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Leonardo Sciascia

Italienischer Schriftsteller und Politiker, MdEP

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Leonardo Sciascia ([leoˈnardo ˈʃaːʃa]) (* 8. Januar 1921 in Racalmuto; † 20. November 1989 in Palermo) war ein italienischer Schriftsteller. Er wurde bekannt durch seine Kriminalromane, die häufig in seiner sizilianischen Heimat spielen und die Mafia thematisieren. Er galt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter der sizilianischen Literatur und mischte sich häufig in kulturelle und politische Debatten ein. Als Politiker saß er im Stadtrat von Palermo, in der Camera dei deputati und im Europaparlament.

Leonardo Sciascia wurde an der Fachhochschule für Lehrer in Caltanissetta ausgebildet. Er war Angestellter der Behörde für Getreidespeicherung in seinem Heimatort Racalmuto in der Nähe von Agrigent. Von 1949 bis 1957 arbeitete er dort als Volksschullehrer. 1975 wurde er als unabhängiger Kandidat über die Liste des Partito Comunista Italiano (PCI) in den Stadtrat von Palermo gewählt, 1977 trat er von seinem Posten zurück. 1979 wurde er als Abgeordneter des Partito Radicale bis 1983 ins italienische Abgeordnetenhaus und für kurze Zeit auch in das Europaparlament gewählt.

Mit dem 1961 erschienenen Roman Der Tag der Eule wurde Leonardo Sciascia berühmt. Der Autor wurde bald als bedeutendster lebender sizilianischer Schriftsteller angesehen und als „Gewissen der italienischen Gesellschaft“, das seine Stimme in vielen kulturellen und politischen Debatten des Landes erhob. Das Buch rückte die Problematik der Mafia über die Grenzen Italiens hinaus ins öffentliche Bewusstsein und gilt als erste literarische Behandlung der Mafia. Laut Manfred Hardt entwickelte Sciascia in seinen Romanen „eine neue Form von kritischem Realismus“, in der er innerhalb des Genres des Kriminalromans Erzählung mit Argumentation und Essay verknüpfte, um an die Tradition der Aufklärung anzuknüpfen.

In Sciascias Werken werden neben gesellschaftlichen Strukturen insbesondere politische Machtsysteme behandelt und aufgegriffen, vom faschistischen bis zum christdemokratischen Italien, von den italienischen Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Verhältnissen der Macht im Allgemeinen. Justiz, Richteramt und Kommissare bilden häufige Charaktere. Die Frage der Schuld und Unschuld nimmt ebenso wie überhandnehmende Verstrickungen in den Erzählungen und Romanen eine zentrale Position ein. Die Analyse der Machtverhältnisse anhand eines Tatsachengegenstandes findet sich schließlich in Die Affäre Moro, 1989 auf Deutsch erschienen.

Trotz seines literarischen Engagements gegen die Mafia diskreditierte er in einem Artikel im Corriere della Sera (10. Januar 1987) die Antimafiabewegung um die Staatsanwälte Antonino Caponnetto, Giovanni Falcone, Paolo Borsellino, Leonardo Guarnotta und Giuseppe Di Lello mit den Worten „Heute brauche man nur einen Prozess gegen die Mafia zu leiten, um Karriere zu machen“. Er bezweifelte die Aussagekraft der Überläufer (pentiti) wie Tommaso Buscetta, die dem Antimafiapool so viele Erfolge beschert hatten. Seine Polemik und die Kritik anderer Zeitungen trugen dazu bei, dass die Strategie zentralisierter Ermittlungen gegen die Cosa Nostra Palermos und Italiens ein Jahr später aufgegeben wurde.

Zu seinem Artikel und den heftigen Reaktionen darauf meinte er später:

1986 erhielt er für sein bei Sellerio Editore in Palermo herausgegebenes Buch Cronachette den Premio Bagutta. Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt.

Der 1994 entdeckte Asteroid (12380) Sciascia wurde am 4. Mai 2004 nach Leonardo Sciascia benannt.

Am 8. Januar 2020 wurde die Biblioteca Comunale di Palermo nach ihm benannt.

Opere 1956–1971 1971–1983 1984–1989. Hrsg. von Claude Ambroise. 3 Bände. Mailand 1987–1990.

Le favole della dittatura. Rom 1950.

La Sicilia, il suo cuore. Rom 1952.

Pirandello e il pirandellismo. Caltanissetta 1953.

Le parrocchie di Regalpetra. Bari 1956/1957

Salz, Messer und Brot. Sizilianische Geschichten. Übersetzung Sigrid Vagt. Paul Zsolnay, Wien 2002, ISBN 3-552-05210-0.

Einmal in Sizilien. Übersetzung Sigrid Vagt. Wagenbach, Berlin 2021, ISBN 978-3-8031-1360-3.

Gli zii di Sicilia. Caltanissetta 1958

Sizilianische Verwandtschaft : 4 Erzählungen. Nachwort Nino Erné. Übersetzung Caesar Rymarowicz, Nino Erné. Steinhausen, München 1980, ISBN 3-8205-0455-9.

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