Lena Johanna Therese Ćwiertnia, ehem. Meyer-Landrut, (* 23. Mai 1991 in Hannover) ist eine deutsche Sängerin und Songschreiberin. Mit dem Lied Satellite gewann sie den Eurovision Song Contest 2010 und errang damit den zweiten Sieg für Deutschland bei diesem Wettbewerb. Im Folgejahr trat sie mit dem Stück Taken by a Stranger erneut beim ESC an und erreichte den zehnten Platz. Sie ist auch als Synchronsprecherin tätig. Gelegentlich arbeitet sie als Model und macht Werbung für Kosmetikmarken.
Privates, Jugend und Ausbildung
Lena Meyer-Landrut wurde 1991 geboren und wuchs als Einzelkind im hannoverschen Stadtbezirk Misburg-Anderten bei ihrer Mutter auf. Ihr Vater verließ die Familie, als sie zwei Jahre alt war. Sie ist väterlicherseits eine Enkelin des Diplomaten Andreas Meyer-Landrut und eine Nichte zweiten Grades von Nikolaus Meyer-Landrut. Im Juni 2010 beendete sie die Schulzeit an der IGS Roderbruch mit dem Abitur.
Im Wintersemester 2011 schrieb sich Meyer-Landrut für die Studiengänge Sprachen und Kulturen Afrikas und Philosophie an der Universität zu Köln ein. Wegen der Arbeiten an ihrem dritten Musikalbum nahm sie das Studium jedoch nicht auf. Anfang 2019 gab sie die Trennung von ihrem langjährigen Lebenspartner bekannt. Nach eigenen Angaben leidet sie zeitweise an Depressionen.
Meyer-Landrut ist seit 2020 mit dem Musiker Mark Forster verheiratet. Die beiden hatten sich im Zuge der Dreharbeiten zu The Voice Kids kennengelernt und sind Eltern eines Kindes.
Während der Schulzeit wandte sich Meyer-Landrut nach Ballett und Jazz Dance dem aus Elementen von Hip-Hop, Jazz- und Ausdruckstanz bestehenden Show-Dance zu. 2009 wirkte sie als Laiendarstellerin in den Fernsehserien K11 – Kommissare im Einsatz, Helfen Sie mir! und Richter Alexander Hold mit.
2010: Unser Star für Oslo und My Cassette Player
Im Herbst 2009 bewarb sie sich um eine Teilnahme an der Castingshow Unser Star für Oslo, der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2010. Sie wurde ausgewählt und trat in der ersten Fernsehshow mit dem Song My Same der britischen Soul- und Popsängerin Adele auf. Sie erntete Lob von den Juroren um Veranstalter Stefan Raab. Adele bezeichnete Lenas Version ihres Liedes später als „faszinierend“. Die Originalfassung des Songs platzierte sich – ebenso wie das später von ihr gesungene New Shoes von Paolo Nutini – erst nach ihrem Castingshow-Auftritt in den deutschen Singlecharts. Auch Kate Nashs Foundations, Neopolitan Dreams von Lisa Mitchell und Jason Mraz’ Mr. Curiosity kehrten nach ihrer Interpretation in die deutschen Singlecharts zurück. Schon vor dem Finale galt Lena als Favoritin. Meyer-Landrut gewann den Wettbewerb gegen die gleichaltrige Schülerin Jennifer Braun mit dem Lied Satellite von Julie Frost und John Gordon und erhielt einen Plattenvertrag bei Universal Music.
Einen Tag nach dem Sieg bei Unser Star für Oslo belegte Meyer-Landrut mit den Finalsongs Satellite, Bee und dem von Raab eigens für sie komponierten Love Me, dessen Text von ihr selbst stammt, als erste deutsche Sängerin die ersten drei Plätze großer Download-Portale wie iTunes und Musicload. Gleichzeitig stellte sie mit den Singles einen Verkaufsrekord auf. Als erste Interpretin konnte sie auf Anhieb drei Titel in den Top Five der deutschen Single-Charts platzieren. Satellite erreichte Platz eins der deutschen und Schweizer Hitparade und Platz 2 in Österreich. Unter dem Namen Lena (ohne Nennung des Nachnamens) veröffentlichte sie am 7. Mai 2010 ihr Debütalbum My Cassette Player, das Platz eins der deutschen Charts und Platz 3 in Österreich und der Schweiz belegte.
Als Vertreterin eines der vier größten EBU-Beitragszahler war Lena ohne Teilnahme an weiteren Vorentscheiden für das Finale des Eurovision Song Contest qualifiziert. Per Auslosung erhielt sie Startplatz 22 (von insgesamt 25). Lena trat mit vier Backgroundsängerinnen auf und siegte mit 246 Punkten (→ Punktevergabe für Deutschland). Es war der zweite Sieg für einen deutschen Beitrag nach Nicole im Jahr 1982. Einen Tag nach dem Finale empfing der damalige niedersächsische Ministerpräsident, Christian Wulff, Lena in ihrer Heimatstadt Hannover. Dort trug sie sich in das Goldene Buch der Stadt ein und wurde anschließend von etwa 40.000 Fans umjubelt.
Zwei Tage nach dem Finale stieg ihr Siegertitel auf Platz 1 der norwegischen Charts. Danach belegte er zudem erste Plätze in Schweden, Finnland, Schweiz, Dänemark sowie erneut in Deutschland. Auch in weiteren europäischen Ländern und Australien platzierte sich die Single. Von Mitte Juni bis Anfang August 2010 absolvierte Lena eine Promotiontour durch verschiedene europäische Städte. Neben Interviews gab es Live-Auftritte in der norwegischen Fernsehsendung Allsang på Grensen und der schwedischen Fernsehsendung Sommarkrysset, und sie trat beim Schlagerfestival auf der Stockholm Gay Pride auf. Im August 2010 erschien ihre vierte Single, Touch a New Day, die von Stefan Raab geschrieben und produziert wurde. Im Oktober 2010 kam der 3D-Animationsfilm Sammys Abenteuer – Die Suche nach der geheimen Passage ins Kino, in dem Meyer-Landrut dem Schildkrötenmädchen Shelly die deutsche Stimme lieh.
Im September 2010 engagierte der Automobilhersteller Opel Meyer-Landrut für ein Jahr als Werbeträgerin, u. a. für ein auch namentlich an ihren ESC-Hit angelehntes Sondermodell namens Corsa Satellite. Im März 2011 hatte sie zwei Gastauftritte in Anke Engelkes Sketch-Comedy Ladykracher. Im April 2011 war sie in einem Sesamstraßen-Special zu sehen, in dem sie ihren Hit Satellite unter dem Titel Bert, oh Bert auf Deutsch sang.
2011: Unser Song für Deutschland und Good News
Die Idee, Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf als Titelverteidigerin antreten zu lassen, stammte wiederum von Stefan Raab. In der deutschen Vorentscheidung Unser Song für Deutschland wählten die Zuschauer aus mehreren Vorschlägen den Song Taken by a Stranger.
Meyer-Landruts zweites Studioalbum Good News, das im Februar 2011 veröffentlicht wurde, enthält alle Beiträge der deutschen Vorentscheidung. Wie ihr Debütalbum gelangte Good News an die Spitze der deutschen Albumcharts und erreichte nach einer Woche Goldstatus. Im März 2011 erreichte sie als erste deutsche Künstlerin mit sechs Liedern (fünf Neueinsteiger und einem Wiedereinsteiger) gleichzeitig die Top 100 der deutschen Single-Charts. Bei der Echoverleihung 2011 gewann sie einen Echo als „Erfolgreichster Newcomer National“ und einen weiteren als „Erfolgreichste Künstlerin National“, in drei weiteren Kategorien war sie nominiert.
Im April 2011 absolvierte Lena ihre erste Tournee durch neun deutsche Städte. Bereits etwa acht Monate vor ihrem Start löste die Tour ein großes Medienecho aus. Es gab Spekulationen über einen schleppenden Vorverkauf sowie Äußerungen einiger prominenter Künstler, die die Sorge äußerten, dass die Hallen für eine unerfahrene Künstlerin zu groß seien. Die Besucherzahl der gesamten Tour wurde auf ca. 75.000 geschätzt.
Auf den ersten sechs Konzerten wurde sie von der Rock-Band kleinstadthelden und auf den letzten drei von der Indiepop-Gruppe Mikroboy als Vorgruppen begleitet. Die Tourband bestand aus Andreas Grimm (Bandleader, Keyboard), Mathias Höderath (Keyboard), Alex Vesper (Schlagzeug), Bruno Müller (Gitarre), Nico Brandenburg (Bass) und Bastian Ruppert (Gitarre, Posaune). Unterstützt wurden Sängerin und Band von den Backgroundsängerinnen Anji Hinke, Grace Risch und Maya Saban sowie einer vierköpfigen Streichergruppe. Die Tänzerinnen stammten aus dem Team der Choreographin Nikeata Thompson. Meyer-Landrut präsentierte in jeder Vorstellung insgesamt 21 Songs (inklusive drei Zugaben) ihrer beiden ersten Alben sowie erstmals den Song Who’d Want to Find Love. Das Konzert im April 2011 in der Frankfurter Festhalle wurde aufgezeichnet und unter dem Titel Good News – Live als DVD veröffentlicht.
Am 14. Mai sang Lena in der ESPRIT arena vor 36.000 Zuschauern zum zweiten Mal beim ESC für Deutschland. Mit ihrem Beitrag Taken by a Stranger erreichte sie den Platz 10. Zur Eröffnung des Song Contests sang sie zusammen mit den Moderatoren Stefan Raab, Judith Rakers und Anke Engelke eine Rockabilly-Version von Satellite. Auch dieser Version gelang der Einstieg in die Charts. Für den Matthias-Schweighöfer-Film What a Man, der im August 2011 in die Kinos kam, nahm sie das Lied What a Man auf, eine Coverversion des Linda-Lyndell-Hits aus dem Jahr 1968. Im September 2011 war sie Außenreporterin beim Bundesvision Song Contest 2011.