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Leonhard Frank

Deutscher Schriftsteller

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Leonhard Frank (* 4. September 1882 in Würzburg; † 18. August 1961 in München) war ein deutscher Schriftsteller.

Frank ist einer der bedeutendsten sozialkritischen und pazifistischen Erzähler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er schrieb in einem sparsamen und sachlichen Stil, dem es gleichwohl gelingt, eindringlich die gesellschaftlichen und psychischen Abhängigkeiten seiner Figuren darzustellen. Seine Werke sind geprägt von seiner politischen Vorstellung eines solidarischen und humanen Zusammenlebens der Menschen. Sie können stilistisch zwischen Expressionismus und Sachlichkeit eingeordnet werden. Eine Besonderheit seines Gesamtwerks ist die psychologische Vertiefung seiner Charaktere und der behandelten Themen.

Leonhard Frank wurde 1882 als viertes Kind des Schreinergesellen Johann Frank und dessen Ehefrau Marie, geborene Bach, im Würzburger Mainviertel am Fuß des Festungsberges in der Zeller Straße 34 geboren und wuchs dort in sehr ärmlichen Verhältnissen auf.

Nach Besuch der evangelischen Konfessionsschule in der Würzburger Münzstraße 19 von 1889 bis 1896 (aus welcher Zeit Frank seine Erlebnisse mit einem sadistischen Lehrer in der Novelle Die Ursache später verarbeitete), einer daran anschließenden Schlosserlehre bei einem Fahrradmechaniker (Firma Fahrrad-Plager am Sternplatz, wo später die Goldschmiede Sebald und Engert eröffnete), bei dem er dann bis 1896 angestellt war, und einer kurzen, auch in seinem Roman Die Räuberbande erwähnten, Tätigkeit als Labordiener am Würzburger Juliusspital verließ er 1904 Würzburg, um in München Kunstmaler zu werden. Er studierte ab 1905 in München an der Kunstakademie mit Hilfe zweier Stipendien Malerei, war Schüler von Anton Ažbe, und hielt sich dabei mit verschiedenen Hilfsarbeiten am Leben. 1909 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Neuen Künstlervereinigung München (N.K.V.M.), aus der er jedoch im Laufe des Jahres wieder austrat. Frank hielt sich in der Schwabinger Bohème-Szene im Umfeld des Psychiaters Otto Gross auf (Café Stefanie) und gehörte zu den Besuchern des Monte Verità von Ascona. Zeitweilig wohnte er bei dem Lyriker und späteren DDR-Kulturminister Johannes R. Becher in der Bad Uracher Künstlerkolonie.

1910 siedelte er nach Berlin über, wo er die Wienerin Lisa Ertel (eigentl. Luise Elisabeth Erdélyi) kennenlernte und im Februar 1915 heiratete. In Berlin bewegte er sich im Umfeld der sogenannten Neopathetiker, zu denen Kurt Hiller, Jakob van Hoddis, Georg Heym, Ernst Blass und andere gehörten. 1912 erschienen erste Erzählungen von Frank in der Schaubühne und dem damals von Alfred Kerr betriebenen PAN.

1914 hatte er mit seinem ersten Roman Die Räuberbande einen großen Erfolg in Deutschland. Für dieses Werk erhielt er den mit 1000 Reichsmark dotierten Fontane-Preis. Als Sozialist und entschiedener Pazifist ohrfeigte er 1915 in einem Berliner Café den sozialdemokratischen Journalisten Felix Stössinger, weil dieser öffentlich die Versenkung des britischen Passagierschiffs Lusitania durch das deutsche U-Boot U 20, bei dem 1198 Tote zu verzeichnen waren, als „größte Heldentat der Menschheitsgeschichte“ bezeichnet hatte. Aufgrund dieser Tat musste Frank anschließend in die Schweiz emigrieren. Hier beendete er die Novelle Die Ursache, eine eindeutige Stellungnahme gegen die Todesstrafe, und schrieb mehrere kurze Novellen gegen den Krieg, die 1917 in der Schweiz unter dem Sammeltitel Der Mensch ist gut erschienen. In Deutschland verboten, musste dieses Buch illegal eingeführt werden und wurde dann von Kriegsgegnern weiterverbreitet. Die bekannte Schauspielerin Tilla Durieux veranstaltete kurz nach Erscheinen eine Lesung aus dem Buch, die die etwa 300 Zuhörer dermaßen aufrüttelte, dass sie nur mit Mühe davon abgehalten werden konnten, mit Protestrufen gegen den Krieg über den Potsdamer Platz in Berlin zu ziehen. Eine der stark beeindruckten Zuhörer war Käthe Kollwitz. Im November 1918 wurde Frank von Heinrich Mann der Kleist-Preis zugesprochen.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges 1918 beteiligte er sich an der Münchner Räterepublik als Anhänger von Kurt Eisner und Gustav Landauer und war zeitweilig Mitglied im Vollzugsausschuss des Arbeiter- und Soldatenrates. Nach der Niederschlagung der Rätebewegung in München Anfang Mai 1919, bei der Frank verwundet wurde, kehrte er nach Berlin zurück, lebte zwischenzeitlich aber auch in München, Würzburg und Wien.

In Berlin arbeitete Frank als freier Schriftsteller bis 1933. Der Tod seiner ersten Frau 1923 führte zu einer schweren Schaffenskrise. Nach etwa einem Jahr fand er zurück zum Schreiben und verkehrte im kulturellen Milieu Berlins, z. B. in den Künstlerlokalen Schwannecke und Schlichter und im Eden-Café des gleichnamigen Hotels in Zoo-Nähe. Frank engagierte sich im Komitee Künstlerhilfe der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH) von Willi Münzenberg und dem oppositionellen Schriftstellerzirkel „Gruppe 1925“ (u. a. Johannes R. Becher, Alfred Döblin, Bertolt Brecht).

1928 wurde Frank in die Preußische Akademie der Künste zu Berlin gewählt. 1929 heiratete er erneut, seine Frau wurde die in Kiew geborene, aus Odessa stammende Übersetzerin Elena Maquenne Pewsner. Im selben Jahr wurde der Sohn Andreas geboren. Ab 1928 war Frank nicht nur als Schriftsteller tätig, sondern schrieb auch Drehbücher für verschiedene Filme. Beeindruckend ist seine Bearbeitung des Karamasoff-Stoffs für den Film Der Mörder Dimitri Karamasoff mit Fritz Kortner in der Hauptrolle. Unter der Regie von Victor Trivas, mit der Musik von Hanns Eisler und dem Darsteller Ernst Busch, war er an dem Antikriegsfilm Niemandsland beteiligt. Das Werk führte zu heftigen Attacken von Nationalisten und Nationalsozialisten und wurde aufgrund deren Druck von der Reichsregierung verboten.

Mit Beginn des Dritten Reiches emigrierte Frank nach kurzem Zwischenaufenthalt in München 1933 zum zweiten Mal über Zürich und London nach Paris. Seine Bücher fielen in Deutschland der Bücherverbrennung im Mai 1933 zum Opfer, er wurde im März 1933 von Gottfried Benn aus der Preußischen Akademie ausgeschlossen. Am 3. November 1934 wurde ihm, u. a. wegen der Unterzeichnung des Saaraufrufs deutscher Intellektueller, mit der Veröffentlichung der dritten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reichs die deutsche Staatsbürgerschaft rechtskräftig aberkannt. 1936 reiste er gemeinsam mit Thomas Mann aus Anlass des 80. Geburtstags von Sigmund Freud nach Wien.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde er wie alle deutschen Exilanten von den französischen Behörden interniert, zunächst in Paris, dann in der Nähe von Blois. Zwischenzeitlich freigelassen, wurde er mit dem Überfall von Nazi-Deutschland auf Belgien und die Niederlande im Mai 1940 wieder von der französischen Polizei verhaftet und mit ca. 1000 anderen Exilanten in einer ehemaligen Sardinenfabrik in Audierne bei Quimper, Bretagne interniert. Der Internierung und zu befürchtenden Auslieferung an die Nazis entzog er sich kurz vor Eintreffen der deutschen Truppen durch Flucht. Zunächst zu Fuß, später mit dem Fahrrad und zuletzt per Zug flüchtete Frank zusammen mit dem Journalisten Léo Lania und einem weiteren Leidensgenossen, unter permanenter Lebensgefahr, durch die deutschen Linien nach Marseille. Er hat dies später in seinen biografischen Romanen Mathilde und Links, wo das Herz ist ausführlich beschrieben. Der Roman Mathilde ist seiner damaligen Geliebten, der schweizerischen Schriftstellerin und Tänzerin Maria Meinen, gewidmet, die ihn während seiner Flucht finanziell unterstützte.

Auch in Marseille lebte er, ohne Einkommen und ohne gültige Papiere, in Furcht vor der französischen Polizei und der Auslieferung an die Gestapo. In dieser Zeit hatte er engen Kontakt mit Walter Mehring. Mit Unterstützung von Maria Meinen und verschiedener Hilfskomitees, zum Beispiel des unter Beteiligung von Erika Mann und Thomas Mann in New York gegründeten Emergency Rescue Committee (ERC), konnte er schließlich mittels eines gefälschten tschechoslowakischen Reisepasses über die Pyrenäen, Spanien und Portugal in die Vereinigten Staaten flüchten (1940).

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