Enquetekommission von 1878.

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